Tom Groll schafft Installation für „Glow“

Der Lüdenscheider Lichtkünstler Tom Groll schuf für das Lichtkunst-Festival „Glow“ im niederländischen Eindhoven ein mehrteiliges Kunstwerk.

Lüdenscheid - Beim flüchtigen Hinsehen findet das Auge des Betrachters Bahngleise. In gespenstisches Grünlicht getaucht. Verlassen. Menschenleer. Der Wiedergabe einer Überwachungskamera gleich. Unheimlich und irgendwie bedrückend – auch wenn es nur eine Projektion ist, stellvertretend für jeden Bahnhof überall auf der Welt. Ab Samstag an beleuchtet der Blick in den Bahnhof eine alte Sperrzone mitten im niederländischen Eindhoven als Teil eines Lichtkunstwerks des Lüdenscheiders Tom Groll.

Von Jutta Rudewig

„Glow“ heißt das Lichtkunst-Festival, mit dem ab Samstag und noch bis zum 15. November Künstler aus der ganzen Welt die 220 000-Tausend-Einwohnerstadt illuminieren. „Die machen das da jedes Jahr“, sagt Groll, der mit Bettina Pelz vier Jahre für „Glow“ als Kurator aufgetreten ist. In diesem Jahr allerdings ist der Lichtkünstler selbst an den Installationen beteiligt. Die „Alte Sperrzone“, ein ehemaliges Logistikzentrum, bekam er als Installationsort, für den er ein lichtkünstlerisches Konzept erarbeitete. „Das Gelände wirkt ein Stückweit wie vergessen mit seinen alten Gleisen. Ich nehme mit meiner Arbeit Bezug auf den Transport“, erläutert der Künstler, der das Gebiet mit einem Ensemble aus Videoprojektionen und einem grün schillernden Schlauchsystem markierte.

 In einem offenen Container projiziert ein für den Betrachter nicht sichtbarer Beamer das Bild des verlassenen Bahnhofs auf die Leinwand: „Das Gelände selbst wird von den Leuten gar nicht mehr so wahrgenommen. Aber durch die Projektion wird es erklärbar. Jeder assoziiert sofort: Bahnhof!“ Untermalt wird die Sequenz durch eine tragende und dennoch auf ihre Weise unheimliche Geräuschkulisse. Nur wenige Meter weiter befindet sich der zweite Teil der Installation, ein mäandrierendes Schlauchsystem, in dem sich eine Flüssigkeit bewegt. Für den Künstler Groll ist es das, was den Leitsatz der „Glow“ ausmacht: ständig in Bewegung, fließend, ein in sich geschlossenes System, das Luftblasen von einem Ort zum anderen bringt und so zu einem eigentümlichen Transportmittel wird.

Seit 1996 beschäftigt sich der heute 50-jährige Multimediakünstler mit Licht. 1964 in Werdohl geboren, absolvierte er zunächst eine Schreinerlehre, studierte anschließend Visuelle Kommunikation in Düsseldorf, später an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Er war Stipendiat der Märkischen Kulturkonferenz, ist vielfach ausgezeichneter Künstler und kuratiert in Lüdenscheid mit wachsendem Erfolg das „Lichtrouten“-Festival, gemeinsam mit Bettina Pelz. Fast 40 Installationen renommierter Künstler sind für eine gute Woche in Eindhoven zu sehen. Die Installationen und Performances sollen das Publikum in Bewegung halten und ihm eine neue, überraschende Sicht auf die Stadt schenken. Wie bei den Lüdenscheider Lichtrouten ist das Publikum gefordert, nicht nur zu sehen, sondern zu sehen und die Installationen zu erleben.

Tom Groll kuratierte gemeinsam mit Bettina Pelz die „Glow“ in Eindhoven. In diesem Jahr ist der Lüdenscheider Lichtkünstler mit einer eigenen Installation dabei.

Für den Lüdenscheider Künstler bedeutet die Teilnahme an einem solchen Festival vor allem viel Fahrerei. Gute 200 Kilometer ein Tour. Viele Teile der Installation wurden daheim in der Bergstadt zusammengestellt. „Sowas geht nicht alleine. Bei der Installation für Eindhoven war mir der Installateur Marc Müller aus Lüdenscheid ein große Hilfe. Der hat uns schon bei der Installation für die Lichtrouten auf dem Rathausplatz unterstützt. Ohne solche Leute geht das gar nicht.“ Der sei wie MacGyver, lobt Groll mit einem Augenzwinkern den Einfallsreichtum des Sanitärfachmanns, als es darum ging, das Schlauchsystem zu installieren und in ständiger Bewegung zu halten.

Monatelang hat Groll an seiner Lichtinstallation getüftelt. Wenn am nächsten Sonntag die „Glow“ in Eindhoven erlischt, wird das Lüdenscheider Exponat abgebaut und eingelagert. „Vielleicht kann man das mal wieder an anderen Stellen zeigen. Es kommen viele Festivalvertreter n ach Eindhoven und schauen, was sie für ihr eigenes Festival haben wollen. Das machen wir für die Lichtrouten ja auch so. Die kommen, gucken, man kennt sich oder lernt sich kennen.“ „Glow“ ist geöffnet von Sonntag bis Donnerstag von 18.30 bis 23 Uhr sowie Freitag und Samstag in der Zeit von 18.30 bis 24 Uhr. Der Besuch ist kostenlos.

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