Klinikum Lüdenscheid im Alarmzustand - Kapazität der Intensivstation erhöht

Klinikum-Chef Dr. Kehe: „Es geht jetzt um Tage!“

Klinikum Lüdenscheid
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Das Klinikum in Hellersen befindet sich angesichts der steigenden Zahl von Corona-Patienten im Alarmzustand. Die Kapazität der Intensivbetten wurde bereits von 36 auf 42 Betten erhöht. Am Donnerstag wurden im Klinikum bereits wieder 58 Patienten mit einer Sars-Cov-2-Infektion behandelt.

Krisenstimmung in Hellersen: Die Geschäftsleitung der Märkischen Kliniken rechnet mit einer weiteren Zuspitzung der Pandemie-Lage und schlägt Alarm.

Lüdenscheid - Binnen 48 Stunden wurde die zuletzt um Weihnachten erreichte kritische Marke von 50 Corona-Patienten überschritten. Aus diesem Grund, so schreibt Geschäftsführer Dr. Thorsten Kehe in seinem jüngsten „Pandemie-Update“ und in einem „Impf-Update“, seien am Mittwoch die Intensivkapazitäten von 36 auf 42 Betten erhöht worden. Vor der Pandemie verfügte das Klinikum als Haus der Maximalversorgung über 28 Intensivbetten.

Zurzeit werden im Klinikum nach Angaben von Unternehmens-Sprecherin Kim Bruse bereits 58 Patienten mit einer Sars-Cov-2-Infektion behandelt. Davon liegen zehn auf der Intensivstation. Weitere 48 Patienten werden auf der Isolierstation versorgt. Klinik-Chef Kehe schlägt deutliche Töne an: „35 Prozent der Patienten, die auf der Intensivstation invasiv beatmet werden müssen, sterben. Die Intensivpatienten mit Covid-Erkrankungen kommen zu den anderen Intensivpatienten hinzu, denn weiterhin gibt es Herzinfarkte und schwere Unfälle, und sie müssen weiterhin behandelt werden.“

Intensiv-Plätze

Thorsten Kehe sorgt sich: „Jede Woche werden es rund zehn Patienten mehr, die unserer Versorgung bedürfen. Im Dezember 2020, auf dem Höhepunkt der letzten Welle, waren es 70 Patienten. Bei diesem Wert sind wir sehr wahrscheinlich in Kürze wieder.“

Er erläutert weiter: „Wir können auf maximal 56 Intensiv-Plätze erweitern.“ Und schränkt gleichzeitig ein: „Wenn unser Personal noch dazu in der Lage sein wird nach einem Jahr Arbeiten im Ausnahmezustand.“

„Selbst dann aber“, so schreibt der Mediziner, „werden wir bei Operationen stark eingeschränkt sein, da sich das verfügbare Personal um die Intensivpatienten kümmern muss. Genau auf diesen Punkt bewegen wir uns jetzt zu.“ Kehe: „Es geht um Tage, nicht um Wochen. Wie bereits im Herbst 2020: Der harte Lockdown vom Dezember hätte schon im Oktober kommen müssen, wie es die Kanzlerin gewollt hatte. Aber die Länder haben anders entschieden.“

Virus-Mutanten

Die Situation ist in den Märkischen Kliniken zur Wochenmitte wie folgt: Die britische Mutante B.1.1.7 ist bei 35 von 52 zum Stichtag positiv getesteten Patienten nachgewiesen worden, die südafrikanische Mutante B.1.351 bei einem Patienten. Es steht laut Kehe allerdings noch eine Reihe von Laborergebnissen aus. Daher rechnet er mit einem deutlichen Anstieg bei den Virus-Mutationen.

Impfungen

Angesichts verzögerter Liefertermine und Liefermengen geht der Geschäftsführer derzeit davon aus, dass die Impfung des Klinikpersonals erst nach den Oster-Feiertagen wieder aufgenommen werden könne.

Quarantäne

17 Mitarbeiter der Märkischen Kliniken befinden sich in häuslicher Quarantäne und sind nicht im Dienst: Davon haben sich neun Mitarbeiter mit dem Corona-Virus infiziert, wovon bei sechs Mitarbeitern die britische Mutante B.1.1.7 nachgewiesen wurde. Weitere acht Mitarbeiter hatten eine Risikobegegnung.

Blick nach draußen

In seinem „Impf-Update“ schreibt Kehe weiterhin: „Als Arzt und Geschäftsführer eines großen Krankenhauses betrachte ich die Öffnungen von Schulen und anderen Einrichtungen mit Sorge. Die Kinder und Jugendlichen, die ich beobachte, tragen zwar alle den Nasen-Mundschutz. Aber die Vorstellung, dass es ihnen unter diesen schulischen Bedingungen gelingt, zu jeder Zeit den Mindestabstand und alle anderen Regeln einzuhalten, ist wirklichkeitsfern. Es gibt schließlich auch genug Erwachsene, denen das schwerfällt. Auch weil die meisten Menschen in ihrem Alltag die Folgen einer ernsthaften Erkrankung nicht sehen.“

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