300 Quadratmeter große „Türchen“ an der Kirchenwand

Gegen den Corona-Blues: Lichtrouten-Adventskalender mit internationalen Künstlern

Lüdenscheid Erlöserkirche Lichtrouten Lichtkunst Tom Groll
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An die Fassade der Lüdenscheider Erlöserkirche werden die Lichtkunstwerke des Adventskalenders projiziert.

24 „Türchen“ ab dem 1. Dezember, jedes ist rund 300 Quadratmeter groß: Ein Künstler-Kollektiv um den Lichtkünstler Tom Groll hat einen einmaligen Lichtkunstkalender konzipiert. Das rund einminütige Motiv läuft in Dauerschleife. Über die Weihnachtsfeiertage wird ein 24-minütiger Film gezeigt.

Lüdenscheid – Sitzkissen und Palettenmöbel auf der Wiese vor der ehrwürdigen Erlöserkirche wird’s in verrückten Zeiten wie diesen nicht geben. Dafür aber eine positive und unmissverständliche Botschaft: „Freut Euch auf die Lichtrouten 2022!“ Am 1. Dezember öffnet sich an der Fläche des Kirchenschiffs das erste „Türchen“ des Lüdenscheider Lichtkunstkalender. Allerdings ein rund 300 Quadratmeter großes Türchen, denn so viel Fläche bespielen Lichtrouten-Künstler der letzten Jahrzehnte gemeinsam mit dem Lüdenscheider Lichtkünstler Tom Groll den ganzen Dezember über.

„Wir haben viel hin und her überlegt“ sagt Tom Groll, der ebenso wie viele seine Künstlerkollegen im März urplötzlich vor dem Nichts stand, „die erste Welle war schon doof, aber jetzt geht’s eigentlich wieder.“ Vom Lüdenscheider Stadtmarketing sei er angesprochen worden, ob man nicht eine Art Adventskalender an die Fassade der Erlöserkirche projizieren könnte. Am Ende aller Überlegungen stand für Tom Groll, das Projekt nicht allein, sondern mit weiteren Künstlern zu entwickeln. Und so holte er Katharina Berndt, Oliver Iserloh, Sam Khatam, Kuno Seltmann und Robert Sochacki für eine Kooperation der besonderen Art mit ins Boot, allesamt bekannt als Einzelakteure der „Lichtrouten“.

Der polnische Lichtkünstler Robert Sochacki gestaltete die Wunderkammer der Zukunft in den städtischen Museen.

Gemeinsam arbeiteten sie in den vergangenen Wochen – oftmals per Videokonferenz, „da Leute wie Robert in Polen festsitzen“ – an einer Projektionskooperation. Zu sehen sind ab dem 1. Dezember täglich autonome Projektionen, die allerdings in irgendeiner Weise mit der Arbeit des Künstlers des vorangegangenen Tages interagieren. Groll: „Manchmal sind das einzelne Elemente, manchmal auch die Inspiration der Arbeit vom Vortag. Projiziert wird das jeweilige Projekt in einer einminütigen Dauerschleife zwischen 18 und 20 Uhr, unterlegt mit leisem Sound, um die direkten Anwohner nicht knappe vier Wochen mit Musik zu strapazieren.“ Am 5. Dezember sind dann fünf, am 12. Dezember 12, am 19. Dezember 19 und an Heilig Abend 24 Clips zu sehen. Jeweils samstags werden in den Abendstunden die Bilder der Woche hintereinander abgespielt, sodass am 24. Dezember ein 24-minütiger Film entstanden ist.

Wer im April des Jahres 2018, in dem Lüdenscheid sein Stadtjubiläum feierte, vor der Erlöserkirche gestanden, gesessen und gestaunt hat, erinnert sich ohne Zweifel an die Faszination der Projektion. Gemeinsam mit Robert Sochacki schafften die Lichtrouten-Kuratoren Bettina Pelz und Tom Groll seinerzeit einen Vorgeschmack auf das Lichtkunstspektakel im Oktober des gleichen Jahres. Der „Lüdenscheider Lichtkunstkalender“ sei ein einzigartiges Projekt, das möglich mache, auch in der „Lichtrouten“-freien Zeit das Thema in den Köpfen der Menschen wach zu halten. Weichen muss für die Lichtkunst voraussichtlich der traditionelle Weihnachtsbaum, der sonst zwischen dem Projektionscontainer und der Kirchenfassade stehen würde. Ob die stattliche Tanne in kleinerer Form an anderer Stelle des Kirchengeländes aufgestellt wird, wird noch diskutiert.

Jeder musste dann halt sein Ego ein bisschen zurückschrauben.

Lichtkünstler Tom Groll

Wenn der fertige Film auf die Fassade projiziert wird, besteht über die Weihnachtsfeiertage für Vertreter des Vereins „Lichtrouten-Kollektiv“ die Möglichkeit, mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen und Auskunft zu den Künstlern und deren Werk zu geben.

Die Zusammenarbeit mit den anderen Lichtkünstler sei inspirierend gewesen, erinnert sich Groll: „Jeder musste dann halt sein Ego ein bisschen zurückschrauben.“ Zu sehen sein werden „Türchen“ für „Türchen“ allerdings keine rein weihnachtlichen Motive, sondern eher Surreales. Mit diesem Lichtkunst-Projekt biete die Stadt ihren Bürgern und Gästen gerade in diesen ungewöhnlichen Zeiten kleine Lichtblicke. „Die aktuellen Sicherheits- und Abstandsregeln werden bei der Durchführung des Projektes natürlich berücksichtigt“, so der Lichtkünstler.

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