Lüdenscheider vor Gericht erst laut und dann leise

Nur um Haaresbreite entkam der Lüdenscheider der Wucht der Justiz.

LÜDENSCHEID – Ein spontaner Sinneswandel bewahrte einen Lüdenscheider gestern vor dem Knast. Nachdem der 51-Jährige zunächst vergeblich versucht hatte, das Gericht durch eine abenteuerlich klingende Geschichte von seiner Unschuld zu überzeugen, entsann er sich am Ende doch noch – und gestand.

So räumte er ein, sich 2008 über eine längere Zeit mit seinem Wagen auf der Straße bewegt zu haben, obwohl das Fahrzeug über keine gültigen Kennzeichen mehr verfügte. Um nicht aufzufallen, hatte der Mann die wertlosen Schilder entfernt und durch andere – gestohlene – Kennzeichen ersetzt. Das Amtsgericht Lüdenscheid hatte ihn dafür am 23. November vergangenen Jahres zu einer sechsmonatigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt. Gegen diese Entscheidung hatte der Mann jedoch Berufung eingelegt. Gestern nun sollte das Hagener Landgericht über den Fall entscheiden – und es wurde interessant.

So erklärte der 51-Jährige, gar nicht gewusst zu haben, dass er mit falschen Kennzeichen umherfahre. Er habe nie Post erhalten, in der ihm mitgeteilt worden sei, dass seine Schilder ungültig seien. Er vermute hinter dem Ganzen eine Intrige. Seiner Meinung nach habe nur ein Bekannter von ihm heimlich die Schilder austauschen können, um ihm damit „eins reinzuwürgen“. Aufgebracht beteuerte er gestern immer wieder seine Unschuld: „Ich bin es wirklich nicht gewesen. Ich habe das Kennzeichen nicht besorgt. Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich davon erfuhr.“

Sowohl Kammer als auch Staatsanwaltschaft machten kein Geheimnis daraus, dass sie dem Mann die Geschichte nicht abkauften. Und wenn die Beweisaufnahme so ende wie in erster Instanz, dann werde es auch kein milderes Urteil geben. Das brachte den Angeklagten mit einer unglaublichen Liste an Vorstrafen dazu, sich noch einmal mit seinem Verteidiger zu beraten. Dann die Wende. Plötzlich räumte er den Vorwurf kleinlaut ein – und hatte Glück. Das Gericht setzte die sechs Monate des Amtsgerichts zur Bewährung aus und ordnete zudem 100 Sozialstunden an. „Dem Angeklagten muss aber klar sein, dass jetzt Schluss ist“, so die mahnenden Abschlussworte der Staatsanwaltschaft.

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