Heute gibt es Zeugnisse!

"Lehrergeständnisse": Warum Frau Linnepe für eine Eins auf dem Zeugnis einen Pinguin bekam

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Angelika Linnepe, die heute als Lehrerin an der Hauptschule Stadtpark arbeitet, liest hier als 9-jähriges Mädchen mit ihrem Opa ihr Zeugnis.

Lüdenscheid - Heute gibt es Zeugnisse! Auch Lehrer waren mal Schüler und erhielten Noten für ihre schulischen Leistungen. Für uns haben sich Lüdenscheider Lehrer an ihre Zeugnisse erinnert.

Heute ist Zeugnistag in NRW. Bei manchen Schülern ist dieser Tag mit Vorfreude, bei anderen mit einem flauen Gefühl im Magen verbunden. (Fast) jeder ist am Zeugnistag aufgeregt. Unsere Zeitung fragte nach, wie Lehrer, die ja auch einmal Schüler waren, als Kinder ihre eigenen Zeugnistage erlebten und was ihnen davon in Erinnerung geblieben ist. 

Mit Büchern verbindet Daniela Schröder, Direktorin der Richard-Schirrmann-Realschule, den Zeugnistag. „Ich habe Bücher bekommen“, erzählt sie. „Einmal von meiner Grundschullehrerin und auch von meinen Eltern.“ 

Die Bücher hat sie bis heute aufbewahrt. „Vom Kerbholz zur Rechenanlage“ hieß das Buch, das ihr ihre Grundschullehrerin in der 2. Klasse schenkte. „Es ging darin um die Entwicklung von mathematischen Hilfsmitteln.“ 

Mit Büchern verbindet Daniela Schröder, Direktorin der Richard-Schirrmann-Realschule, ihre eigenen Zeugnistage.

Auch die Bücher der Eltern – darunter ein Bergsteigerbuch und ein „Kleiner Museumsführer für Kinder“ – hatten mit Bildung zu tun. „Das ist die größte Motivation, wenn Eltern ihren Kindern zeigen, dass Lernen Spaß macht – und das hab’ ich mitbekommen“, fasst die RSR-Schulleiterin zusammen. 

„Ich hab’ nie ein böses Wort gehört, wenn einmal eine Arbeit daneben ging. Im Gegenteil: Meine Eltern haben mich getröstet.“ Auch ihre Zeugnisbücher von der 1. bis zur 12. Klasse hat sie schnell parat. „Die sind sehr schön geschrieben, was ja auch eine Botschaft ist und von Wertschätzung zeugt.“ 

Eine „schöne Sammlung an Glastieren“ kam bei Angelika Linnepe, Lehrerin an der Hauptschule Stadtpark, durch gute Zeugnisse zusammen. Für jeden Einser gab’s von den Großeltern ein weiteres Exponat – mal einen Pinguin, mal ein Reh. „Da ist eine schöne Sammlung zusammengekommen. Die Glastiere habe ich auch nie verschenkt, sondern immer aufbewahrt.“ Auch an die Kopfnoten, die früher in Zeugnissen Auskunft über das Verhalten von Schülern gaben, kann sie sich noch gut erinnern. 

Bei Christel Fleddermann-Meyer vom Zepp gab es für gute Noten keine Belohnung, für schlechte aber auch keine Bestrafung. Vielmehr hätten die Eltern motiviert, sagt sie. Motivieren möchte auch Michael Glock mit dem T-Shirt-Aufdruck „You decide“.

Bei Christel-Fleddermann Meyer vom Zeppelin-Gymnasium gab es am Zeugnistagen keinerlei Belohnung für gute Noten. Auf der anderen Seite hätten ihre Eltern jedoch auch nie bestraft, wenn die Noten einmal schlechter ausfielen.

„Sie haben immer motiviert und mir das Gefühl gegeben: Wir vertrauen dir.“ Für teilweise übertrieben hält sie es, wie Eltern ihre Kinder heutzutage für gute Noten belohnen. „Man kann ein Kind auch anderweitig unterstützen.“ 

Außerdem gehe es immer um die individuelle Lernleistung. „Will ich die Zensur belohnen oder die individuelle Lernleistung?“ Ihr Kollege Michael Glock ergänzt: „Bei mir waren es immer fröhliche Tage. Mehr ist nicht in meiner Erinnerung geparkt.“ Lediglich das Geräteturnen habe er gehasst. 

Zeugnisgeld von der Oma Claudia Winkhaus von der Beratungsstelle für Familie und Schulpsychologie an der Staberger Straße verbindet mit dem Zeugnistag positive Erinnerungen. „Es gab von meiner Oma ein Zeugnisgeld, egal wie die Noten ausfielen.“ 

Hinzugekommen sei, dass die Zeugnistage immer kurze Schultage gewesen seien und die Familie diese zum Anlass genommen habe, einen netten Nachmittag miteinander zu verbringen. In erster Linie das Gemeinschaftsstiftende („Der Zeugnistag war immer ein Freitag und alle hatten eher frei“), weniger das Geld ist ihr in guter Erinnerung geblieben. „Ich war aber auch immer eine unproblematische Schülerin.“ 

Alles indivuell zu sehen und das Kind in den Blick zu nehmen, rät sie Eltern. „Würdigen Sie das, was Ihre Kinder leisten!“

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