„Engagement hört nicht auf“

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SPD-Politikerin Heidemarie Wieczorek-Zeul war zu Gast bei den Lüdenscheider Gesprächen.

LÜDENSCHEID - Von der aktiven Politikerin zur Zeitzeugin: Als Heidemarie Wieczorek-Zeul angekündigt hatte, in der nächsten Legislaturperiode nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren, veränderte sich für die Historiker schlagartig die Rolle der langjährigen SPD-Mandatsträgerin und Bundesministerin.

Prof. Dr. Artur Schlegelmilch, Leiter des Instituts für Geschichte und Biographie der Fernuniversität Hagen, freute sich daher, Heidemarie Wieczorek-Zeul beim Lüdenscheider Gespräch im Kulturhaus als Referentin und Gesprächspartnerin begrüßen zu können.

Die 70-Jährige nahm wie ihre rund 50 Zuhörer die Hitze und die daraus resultierende stickige Luft im Violetten Saal mit Humor. Ebenso locker plauderte sie über die Menschen und Themen, die sie als Politikerin prägten und die ihr bis heute besonders wichtig sind. Denn: „Das Engagement hört ja mit dem Mandat nicht auf“, sagte sie sowohl zum Beginn als auch zum Ende des Gesprächs. Unter dem Titel „‚Besser rot als blass!’ – Politik aus Prinzip“ weckte Heidemarie Wieczorek-Zeul den Eindruck, ohne Rücksicht auf politische Verbundenheit durchaus ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Zumindest was ihre eigenen Überzeugungen anging, die als Ministerin nicht immer der Regierungslinie entsprachen, hielt sie nicht hinter dem Berg.

So war ein Thema des Nachmittags ihre vielbeachtete Rede 2004 in Namibia anlässlich des 100. Jahrestages des Massakers der kaiserlichen Schutztruppen an den Hereros. Diese sei, so erklärte Dr. Dietmar Simon, inzwischen in die Geschichtslehrbücher der Schulen aufgenommen worden. Als Protestantin habe sie „um Vergebung unserer Schuld“ gebeten, weil es ihre Überzeugung gewesen sei. Sie habe auf dem Rückflug selbst gedacht: „Wenn du jetzt aus dem Kabinett fliegst, war es das wert.“

Als Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sei ihr Grundsatz gewesen, „dass wir eine gerechte Gestaltung der Globalisierung brauchen.“ Ebenso seien Demokratie und Menschenrechte zwei Dinge, die untrennbar miteinander verbunden seien. Eine Überzeugung zu ändern, hält die Politikerin durchaus für legitim – wenn man das begründen könne. Sie nannte als Beispiel ihre Ansicht zu Militäreinsätzen: In den 1970er-Jahren sei das für sie völlig undenkbar gewesen. „Inzwischen habe ich gelernt, dass das notwendig sein kann, wenn man Menschenrechte sichern will.“ Da gelte es genau abzuwägen.

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