Bewaffneter Dealer zu siebeneinhalb Jahren verurteilt

Lüdenscheid - Die 6. große Strafkammer des Landgerichts Hagen hat den bewaffneten Marihuana-Dealer zu einer Gefängnisstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt.

Doch der Lüdenscheider hat Glück im Unglück. Die Richter entschieden, den Verurteilten zunächst für 21 Monate einzusperren und dann für etwa zwei Jahre stationär in eine Entziehungsanstalt zu schicken. Bei positivem Verlauf kann er anschließend – nach der Hälfte des verhängten Strafmaßes – wieder auf freien Fuß kommen. 

Strafverteidiger Dirk Löber hat seinen Mandanten bereits auf eine harte Strafe eingestimmt. Der 22-Jährige hat sich dem Verfahren trotzdem gestellt. Doch am letzten Tag des Drogenprozesses droht es „auf der Zielgeraden“ doch noch zu platzen. 

Denn der Stuhl neben dem Rechtsanwalt bleibt leer. Die Vorsitzende Richterin, Dr. Bettina Wendlandt, erwägt einen Haftbefehl und die Zwangsvorführung des Angeklagten. 20 Minuten nach geplantem Sitzungsbeginn klingelt Löbers Handy. Die Freundin seines Mandanten kündigt an: „Er ist auf dem Weg.“ 

„Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen.“

Mit schließlich knapp zwei Stunden Verspätung platzt der Lüdenscheider nass geschwitzt, blass und schwer atmend in den Gerichtssaal. „Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen.“ Und er habe sich noch einen Fahrer suchen müssen. Der Prozess kann zu Ende gebracht werden. 

Lesen Sie hier mehr vom Prozess

Jetzt – kurz vor der Urteilsverkündung – gibt der Angeklagte über seinen Verteidiger eine erste Erklärung ab. Er gesteht, mit „Gras“ Handel getrieben zu haben. Doch die Waffen „sollten nicht bei den Drogenverkäufen eingesetzt werden“. 

Die Richterin hakt nach. Der Angeklagte sagt: „Die Waffen waren Sammlerstücke.“ Ein Messer habe er von seinem Opa geerbt. 

Dass sein Mandant nach der ersten Durchsuchung weiter gedealt habe, sagt Löber, „diente zur Finanzierung seiner Sucht“. 

„Aus fachpsychiatrischer Sicht voll schuldfähig“

Der Bochumer Forensiker Dr. Marc-Philipp Lochmann macht es kurz mit seinem Gutachten und bescheinigt dem Lüdenscheider trotz massiven Cannabis-Konsums, zur Tatzeit „aus fachpsychiatrischer Sicht voll schuldfähig“ gewesen zu sein. 

Eine Krankheitseinsicht liege jedoch nicht vor. Tatsächlich erklärt der 22-Jährige, nach wie vor zu kiffen, „aber nur ab und zu am Wochenende“. 

Mit dem Urteil unterschreitet die Kammer den Antrag der Staatsanwaltschaft um sechs Monate. Die Vertreterin der Anklage hält den 22-Jährigen „unabhängig von seinem Geständnis für überführt“. 

Angaben über Waffen "unglaubwürdig"

Richterin Dr. Wendlandt sagt in der Urteilsbegründung, die Geschichte über die „Sammlerstücke glauben wir Ihnen nicht“. Immerhin habe „nach dem ersten Schuss vor den Bug“ im März bei der zweiten Durchsuchung im August ein Einhandmesser „griffbereit auf dem Tisch“ gelegen, um es „im Notfall einzusetzen“. Und fasst zusammen: „Wären Sie nicht drogensüchtig, hätten Sie's nicht gemacht.“ 

Der Verurteilte bleibt bis zu seinem Haftantritt ein freier Mann. Die Prozessbeteiligten verzichten trotz des hohen Strafmaßes darauf, den 22-Jährigen direkt nach der Entscheidung im Gerichtssaal festnehmen zu lassen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare zu diesem Artikel