Der Wirt wurde 82 Jahre alt 

Lüdenscheider Kult-Wirt ist tot: Trauer um "Kalla Piepenstock"

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Abschied von Karl-Dietrich „Kalla“ Piepenstock.

Lüdenscheid – „Zum Wirt“, hat er einmal gesagt, „muss man auch geboren sein.“ Er war das, Karl-Dietrich Piepenstock, den die Lüdenscheider nur als „Kalla“ kannten. Am Samstag ist der Wirt mit Herz und Seele im Alter von 82 Jahren verstorben.

Traurig gilt es nun auch Abschied zu nehmen von einem der letzten Lüdenscheider Originale. Er stand für jene alte Zeit, die dereinst „bei Pils und Potthucke“ allabendlich in unzähligen Anekdoten auflebte, damals, als es Piepenstock am Bahnhof noch gab, die kernige Kneipe mit ihren vielen Stammtischen im und der letzten öffentlichen Fahrzeugwaage vorm Haus. Auch die ist schon längst, seit 2001, Vergangenheit. Die Kneipe war wie ihr Wirt, schnörkellos und echt. Auf unverfälschte Art gemütlich, wollte sie nicht mehr scheinen, als sie war: ein Ort mit Tradition, eine Theke, vor der alle gleich waren. 

Sein trockener Humor nahm manchem Spruch die Schärfe, seine Bodenständigkeit rückte manches schiefe Weltbild gerade. Gemeinsam mit seiner Inge füllte der Wirt seinen Gastraum mit Leben und Geschichten. Und die Teller und Gläser seiner Gäste, natürlich. Das konnte er, das liebte er, damit war er groß geworden als Spross einer Familie, die 1996 das Hundertjährige ihrer Kneipe in Familienhand feiern konnte. 1937 geboren, erlernte der Lüdenscheider sein Handwerk als Gastwirt und Hotelier von der Pike auf. Lehr- und Wanderjahre zeigten ihm zwischen 1952 und 58, wie’s woanders lief – von Dortmund bis Bad Neuenahr, von Bad Homburg bis Karlsruhe. 

2005 wurde der Zapfhahn zugedreht

Doch als der Vater erkrankte, zog es ihn heim. 1969 übernahm „Kalla“ mit seiner Inge die Kneipe – und die Gäste, die Vereine, die treuen Freunde der deftigen Küche und des gepflegten Bierchens. Ein Verein lag ihm dabei immer etwas näher, auch Familientradition: die Lüdenscheider Schützengesellschaft. 1974 regierte das Wirtsehepaar auf dem Loh. 2005 drehten die beiden den Zapfhahn am Bahnhof endgültig zu. Damals freute er sich aufs Ausschlafen, aufs Reisen, auf mehr Zeit für die Familie. Auf Pröhlken mit Freunden und einstigen Stammgästen, darauf, selbst nur noch Gast zu sein, den zunehmenden Mühen des Alters zum Trotz. Im Herzen seiner Lieben und in den Geschichten über diese Stadt wird er weiterleben.

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