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Brötchen mit Kreditkarte zahlen: Wann nutzen Sie noch Bargeld?

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Laura Berthold von Vielhaber’s Brot-Café in der Wilhelmstraße zeigt das neue Kartenlesegerät. Seit einigen Monaten ist in der Bäckerei auch bargeldloses Bezahlen möglich. Die meisten Kunden zahlen jedoch immer noch bar.

Die Deutschen hängen am Bargeld. Anders als in Skandinavien oder den angelsächsischen Ländern ist es hierzulande bislang noch nicht üblich, kleine Beträge – beispielsweise beim Bäcker – per Kartenzahlung zu entrichten. In der Corona-Zeit stellen Banken und Zahlungsdienstleister einen Trend zum bargeldlosen Bezahlen fest.

Lüdenscheid - Das hat auch Thomas Meermann, Marketing-Leiter der Sparkasse Lüdenscheid, beobachtet. So sanken die Bargeldauszahlungen im Juni im Vergleich zum Vorjahr von 197.000 auf 150.000, ein Rückgang von 24 Prozent. Ob aber auch die Bargeldsumme gesunken ist, blieb unklar. Nicht auszuschließen ist, dass wegen der Corona-Pandemie seltener Geld abgehoben wurde, dafür aber höhere Beträge.

Der Trend zum kontaktlosen Bezahlen ist auch einer Reaktion des Handels geschuldet. In vielen Geschäften ist seit der Corona-Pandemie bargeld- und vor allem kontaktloses Bezahlen, teilweise sogar mit dem Smartphone, ausdrücklich erwünscht. Besonders kleine Cafés oder Bars ermöglichen diese Zahlungsmethode bislang jedoch nicht.

Laura Berthold arbeitet seit drei Jahren in Vielhaber’s Brot-Café an der Wilhelmstraße. Seit Beginn der Corona-Pandemie gäbe es dort eine größere Nachfrage nach bargeldlosem Bezahlen, jedoch „nur mit Karte, mit dem Handy hatte ich es noch nicht“. Theoretisch können die Kunden bei Vielhaber jeden beliebigen Betrag mit der Karte bezahlen, auch ein einzelnes Brötchen. „Ich hatte das einmal, dass ein Kunde gar kein Bargeld mehr hatte und ein Brötchen mit Karte bezahlt hat.“

Bargeldloses Bezahlen im Trend: Bäckerei in Lüdenscheid macht's vor

Vor Corona gab es auch schon vereinzelt Anfragen nach Kartenzahlung, die Bäckerei bekam das notwendige Kartenlesegerät jedoch erst Ende März. Berthold selbst findet das Bezahlen mit der Karte deutlich angenehmer: „Man hat keinen Kontakt mit dem Bargeld. Man kann schließlich nie wissen, ob jemand Corona hat oder nicht.“

Sparkassen-Sprecher Thomas Meermann bestätigt, dass die Argumente „hygienisch und bequem“ viele Menschen überzeugt hätten. Er sieht einen starken Schub für das kontaktlose Bezahlen mit der Girocard, der ehemaligen EC-Karte: Die Sparkasse Lüdenscheid registrierte im Januar dieses Jahres 187 000 Bezahlvorgänge, im Mai waren es bereits 282 000 – ein Plus von 50 Prozent.

Brot mit Bargeld

Kundin Tanja Haberland-Kimmel, die in der Bäckerei ein Brot für 3,74 Euro kauft, begleicht ihre Rechnung wie selbstverständlich mit Münzen: „Ich zahle lieber bar, das muss ich ehrlich sagen. Ich habe mehr Kontrolle über mein Geld. Ich habe eine Haushaltskasse, und wenn ich viel mit Karte zahle, fällt mir das Nachhalten schwer“.

Größere Beträge wie Schuhe oder eine Jacke bezahlt Tanja Haberland-Kimmel hingegen mit Karte, ihren Wocheneinkauf jedoch in der Regel bar. Auch Anne Altrogge bezahlt die beiden Brötchen, die sie in der Bäckerei kauft, mit Bargeld. Ein ausschlaggebender Grund ist für sie der Datenschutz: „Wenn ich alles mit Karte bezahle, bin ich noch transparenter als mit Barzahlung“.

Zahlen mit Karte statt mir Bargeld: Sorge um Transparenz

Anders als in der Bäckerei ist das Bezahlen mit der Karte in Geschäften des Einzelhandels gängig. Melanie Vogt, die einige Drogerieartikel bei Müller im Stern-Center kauft, bezahlt diese mit der Girocard. Sie gibt an, den allergrößten Teil ihrer Einkäufe – circa 95 Prozent – mit der Karte zu bezahlen, auch beim Bäcker. Dies ermögliche für sie eine „bessere Kostenübersicht zu Hause“. 

Auch Nadine und Patrick, die bei Saturn ein Konsolenspiel kaufen, bezahlen per Girocard. Sie zahlen häufig mit der Karte. „So zu 80 Prozent“, schätzt Nadine. „So muss ich nicht extra Bargeld abheben“. Verändert habe sich ihr Bezahlverhalten durch Corona hingegen nicht. „Das haben wir vorher schon gemacht“.

„In der Gastronomie ist Bares hingegen noch lange nicht abgeschrieben. Panagiotis Pantikidis bietet in seinem griechischen Lokal Times am Rathausplatz keine Kartenzahlung an. Auch Anfragen dafür habe er keine: „Die meisten haben ihre Karte nicht dabei. Sie trinken nur einen Cappuccino für zwei Euro. Das wollen sie schnell bar bezahlen.“ Er beruft sich dabei auf die griechische Mentalität, in der es nicht üblich sei, kleine Beträge mit Karte zu bezahlen.

Gebühren schrecken ab

Auch auf dem Lüdenscheider Wochenmarkt läuft noch alles getreu dem Motto „Nur Bares ist Wahres“. Klaus und Elke Pichlbauer, die auf dem Markt Naturseifen verkaufen, sehen vor allem finanzielle Hürden: „Für die Gebühren, die verlangt werden, sind wir zu klein. Wir wollen auch nicht die Kunden belasten, indem wir die Preise erhöhen.“

Viele Händler berichten, dass die Nachfrage nach bargeldlosem Bezahlen bei der meist älteren Kundschaft nicht gegeben ist. So erklärt Helga Kindel von der Bio-Vollkornbäckerei Niedergesäss: „Die meisten kennen es nicht anders auf dem Markt und die Älteren zahlen sowieso lieber bar.“ Einzelne Markthändler wollen in Zukunft aber umrüsten.

Trend zum bargeldlosen Bezahlen: Unternehmen und Cafés ziehen nach

„Ja, Ende September kommen die neuen Lkw mit Kartenlesegerät“, sagt Michele Manco vom Stand „Italienischen Feinkost Giglio“. Er freut sich darauf. Im Moment zieht er sich Handschuhe über, wenn er das Bargeld in die Hand nimmt. Zudem sei bei ihm in der Corona-Zeit die Nachfrage nach bargeldlosem Bezahlen gestiegen.

Auch bei Wilhelm Hörnemann vom Hof Hörnemann aus dem Münsterland, der Eier und verschiedene Wurst- und Fleischwaren anbietet, wird in den nächsten Tagen eine Kartenzahlung an seinem Stand möglich sein. Die Anbieter hierfür seien zurzeit leider „total überlastet“. „Die Nachfrage ist da, deshalb stellen wir komplett um“. Barzahlung werde natürlich nach wie vor möglich sein. Händler stellen um Zur Kartenzahlung bisher sagt er: „Die Leute gehen davon aus, dass wir das nicht haben, aber ich denke, wenn wir das dementsprechend bekannt machen, wird es auch angenommen, besonders von jungen Leuten.“ Er sieht auch eigene Vorteile: „Das ist für uns ein Gewinn. Die Leute geben mehr Geld aus, weil es nicht kneift im Portemonnaie. Die Erfahrung haben wir schon gemacht.“ Johanna Huntemann, die in der Stadt einige Besorgungen erledigt, zahlt lieber mit der Karte. „Geht schneller. Vor allem jetzt auch wegen Corona.“

Die junge Frau hat sogar eine App auf dem Smartphone, mit der sie bezahlen könnte. Davon sieht sie jedoch meistens ab: „Brauche ich nicht“. Thomas Meermann hingegen berichtet, dass auch die Zahl der Bezahlvorgänge mit dem Smartphone in den ersten fünf Monaten des Jahres stark zugenommen habe, um ganze 72 Prozent. Er sieht darin „ein klares Zeichen für einen Megatrend, der noch deutlich mehr an Fahrt aufnehmen wird“. Absolute Zahlen nennt er nicht.

Von Nele Gerbersmann

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