Europaweite Auschreibung

Lüdenscheider Innenstadtumbau geht in nächste Runde - Corona als „Riesen-Unbekannte“

Wilhelmstraße Innenstadt Lüdenscheid
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Zwischen März und Oktober planen Enervie Vernetzt und der Stadtentwässerungsbetrieb (SELH) insgesamt fünf Bauabschnitte in der Wilhelmstraße. Das stellten die Unternehmen bei einer Infoveranstaltung im September 2019 öffentlich vor. Den Auftakt macht demnach der Bereich zwischen Karussellplatz und Jockuschstraße. Hierfür sind laut langfristiger Planung zwei Wochen veranschlagt.

Der Innenstadtausbau ist ein großes Thema in Lüdenscheid, das nun wieder Fahrt aufnimmt. Doch auch hier sorgt die Corona-Krise für Ungewissheit.

Lüdenscheid – Der Druck steigt. Das allerdings fällt nach außen bislang kaum auf. In diesem Jahr geht der Altstadtumbau in die nächste entscheidende Phase. „Doch vor dem ersten Spatenstich müssen wir erst einmal ausschreiben“, sagt Martin Bärwolf aus städtischer Sicht. Für Mitte des Jahres wünscht man sich die Vergabe, gefolgt von – so ist der Plan – der akuten Bauphase (2021 bis 2023) in den Altstadtgassen Nord/Süd und der Wilhelmstraße. „Ob die Baufirmen Einschränkungen haben, das sehen wir dann“, so der Fachbereichsleiter Planen und Bauen weiter: „Corona ist eine Riesen-Unbekannte.“

Für eine europaweite Ausschreibung rechne man mit bis zu einem halben Jahr, sagt Frank Kuschmirtz, Leiter der Steuerungsebene IHK Altstadt: „Wenn man die Ergebnisse hat, geht’s direkt weiter. Dann kann das schnell vergeben werden.“

STL übernimmt den Staffelstab

Zwischen März und Oktober 2021 will bereits Enervie in der unteren Wilhelmstraße aktiv werden. Derzeit laufen hinter den Kulissen weitere Abstimmungsgespräche. Die Staffelübergabe für den baulichen Part sei jetzt federführend an den STL erfolgt, wo ohnehin die städtische Tiefbau-Kompetenz liege, betont Bärwolf: „Die machen das auch gerne.“ Gleichwohl gelte natürlich: „Das ist unser aller Baustelle.“

Aus mehreren Gründen bleibt der weitere Ablauf kompliziert. Noch wartet die Stadt auf den Förderbescheid für den zweiten Bauabschnitt stadtabwärts bis Sternplatz. Für den Bereich gebe es aber nun mit dem Terragon-Bauvorhaben eine aktuelle Entwicklung. „Wie verzahnen wir das?“ laute daher die Frage, die man „in engster Abstimmung“ beantworten müsse, betont Bärwolf. Allein der Abriss des alten P&C-Gebäudes sei eine Riesen-Maßnahme. Zugleich müsse man mit dem Land reden, denn die Fördermaßnahme IHK Altstadt ist ein enges Korsett, zeitlich und finanziell. Aber: „Es würde keiner verstehen, wenn wir mit Steuergeldern die Maßnahme bauen und die hauen alles wieder weg. Das wäre Wahnsinn“, sagt der Planungschef. Deshalb müsse man sich mit dem Land abstimmen und hoffe dort auf Verständnis für einen möglicherweise angepassten Zeitplan. Dann redet man nicht mehr über ein Baumaßnahmen-Ende 2023, sondern mindestens 2024.

Die nur provisorische Wiederherstellung der Wilhelmstraße zunächst nach Abschluss der Kanalbaumaßnahme und später nochmals nach Abschluss der Strom/Gas/Wasser-Arbeiten solle so lange bleiben, bis Terragon baut, wünscht sich Bärwolf. Erst danach solle die Wilhelmstraße ihre endgültige Pflasterdecke bekommen. „Idealerweise machen wir das zusammen.“ Das Musterpflaster, das in Höhe der Erlöserkirche seinen ersten Winter durchlebt, wird von der Oberstadt nach unten gelegt. Die ersten größeren Flächen dürften 2022 liegen.

Wunsch nach Bürgerbeteiligung

Einig sind sich Bärwolf und Kuschmirtz darin, dass man mit dem Planungsbüro Reschke „einen wirklich guten Planer“ habe, jemanden, der „sehr ernsthaft und penibel“ arbeite. Zum Glück, lobt Frank Kuschmirtz, habe die Politik einen klassischen Fehler nicht gemacht – und ein Wunschkonzert angestimmt nach dem Motto „ . . . und das hätten wir auch noch gerne!“ Statt dessen habe sie „Poahl gehalten“ und keine Sonderwünsche formuliert. Mit einer Ausnahme: der Karussellplatz. Hier gab es auf dem 2. Altstadttag im Mai 2019 deutliche Signale aus der Politik, dass es keinen Sinn mache, Platz samt Übergang zum Rosengarten auszusparen.

Was genau wann auf wen zukommt – auch dazu soll es wieder „Beteiligungsformate“ geben, verspricht Bärwolf: „Wir müssen noch eine Auftaktveranstaltung machen.“ Doch größere Veranstaltungen mit vielen Teilnehmern und der Möglichkeit, Fragen zu stellen, müssen sich nunmehr Corona-Bedingungen unterordnen. Das gilt es zu organisieren. Der Altstadtbeirat liegt derzeit, ebenfalls auf Eis – er fällt in die Zuständigkeit eines erst noch zu findenden neuen Altstadtbüros. Diese Informationsdrehscheibe ist seit Jahr und Tag nur noch eingeschränkt am Start – erst recht, seit mit Luisa Osthaus eine bewährte Ansprechpartnerin aufgehört hat. Ein Teil der Aufgaben ist ausgelagert an den Verein Wirtschaftsförderung Kreisstadt Lüdenscheid (WKL), eine Neubesetzung für verbleibende Aufgaben noch nicht auf dem Weg.

Dieser Schwebezustand hält erst einmal an, die Neuorganisation lässt auf sich warten. Gleichwohl zeigt sich Bärwolf überzeugt, dass es wichtig wäre, in der Bauphase eine Anlaufstelle für die Bürger zu haben – für Fragen, Anregungen, Informationsaustausch. Man müsse zudem ein Konzept entwickeln, wie man „bürger- und händlergerecht“ kommuniziere. Über eine weitere Schaltstelle, einen Baustellenmanager, ist ebenfalls noch nicht entschieden. „Die Frage werden wir klären, die Gedanken sind da“, versichert Stadtsprecherin Marit Schulte. Das allerdings war bereits Diskussionsstand vor einem Jahr.

Der durch Corona und Lockdown ohnehin gebeutelte Handel sieht nun die Baustelle näherrücken. „Wir haben schon Maßnahmen, wie man unbürokratisch helfen kann“, sagt Bärwolf, ohne ins Detail zu gehen. Das erfordere besondere Beweglichkeit, betont er. Die Stadt wolle bei Bedarf „spontan und sehr kurzfristig“ reagieren. Dazu sei man in sehr engem Kontakt mit dem WKL, den man als Sprachrohr des Handels sieht. Was an Events in der Baustellenphase möglich sei, wie man Kunden in die Stadt holen könne – „da sind wir wirklich bei der Frage, wie geht’s mit Corona weiter“, sagt Kuschmirtz. Davon hänge vieles ab. Schöne Pflastersteine alleine reißen’s jedenfalls am Ende nicht raus, glaubt Bärwolf: „Das Prioritäre ist jetzt das Überleben, nicht die Schönheit.“

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