„Wohlfühl-Areal statt Angstraum“

Lüdenscheider Kulturhausgarten soll endlich wieder Spaß machen

Kulturhausgarten Lüdenscheid
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Der Kulturhausgarten soll zum Spaß-Garten werden.

Es soll wieder Spaß machen, sich im Lüdenscheider Kulturhausgarten aufzuhalten - indem er zum „Spaß-Garten“ wird.

Lüdenscheid – 70 Projekte waren es, die von einer Gruppe Lüdenscheider „Visionäre“ um den umtriebigen Marketing-Profi Willi Denecke im Mai 2017 der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Einige der Visionen dürften für immer Utopie bleiben. Andere wurden mittlerweile realisiert. Zu ihnen soll demnächst auch die Vision mit der laufenden Nummer Eins gehören – der „Spaß-Garten“ am Kulturhaus.

Damit das so kommt, haben sich die Paten dieser Vision mächtig ins Zeug gelegt. In der nächsten Sitzung des Stadtrates am 14. Dezember wird ihr Projekt vorgestellt. Denn die Stadtverwaltung ist mit im Boot. Sie wird eine entsprechende Verwaltungsvorlage präsentieren.

Für alle 70 Visionen waren seinerzeit Paten gesucht worden. Des Kulturhausgartens nahmen sich die PR-Agentur David & Goliath, das Architekturbüro KKW und der Verein Willi & Söhne an, die untereinander eng verbandelt sind. Einer der beiden Chefs von David & Goliath ist Matthias Czech, Co-Chef von KKW ist Linus Wortmann. Beide wiederum sind führende Köpfe bei Willi & Söhne. Der Verein ist beispielsweise für das Bautz-Festival und die „Burn the Fox“-Veranstaltungen verantwortlich.

Aufwertungskonzept

Warum braucht Lüdenscheid einen „Spaß-Garten“? Das erläutern die Initiatoren in einem sogenannten Aufwertungskonzept: Es gebe keinen innerstädtischen Park mit attraktiver Aufenthaltsqualität für alle Generationen, Lüdenscheids Jugendliche hätten keinen „Treffpunkt zur soziokulturellen Entfaltung“ und die Stadt biete keine beziehungsweise zu wenige Möglichkeiten, Streetsport-Tätigkeiten auszuüben.

In dem Konzept heißt es zum derzeitigen Erscheinungsbild des Kulturhausgartens: „Ein unbelebter Asche-Sportplatz; menschenleere Wiesen, die als Hundetoilette dienen; triste Blechkunst; eine seit Jahren stillgelegte Gastronomiebrache und ein schneller Weg zu ein paar Gramm Rauschmitteln sind der Status quo im Kulturhausgarten. Das wollen viele Aktive, unter anderem unser Verein, ändern. Schließlich ist der Kulturhausgarten ein Raum für Kultur. Und Kultur funktioniert ohne Menschen nicht. Es soll daher ein Areal für alle Generationen entstehen, belebt sein, Treffpunkt werden, Schüler zum Lernen auf der Wiese animieren, Möbel für mehr Aufenthaltsqualität installiert werden, der Park für außerschulische Lernorte genutzt werden.“

Gründe für eine Wiederbelebung

Als Gründe, den Kulturhausgarten wiederzubeleben, nennen die Verfasser:

- eine ideale Erreichbarkeit durch Verkehrsanbindung (Bus)

- die Lage mitten in der Stadt

- die Kulturachse Museen/Kulturhaus

- die weiterführenden Schulen in der Nachbarschaft

- eine hervorragende Einsicht vom Straßenverkehr auf dem Sauerfeld aus

- die Aufwertung des innerstädtischen Stadtbildes

- den Charakter als nahezu einzige grüne Lunge in der Innenstadt

- die drohende generelle Verwahrlosung des Kulturhausgartens.

Durch private Investitionen und Fördergelder soll ein belebter Kulturhausgarten für alle Generationen geschaffen werden. Ziele sind die Steigerung der Aufenthaltsqualität, eine Etablierung von Sport- und Bewegungsangeboten sowie Kunst und Kultur fördernde Installationen und Aktivitäten. Initiator Linus Wortmann ergänzt: „Allen Lüdenscheiderinnen und Lüdenscheidern soll die Möglichkeit zurückgegeben werden, den Park wieder aktiv oder passiv zu genießen und hier positive Zeit zu verbringen. Wir hoffen, dass durch den niederschwelligen Ansatz wieder viele neue Besucher den Weg in das Museum und das Kulturhaus finden.“

Die Wegeführung und Topographie des Kulturhausgartens sollen laut Wortmann erhalten bleiben, der Garten aber in verschiedene thematisch verstärkte „Filetstücke“ unterteilt werden.

Hier eine Übersicht:

Digitale Wand

Schauspielhäuser und Museen, so heißt es in dem Konzept, verfügten üblicherweise über prominent an ihren Gebäuden platzierte Möglichkeiten, über Veranstaltungen zu informieren. Eine digitale Wand, die seitens der Stadt Lüdenscheid (LSM) betrieben werde, soll über Veranstaltungen in den Kultur-Institutionen und städtische Highlights wie Stadtfest, Schützenfest oder Bautz-Festival informieren.

Skate-Anlage

Ein zeitgemäßer Pump-Track für alle Generationen und eine kleine Street-Skate-Anlage (nahezu bodengleich) sollen in einem Teil des Parks entstehen. Der Baumbestand wird erhalten, und die Topographie des Geländes wird nahezu ebenerdig integriert. Bänke sollen zum Verweilen einladen.

Kunst-Achse

Das „Filetstück“ inmitten des Areals soll die Achse zwischen Kulturhaus und Museen bilden. Die dort bestehende beziehungsweise dargebotene Kunst werde fortgeführt. Es sollen immer wieder Installationen entstehen, die von heimischen und überregionalen Künstlern gestaltet werden können. Eine Street-Art-Wand werde von artifiziellem Mobiliar eingerahmt. Das Mobiliar werde mobil sein und sich auch vor den Türen des Kulturhauses und der Museen wiederfinden.

Urban Gardening

Als „vorstellbar“ bezeichnen es die Initiatoren, einen an die Kulturhaus-Gastronomie angrenzenden Bereich intensiver zu begrünen. Dort solle als Ruhezone ein kleiner botanischer Garten entstehen. Zudem soll dieser Bereich als Kräutergarten für die Kulturhaus-Gastronomie dienen.

Gastronomie

Die Wiederbelebung einer zeitgemäßen Gastronomie, so heißt es zu diesem Stichwort, erfordere einen belebten Park. Anders werde ein Betreiber keine Chancen sehen. Das gastronomische Konzept könne zielgruppengerecht auf die Tageszeiten eingehen: vormittags für Mütter/Väter mit ihren Kids, mittags als Schüler-Bistro/Kiosk, am Nachmittag als Jugendzentrum und am Abend als kleine Veranstaltungsfläche für Workshops und Kleinkunst. So könne auch das Kulturhaus von neuen Zielgruppen profitieren.

Open air

Die Vergangenheit habe bewiesen, dass Events wie der Kult-Park, das Jazz-Festival oder die Lichtrouten den Kulturhausgarten beleben können. Eine mobile Bühne und ausreichend Peripherie für Strom, Licht und temporäre Sitzmöglichkeiten sollen neue Möglichkeiten schaffen, diesen Teil des Parks „immer wieder neu zu erfinden“.

Haus der Vereine

Die Fläche rund um das Haus der Vereine soll stärker in den Park integriert werden. Naturnahe Kinderspielmöglichkeiten sollen einen Ort für die ganz Kleinen bieten. Mit der Sichtachse zur Gastronomie und einer optischen Abgrenzung zur Straße werde dieser Bereich ausreichend geschützt und lade damit auch Eltern ein, in dem Park zu verweilen.

Streetball

Ein heller und zeitgemäßer Streetball-Court, Basketballkörbe und eine kleine Tribüne samt Freifläche sollen den dunklen Aschesportplatz ersetzen. Sportmöglichkeiten wie Qi Gong, Tai-Chi oder Outdoor-Kurse für Sportvereine sollen einen neuen Ort zur Entfaltung bieten. Zudem könne eine Möglichkeit geschaffen werden, die Sportgeräte temporär in einer Art Automat mit dem Smartphone auszuleihen.

Licht

Viele Lichtakzente sollen den Park aufwerten und auch in den Abendstunden und der dunklen Jahreszeit ein angenehmes Ambiente bieten. So könnten auch die Lichtrouten ihren Beitrag leisten und eine neue Installation entstehen lassen. Aus dem Angstraum werde somit ein Wohlfühl-Areal.

Finanzierung

Die als modulares Projekt geplante Umgestaltung des Kulturhausgartens soll laut Matthias Czech im Kern etwa 300 000 Euro kosten. Dieses Geld könnte aus dem Investitionspakt zur Förderung von Sportstätten 2020 und 2021 kommen. Finanziert würden damit der Pump-Track, der Basketballbereich und die Kleinspielfelder. Der Förderantrag müsste bis Januar gestellt werden. Sollte das Projekt bewilligt werden, wäre laut Vorlage für die Ratssitzung ein zehnprozentiger Eigenanteil zu leisten, der aus (Rest-)mitteln der Sportpauschalen 2019, 2020 und 2021 gedeckt werden könne.

Das Geld für den Rest

Ein Modul wie die LED-Wand, so erläutert Planer Linus Wortmann, könne sich durch Werbeeinnahmen via LSM nicht nur selbst finanzieren, sondern möglicherweise sogar Gewinn abwerfen. Der Gartenbereich könne an die Gastronomie angedockt und durch diese bezahlt werden. Licht-Kunstwerke seien möglicherweise als Dauer-Installationen zu den nächsten Lichtrouten denkbar.

Zeitplan

Wenn alles so läuft, wie es sich die Initiatoren vorstellen, könnte der neue Kulturhaus-Garten in etwa zwei Jahren fertiggestellt sein.

Resonanz

In den vergangenen Wochen haben David & Goliath, KKW und die „Willis“ intensiv für ihre Vision geworben. Unter anderem, so erläutert Matthias Czech, bekamen sie einhellige Zustimmung von den jugendpolitischen Sprechern der Parteien. Auch in der Stadtverwaltung und bei sämtlichen angesprochenen Interessengruppen sei man auf offene Ohren gestoßen.

Bürgermeister Sebastian Wagemeyer betont, er wolle der politischen Diskussion nicht vorgreifen. Er sagt aber auch: „Dass ich große Sympathien für das Projekt habe, ist kein Geheimnis.“ Besonders „charmant“ findet er, dass es den Planern gelungen sei, ganz unterschiedliche Interessen miteinander zu verknüpfen.

Und was sagt nun „Ur-Visionär“ Willi Denecke dazu? Er ist begeistert: „Die ursprüngliche Vision wurde deutlich ausgeweitet und hervorragend um Elemente anderer Visionen ergänzt. Ich freue mich schon sehr auf den neuen Kulturhausgarten!“

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