Mit (fast) allen Patienten: Hospiz zieht um

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Mit Unterstützung der Feuerwehrleitstelle und des DRK wurden die Hospiz-Gäste an den neuen Standort verlegt.

Lüdenscheid - Innige Freude und leise Trauer, Gänsehaut und Freudentränen – selten liegen die Emotionen so nah beieinander wie in der Hospizarbeit. Der Mittwoch war für Gäste, Mitarbeiter und Ehrenamtliche jedoch noch einmal ein ganz besonderes Wechselbad der Gefühle: Nach 24 Jahren zog das Hospiz Lüdenscheid aus dem Amalie-Sieveking-Haus an der Sedanstraße in seine neuen Räume an der Bonhoefferstraße um.

So reibungslos dieser Umzug dank vieler helfender Hände und stundenlangen Einsatzes am Ende auch ablief – ein großer Wunsch des Teams erfüllte sich am Ende nicht: mit allen Gästen die neuen Räume beziehen zu können. Denn von einem Gast musste sich das Team verabschieden, bevor er verlegt werden konnte. „Das bedauern wir sehr“, sagt Einrichtungsleiterin Sabine Große mit Tränen in den Augen. Ohnehin sind alle Beteiligten an diesem Morgen überwältigt von ihren Gefühlen, blicken mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Ereignisse.

Denn so groß die Freude auf das Neue, das Moderne auch ist, so sind doch viele Erinnerungen mit der Sedanstraße verbunden. „Ich habe heute Nacht kaum ein Auge zugemacht – und so ging es vielen von uns“, erzählt Sabine Große, während sie immer wieder Telefonate entgegennimmt und ein offenes Ohr für ihr Team hat. „Der Alltag geht ja weiter – zuletzt eben an zwei Standorten.“ Und so liegen arbeitsintensive Wochen hinter Große und ihrem Team.

Wochen, in denen von Tag zu Tag geplant werden, vieles immer wieder neu organisiert werden musste. Am Ende zählte vor allem eines: dass alle Gäste im neuen Hospiz ankommen. Und das geht an diesem Morgen schneller als gedacht: Bereits um 9.30 Uhr fährt der letzte Krankenwagen der Feuerwehrrettungswache und des Deutschen Roten Kreuzes mit einer Dame in Richtung Bonhoefferstraße ab.

Währenddessen erinnert eine brennende Kerze an der Zimmertür an die Verstorbene, die doch so gerne „das schönste Zimmer im neuen Haus“ gehabt hätte. Nun bleibt der Raum, in dem bereits ein blumiger Willkommensgruß wartete, zunächst leer. Dank an alle Beteiligten „Wo parkt dein Auto?“, „Was ist mit dem Rollstuhl?“, „Wer nimmt den Drucker mit?“ So besonders die Situation an diesem Morgen auch ist, so erinnert sie eben auch an einen ganz normalen Umzug. Und dazu gehören nicht zuletzt auch die vielen helfenden Hände: Mitarbeiter, Ehrenamtliche, Familienangehörige und Freunde: Rund 30 Personen helfen seit Tagen mit, packen mit an, schleppen Kisten oder sorgen nicht zuletzt für einen Mittagssnack fürs ganze Team.

Viele helfende Hände sorgten für einen reibungslosen Ablauf.

„Das ist einfach toll“, spricht Sabine Große allen Beteiligten ein großes Dankeschön aus. Und das bekommt sie – ohne dass sie es mitbekommt – direkt zurück: „Sie hält das Team zusammen.“ Doch nicht nur am alten Standort wird fleißig gewerkelt, auch an der Bonhoefferstraße ist die Aufregung groß, geht es auch dort nicht emotionslos über die Bühne. „Das war schon etwas Besonderes, als unsere Gäste ihre neuen Zimmer bezogen haben. Da bekomme ich gleich noch einmal Gänsehaut“, sagt eine Mitarbeiterin. „Die Freude ist einfach groß.“

Helle Zimmer mit eigenem Bad, große Fenster und ein Willkommensgruß neben dem Bett: Auf zwei Etagen können nun acht Gäste betreut werden, zwei Angehörigenzimmer, ein Aufenthaltsraum mit Kamin sowie eine Terrasse mit Ausblick inklusive. „Das ist schon eine wunderschöne Einrichtung, wo Menschen willkommen sind und zugleich die Pflegenden entlastet werden“, sagt Sabine Große. So richtig ankommen können wird sie wohl erst am Wochenende – wenn die Anspannung der letzten Wochen ein wenig abfällt. „Aber die Freude trägt und beflügelt uns – und das sollen auch in Zukunft alle spüren.“

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