Strafmaß an der "untersten Schallgrenze"

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Lüdenscheid - Weniger geht nicht: Die 1. große Strafkammer des Landgerichts Hagen hat den 44-jährigen Lüdenscheider, dem bewaffneter Handel mit Drogen in nicht geringer Menge vorgeworfen wurde, zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt.

Damit blieben die Richter an der untersten Grenze des Strafrahmens, den der Gesetzgeber für eine solche Tat vorgesehen hat. Das hat der Verurteilte seinem Entschluss zu verdanken, sofort ein umfassendes Geständnis abzulegen. 

Demnach gilt es als erwiesen, dass der Lüdenscheider in seiner Wohnung mehr als 300 Gramm Amphetamin sowie Ecstasy-Pillen, Marihuana und Heroin gelagert hatte – und in Griffweite eine „winzige Pistole mit Knallpatronen“, wie der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz in seiner Urteilsbegründung sagt. 

Strafmildernd wirkt sich neben dem Geständnis die Tatsache aus, dass der 44-Jährige das Amphetamin zum Weiterverkauf bestimmt hatte, um seine eigene Heroinsucht finanzieren zu können. 

Mit der Entscheidung der Kammer hat Strafverteidigerin Julia Kusztelak eine Punktlandung hingelegt. Auch sie hatte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren beantragt. Ihrem Mandanten sei „gar nicht bewusst gewesen, was für einen heftigen Straftatbestand“ er erfüllt habe. Doch er sei bei seinem umfassenden Geständnis geblieben und sei „bereit, sich den Konsequenzen zu stellen“, so die Iserlohner Rechtsanwältin. 

So hart, wie sich das verhängte Strafmaß beim ersten Hinhören darstellt, muss es für den Dealer aber nicht kommen. Denn schon vor Beginn der Beweisaufnahme hatten die Richter, die Staatsanwältin und die Verteidigerin in einem Verständigungsgespräch den möglichen Strafrahmen ausgelotet: zwischen fünf und sechs Jahren, außerdem ein Aufenthalt in einer Entziehungsanstalt. 

Kusztelak: „Er ist therapiewillig und sieht ein, dass er was ändern muss in seinem Leben.“ Die Annahme der Juristen, dass nach der Hälfte der verbüßten Freiheitsstrafe der Strafrest zur Bewährung ausgesetzt werden kann, lassen die Zukunftsaussichten des 44-Jährigen zusätzlich in einem milderen Licht erscheinen. 

Denn geplant ist ein „Vorwegvollzug“, während dessen er entgiften kann – anschließend eine auf zwei Jahre angelegte stationäre Therapie in einer Entziehungsanstalt und dann die Rückkehr in die Freiheit. 

Richter Weber-Schmitz bezeichnet das Strafmaß als „unterste Schallgrenze“.

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