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Kampf gegen Gewalt gegen Frauen: Jeden dritten Tag wird eine Frau umgebracht

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Von: Monika Salzmann

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Die häusliche Gewalt ist während der Corona-Pandemie gestiegen.
Die häusliche Gewalt ist während der Corona-Pandemie gestiegen. (Szene nachgestellt) © Bernd Weissbrod/dpa

„Jeden Tag gibt es in Deutschland ein versuchtes Tötungsdelikt an einer Frau – und heute und hier, im Deutschland des 21. Jahrhunderts, fällt statistisch jeden dritten Tag eine Frau diesem Versuch zum Opfer.“

Lüdenscheid – In eindringlichen Worten zeigte Gudrun Benkhofer vom Aktionsbündnis 8. März im Café der Phänomenta alltägliche Gewalt gegen Frauen, die alle sozialen Schichten durchzieht, auf.

Die kleine, privat arbeitende Gruppe nutzte das Treffen im Phänomenta-Café, um sich der Öffentlichkeit vorzustellen und in die Diskussion über Gewalt gegen Frauen sowie die am Ende des vergangenen Jahres gestartete Kampagne „Frauenhaus Lüdenscheid jetzt“ einzutreten. Anliegen der Gruppe ist es, Frauenfragen und Frauenrechte nicht nur am 8. März (Internationaler Frauentag) und 25. November (Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen), sondern dauerhaft zu thematisieren.

Seitens des Aktionsbündnisses 8. März machten in Lüdenscheid Sabine Vollmerhausen (von links), Julie Wirth, Gudrun Benkhofer, Jennifer Voß und Thomas Haase auf die Gewalt an Frauen aufmerksam.
Seitens des Aktionsbündnisses 8. März machten Sabine Vollmerhausen (von links), Julie Wirth, Gudrun Benkhofer, Jennifer Voß und Thomas Haase auf die Gewalt an Frauen aufmerksam. © Jakob Salzmann

Erst 1997 sei ein Gesetz in Kraft getreten, das die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt habe, führte Gudrun Benkhofer aus. Sieben Jahre später sei Vergewaltigung in der Ehe zum Offizialdelikt geworden. „Unter diesen Aspekten haben wir Ende letzten Jahres unsere Kampagne ‚Frauenhaus Lüdenscheid jetzt‘ gestartet.“

Was die Gruppe jedoch eigentlich wolle, sei die Abschaffung der Gewalt gegen Frauen. Frauenhäuser seien jedoch notwendig, „bis ein gesellschaftliches Umdenken auf breiter Basis erfolgt ist.“

Zum Thema zu informieren, zu hinterfragen, wie Frauenhäuser finanziert werden, warum Frauen ihren Aufenthalt dort selbst bezahlen müssen und Frauen ohne Aufenthaltsstatus nicht in Frauenhäusern außerhalb privater Trägerschaft aufgenommen werden, sei das Anliegen. Überdies sei es wichtig, den Mitarbeitern in den Frauenhäusern wieder mehr Luft für ihre Kernaufgabe – die Beratung und Betreuung traumatisierter Menschen – zu verschaffen.

„Wir brauchen mehr Frauenhäuser“

„Wir brauchen in NRW mehr Frauenhäuser“, forderte Thomas Haase vom Aktionsbündnis, der Gewalt gegen Frauen als strukturelles Problem ansprach. Die Täter würden oft nicht angeklagt.

In drei Phasen wolle das Aktionsbündnis das Thema in die Öffentlichkeit bringen. Dazu gehöre zunächst, in die Diskussion mit Einrichtungen und Betroffenen zu treten. Angedacht sei zudem, Filme, die ein größeres Publikum ansprechen, und bekannte Referenten einzuladen. Zu guter Letzt wolle die Gruppe auch mit der Politik Gespräche führen. Von positivem Druck und Bereitschaft zu zivilem Ungehorsam, falls nötig, war die Rede.

Vor der Diskussion spielte Jennifer Voß vom Aktionsbündnis anhand eines Textes die Fragen durch, wer in einer Situation, in der eine Frau Gewalt durch einen Mann erlebt, der starke und schwache Part ist und wer mehr Macht hat. Im Film „40 Jahre autonome Frauenhäuser“ erhielten die Besucher zudem Einblick in die Arbeit von Frauenhäusern.

Die Lüdenscheider Besucher zeigten sich diskussionsfreudig und bereicherten die Veranstaltung mit zahlreichen Redebeiträgen und Ideen, das Thema Gewalt an Frauen in die breite Öffentlichkeit zu tragen.
Die Besucher zeigten sich diskussionsfreudig und bereicherten die Veranstaltung mit zahlreichen Redebeiträgen und Ideen, das Thema Gewalt an Frauen in die breite Öffentlichkeit zu tragen. © Jakob Salzmann

„Wir jubeln nicht, dass es uns noch gibt“, war zu hören. Aus der Diskussionsrunde heraus kam die Forderung, dass Lüdenscheid ein Frauenhaus, zumindest jedoch Schutzräume für betroffene Frauen braucht. Zudem gelte es, die vorhandene Frauenberatungsstelle mehr in die Öffentlichkeit zu bringen.

Das nächste Treffen soll am Montag, 8. November, ab 18 Uhr in der Awo-Begegnungsstätte an der Marienstraße 17 stattfinden.

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