Vater am Landgericht Hagen angeklagt

32-Jähriger soll seine kleinen Töchter missbraucht haben - und streitet alles ab

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Symbolbild

Lüdenscheid - Am Hagener Landgericht hat ein Prozess gegen einen Familienvater aus Lüdenscheid begonnen. Er soll zwei seiner kleinen Töchter sexuell schwer missbraucht und sogar vergewaltigt haben.

Es ist ein tiefer Blick in abscheuliche Details, der sich in der Anklageschrift auftut. Darin geht es um zwei kleine Mädchen, deren leiblicher Vater (32) sie mehrfach schwer sexuell missbraucht und sogar vergewaltigt haben soll. 

Von Übergriffen in seinem Bett oder unter der Dusche ist die Rede. Die Kinder waren gerade einmal sechs und acht Jahre alt. Dem Angeklagten droht eine lange Zeit im Gefängnis. Der 1. großen Strafkammer steht ein hässlicher Indizienprozess bevor. 

Denn der Lüdenscheider streitet alle Vorwürfe ab. Strafverteidiger Dominik Petereit lotet zum Prozessauftakt im Gespräch mit den Richtern und Staatsanwältin Dorothée Jacobi Möglichkeiten einer Verständigung aus – vergeblich. 

Vorerst bleibt Vieles im Dunkeln

Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz signalisiert Bereitschaft, eine Freiheitsstrafe im Falle eines umfassenden Geständnisses von zehn auf etwa acht Jahre zu reduzieren. Der 32-Jährige, Vater von insgesamt fünf Kindern, bleibt bei seiner Haltung. Petereit: „Er wird heute keine Einlassung abgeben – und sich später bestreitend äußern.“ 

Damit bleibt vorerst Vieles im Dunkeln. Dass die Mädchen vor Gericht aussagen müssen, erscheint immer wahrscheinlicher. 

Eine Sozialarbeiterin tritt in den Zeugenstand. Sie hat die Familie 2016 kennengelernt und offenbart Kenntnisse über schwierigste soziale Umstände. Demnach wohnte der Lüdenscheider nach der Trennung von seiner Frau in der Nachbarwohnung von Mutter und Kindern in Kierspe. 

Zuvor, so die Zeugin, hatten die Mädchen ihre Eltern beim Sex beobachtet – oder Pornos auf dem Handy der Mutter angeguckt. 

Zur "Belohnung" ein Überraschungs-Ei

In einer Kinder-Ambulanz entdecken Ärzte Verletzungen und Rötungen im Intimbereich eines der Kinder. Ein Mädchen erzählt, es sei mit einem Überraschungs-Ei „belohnt“ worden. 

Die Mutter berichtet, ihr Mann sei schon 2013 wegen Missbrauchs angezeigt worden. „Sie hatte Angst, dass das Jugendamt ihr die Kinder wegnimmt“, so die Sozialarbeiterin. 

Mehr Details werden bekannt. Die Behörde bringt die Mädchen und ihre Geschwister in Pflegestellen unter. 

Eine 27-Jährige rückt ins Blickfeld. Sie hat das Strafverfahren mit einer Anzeige ins Rollen gebracht und ist eine Freundin der Mutter – und die Lebensgefährtin des ältesten Sohnes des Angeklagten, 17 Jahre jung. 

Wichtige Zeugin erscheint nicht zum Prozess

Der Jugendliche gilt als geistig behindert. Seine Partnerin bringt ein Baby von ihm zur Welt. Die Frau ist als wichtige Zeugin vorgeladen, aber sie erscheint nicht zum Prozess. 

Dafür sagt eine Kripo-Beamtin aus. Sie erinnert sich an Widersprüche in den Schilderungen der Mädchen. 

Zunächst sei die Jüngere verschlossen gewesen, und ihre Schwester habe sogar gesagt, die Übergriffe durch den Vater seien „gelogen und erfunden“. Bei einer weiteren Vernehmung jedoch belastet sie den 32-Jährigen schwer. 

Herkunft eines Briefes noch ungeklärt

Noch ein Zeuge, der die Kinder kennt: ein Schlosser aus Schalksmühle, Ex-Partner der Mutter der Mädchen. Der Vorsitzende präsentiert ihm einen Brief, den er an die Polizei geschrieben haben soll. 

Aber: „Das ist nicht meine Schrift, sogar mein Name ist falsch geschrieben.“ Die Herkunft des Briefes mit belastenden Details ist noch ungeklärt.

Der Prozess wird am 13. Mai um 9.30 Uhr im Saal 201 des Landgerichts Hagen fortgesetzt.

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