Erst Physik, dann Medizin

+
Prof. Dr. Joachim Dudenhausen, der selbst Geburtshelfer und Gynäkologe in Berlin wurde, gehörte zu den Verwandten Pschyrembels aus Lüdenscheid.

Lüdenscheid - Es war ein eher untypisches Lüdenscheider Gespräch, das die Zuhörer im Kulturhaus erlebten. Im Mittelpunkt stand der Mediziner Willibald Pschyrembel. Prof. Dr. Joachim Dudenhausen, selbst Arzt und als solcher zum Teil ein beruflicher Weggefährte Pschyrembels, der gleichzeitig mit ihm verwandt war, bot einen Einblick in die Biographie des Mannes, der in Mediziner-Kreisen vor allem durch sein „Klinisches Wörterbuch“ bis heute bekannt ist.

Dass er den größten Teil seiner Jugend bis 1919 in Lüdenscheid verbrachte, weil die Mutter aus der Bergstadt stammte und der Vater für die Lüdenscheider Metallwerke arbeitete, ist weniger bekannt. Unter dem Titel „Willibald Pschyrembel – Arzt und Enzyklopädist aus Lüdenscheid“ präsentierte Dudenhausen einen Überblick über die biographischen Daten und die wesentlichen Publikationen Pschyrembels. Zu Pschyrembels medizinischen Verdiensten gehörte, neben der Fleißarbeit an den regelmäßigen Ausgaben des Wörterbuchs, unter anderem, sich für die Verbreitung der Perinatalmedizin einzusetzen, die sich mit der Gesundheit des Kindes im Mutterleib beschäftigt.

Aussagen über Beweggründe, beispielsweise nach einem Doktortitel in Physik noch ein Medizinstudium anzuschließen und als Arzt und Leiter von Kliniken in Berlin zu wirken, mussten im Bereich der Spekulationen bleiben, wie der Referent selbst bedauerte. Als er begann, sich dafür zu interessieren, war Pschyrembel wie auch die Verwandten, die Dudenhausen hätte fragen können, bereits verstorben.

Ebenso fand er bislang keine Quellen darüber, wie Pschyrembel als Geburtshelfer und Gynäkologe unter der Ideologie der Nationalsozialisten agierte. Dudenhausen wusste zumindest zu zitieren, dass sein entfernter Cousin selbst betonte, stets „unpolitisch zu handeln“. Dies habe auch gegolten, als 1961 die Berliner Mauer gebaut wurde. Bis dahin war Pschyrembel wie so viele ein „Grenzgänger“, der im Westen wohnte und im Osten arbeitete. Er entschied sich, wie die meisten seiner Kollegen, nicht an der von ihm geleiteten Klinik Friedrichshain zu bleiben. Die Ausführungen Dudenhausens sind online im „Reidemeister“, den Publikationen den Lüdenscheider Geschichts- und Heimatvereins nachzulesen, unter www.ghv-luedenscheid.de.

Zum nächsten Lüdenscheider Gespräch wird am 19. Juni die SPD-Bundespolitikerin Heidemarie Wieczorek-Zeul in Lüdenscheid erwartet. Unter dem Titel „’Besser rot als blass!‘ – Politik aus Prinzip“ wird sie über ihre politische Karriere berichten. Bei der Bundestagswahl im September tritt die 70-Jährige nicht mehr an. - gör

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare