Lüdenscheider Gastronomie leidet unter dem Coronavirus

+
Philip Linnepe nutzt die frei gewordenen Kapazitäten des Betriebes, um einen Online-Shop für Privatkunden aufzubauen.

Lüdenscheid – Geschlossene Restaurants, Cafés, Bistros, Bars und Clubs – die Corona-Krise hat das Leben in Lüdenscheids Gastro-Szene praktisch von jetzt auf gleich lahmgelegt. Nichts geht mehr. „Die Gastronomie leidet“, weiß Philip Linnepe vom gleichnamigen Getränkehandel, der als Lieferant für viele heimische Betriebe und Vereine stets das Ohr an der Basis hat. Und: Was er hört, stimmt traurig.

Viele Gastronomen versuchten mit Außer-Haus-Geschäften und Lieferdiensten zumindest ansatzweise die Verluste zu mildern. „Aber nicht jeder kann das auch leisten“, weiß Linnepe und nennt die kleine Eck-Kneipe als bestes Beispiel. 

Mitarbeiter in Service und Küche würden freigestellt oder Kurzarbeit für den kompletten Betrieb angemeldet – die wirtschaftlichen Folgen für viele heimische Gastro-Betriebe und ihre Beschäftigten seien katastrophal. Was passiert, wenn ein Wirt seine Pacht nicht mehr zahlen kann, mag er sich nicht ausmalen. Mieten einfach auszusetzen, so wie es beispielsweise große Handelsketten praktizieren, das gehe für den kleinen Gastronom nicht: „Da hätten viele viel zu viel Angst vor dem Rausschmiss.“

Philip Linnepe appelliert ausdrücklich an die Bürger, die teils kreativen Angebote der Gastronomen auch zu nutzen, um das Restaurant, das Café oder den Imbiss des Vertrauens in schwierigen Zeiten zu unterstützen und somit auch am Leben zu erhalten. Denn auch wenn niemand wisse, wann, komme sicher eine Zeit nach Corona.

Alle Informationen rund um das Coronavirus im MK.

Wir haben in Lüdenscheid eine sehr, sehr schöne gastronomische Szene“, schwärmt Philip Linnepe, der privat im Verein „Willi & Söhne“ an mancher Ecke an der Gestaltung des kulturellen Stadtlebens mitwirkt und beruflich die ganze Bandbreite an Angeboten kennt. „Meinen Respekt haben alle, die bis hierhin durchgehalten haben“, hofft der Getränkefachgroßhändler darauf, dass nach Aufhebung der Kontaktsperre die meisten Betriebe auch wieder öffnen werden. Eine Hoffnung, die wohl sämtliche Gastronomen teilen.

Genau wie für viele weitere Dienstleister, die das Gastro-Gewerbe oder Vereine mit Backwaren, Metzgereiprodukten oder ähnlichem beliefern, fallen auch beim Getränkehandel Linnepe die Umsätze gen Null. Fast 95 Prozent der Aufträge seien weggebrochen, lediglich einige Krankenhäuser oder Seniorenheime beliefert der Betrieb noch mit Mineralwasser.

Die ersten ruhigeren Tage nach Inkrafttreten der Kontaktsperre habe sein Team genutzt, um das Event-Equipment fit für die hoffentlich bald startende Freiluft-Saison zu machen. Doch auch da ist irgendwann alles überholt, repariert und geputzt. Anfang des Monats schickte Linnepe auch die sechs Beschäftigten in Kurzarbeit. Und doch hofft der Lüdenscheider darauf, dass die Kollegen bald wieder mehr zu tun haben. Die zwangsweise freie Zeit hat der Lüdenscheider dazu genutzt, um seinem Betrieb ein völlig neues Geschäftsfeld zu erschließen: Linnepe beliefert ab sofort auch Privatkunden.

So wie es bereits in anderen Städten praktiziert wird, zieht Philip Linnepe sein Privatkundengeschäft als Online-Shop auf. Diese Idee umzusetzen, plante er schon länger. Doch im regulären Tagesgeschäft fehlte dem Lüdenscheider bislang die Zeit, seinen Wunsch professionell in die Tat umzusetzen.

Die Lüdenscheider Lieferung kommt, ähnlich wie der unter dem Titel „Flaschenpost“ in anderen Städten geleistete Service, wenn der Kunde über die Homepage www.linnepe.online seine Favoriten aus dem großen Angebot in den Warenkorb gelegt hat. Und das, wenn gewünscht, binnen zwei Stunden am gleichen Tag oder zu einem vereinbarten Termin. 

Die Mindestbestellmenge ist klein, das Sortiment ist groß, die Bezahlung folgt – ganz im Sinne des Kontaktverbots – per Überweisung, Kredit- oder EC-Karte. Der Fahrer bringt die Kästen bis maximal in den dritten Stock an die Wohnungstür – wer höher wohnt, zahlt einen kleinen Aufschlag. Und: Auch abweichende Lieferadressen können in dem Online-Shop eingegeben werden, wenn zum Beispiel eine Familie für die Großeltern bestellen möchte. Linnepe: „Das ist problemlos möglich.“

Ein Getränke-Lieferservice ist auch in Lüdenscheid an sich nichts Neues. Doch die Vermarktungsstrategie via Online-Shop gab es so hier bislang noch nicht. Philip Linnepe sieht hinter der Chance, mit dem neuen Service die Umsatzeinbußen zumindest ein wenig abzufedern, auch eine Möglichkeit, vor allem Corona-Risikogruppen zu unterstützen – so wie Senioren über 65 und andere, die derzeit eher zuhause bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare