Kleinkunsttage: Auftakt mit Anne Folger

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Die Musikkabarettistin Anne Folger eröffnete die Kleinkunsttage in Lüdenscheid.

Lüdenscheid – „Ich freue mich sehr, dass heute Abend jemand unter uns ist, der vor 40 Jahren dafür gesorgt hat, dass in Lüdenscheid ein Kleinkunstpreis installiert wird“, begrüßte am Donnerstagabend Kulturhausleiterin Rebecca Egeling in der Garderobenhalle des Kulturhauses ihren Vorvorgänger Rudolf Sparing.

Ihr Dank galt einmal mehr der Sparkasse Lüdenscheid, die auch in diesem Jahr den Wettbewerb unterstützt: „Oft ist es ja so, dass nur der Sieger Geld bekommt“, erinnerte die Kulturhausleiterin daran, dass dem Gewinner des Kleinkunstfestivals zwar eine Prämie in Höhe von 1500 Euro winkt, die Kabarettisten aber durchweg eine Gage für ihren Auftritt bekommen.

Wie in jedem Jahr ist das Publikum auch zum 40. Geburtstag der Kleinkunsttage die Jury. Stimmzettel und Stifte lagen bereit, rund 100 Gäste waren gekommen, um sich das Programm der Musikkabarettistin Anne Folger anzusehen. „Hochkultur in Verbindung mit Kleinkunst“, hatte Egeling die Kabarettistin angekündigt, die quasi das Geburtstagsständchen für die Kleinkunsttage spielte. 

Sie sei mit Brahms, Beethoven und Bach groß geworden, so konterte Anne Folger nur wenig später, aber auch mit den Beatles, den Backstreet Boys und Bohlen. Ihr wichtigstes Arbeitsgerät: Der Flügel, deren Namen immer irgendwie Schwere hätten – „auch wenn hier heute eher so die Mittelklasse auf der Arbeitsbühne steht.“ Und widmete augenblicklich dem Instrument ein eigenes Flügellied.

Sie habe in China gespielt, ließ Anne Folger das Publikum wissen, dort sei es üblich, zu telefonieren, zu chatten oder zu fotografieren bei Konzerten. So seien die Klingeltöne halt mit eingeflossen in Claude Debussys „Clair de lune“ quasi als Debussys Fusion mit Fernost. Zwischen die Klingeltöne, eingebettet in klassische Musik, mischten sich der „Calgon“-Jingle, „Auf diese Steine können sie bauen“ und – als Referenz an den Geldgeber – der Jingle der Sparkasse. 

Anne Folger gewann schon als Schülerin Preise, darunter die Steinway-Wettbewerbe in Hamburg und Berlin mit anschließender Einladung zum Steinway-Festival. Grund genug, um Klavier zu studieren, auch Kammermusik und Liedbegleitung. Weimar, Paris, Freiburg und später der Abschluss mit der Note 1,0. Gerade noch Franz Liszts Rigoletto-Paraphrase in wilder Raserei, untermalt von Bravo-Rufen aus dem Publikum, dann gab's in der Garderobenhalle das Lied „Ich sitz im ICE, mir tun die Ohren weh“ mit Anspielungen auf das Telefon-Wirrwarr im Intercity-Abteil. Zwischendurch noch ein paar geschriebene Zeilen aus der Zeit im Weimarer Internat, das quietschende Pedal am Klavier mit Handcreme aus dem Publikum geschmiert – und schon war der Tausendsassa in der Pause.

Musikalische Gemeinsamkeiten zwischen den Beatles und Bach und eine herrlich abgedrehte Geschichte über das Leben an Bord eines Kreuzfahrtschiffes (dessen Name nicht genannt werden sollte) krönten den zweiten Teil. Und ohne Musik geht bei der Folger nichts – so gab's als Intro in die Kreuzfahrtgeschichte den Triumphmarsch aus Verdis „Aida“ – weil der Name ja nicht genannt werden sollte.

Vier Zugaben erklatschte sich das begeisterte Publikum am Ende – Musik und ein paar amüsante Einblicke in ein Kinderleben in der DDR samt Tante Paula aus Hamburg, Mandarinen und einer Menge Asterixhefte. Ob die Gemengelage aus klassischen Komponisten und Schlagern, Kindheitserinnerungen und Selbstkomponiertem am Ende zum Sieg führen wird, bleibt abzuwarten. Ein amüsanter Abend war's allemal und ein Auftakt nach Maß für die 40. „Lüdenscheider Lüsterklemme“.

Am Freitagabend spielt ab 19.30 Uhr Frank Fischer in der Garderobenhalle. Es gibt noch Karten an der Theaterkasse.

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