Freigabe für Radfahrer?

Geteilte Zone: Selbst Radler sehen Vorschlag kritisch

Ein Nebeneinander von Radfahrern und Passanten in der Fußgängerzone will die Verwaltung probeweise gestatten.

LÜDENSCHEID ▪ Die probeweise Freigabe der Fußgängerzone für Fahrradfahrer spaltet die Gemüter: Ist es „totaler Käse“, wie ein Internet-Kommentator auf come-on.de urteilt, oder ein lohnenswertes Experiment?

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Der Verwaltungsvorschlag, der jetzt im Bau- und Verkehrsausschuss diskutiert werden soll, entzweit die Gemüter. Das Oberstadtpflaster sei, gerade bei Nässe, „viel zu glatt für schmale Fahrradreifen“, warnen die einen. „Fußgänger haben hinten keine Augen“, sagen andere und glauben nicht an gegenseitige Rücksichtnahme. Immerhin ist die Haftungsfrage geregelt – eigentlich jedenfalls, sagt Kurt Nörenberg, Vorsitzender des Bundesverbandes der deutschen Versicherungskaufleute, Bezirksverband Hagen und Arnsberg. Als Verursacher hafte der Radfahrer über seine Privathaftpflicht, so Nörenberg. Wenn der nicht versichert sei, habe man ein Problem. Zudem gebe es viele Fahrerfluchten. Daher fordert der Versicherungsfachmann auch, für Fahrradhelme „so eine Art Mofaschild“ vorzusehen.

Wer viel mit dem Rad unterwegs ist, wüsste eine Freigabe zu schätzen. Aber es sei auch schwierig, sagt Wolff-Dieter Theissen, Fachbereichsleiter, Erster Beigeordneter und Rathaus-Radpendler. „Das ist das alte menschliche Problem: Wird ein bisschen mehr Freiheit ausgenutzt?“ Klar sei auch: Im Flaschenhals Wilhelmstraße – braunes Haus –Sternplatz könne man als Radfahrer nicht fahren, da sei zu viel los.

Verwaltungskollege und Musikschulleiter Franz Schulte-Huermann fährt morgens früh mit dem Rad vom Loh zur Musikschule und abends zurück. „Ich könnte ruhigen Gewissens fahren, wenn es frei wäre“, sagt er. So fährt er meist Umwege, übers gefährliche Sauerfeld oder schiebt sein Rad streckenweise.

Das „kategorische Nein“ der Polizei zu dem Versuch erläutert Dieter Bruder, Leiter der Führungsstelle Verkehrsdirektion. Als erfahrener Radler, weiß er, wie schwierig es ist, auf engstem Raum auszuweichen und auf abschüssiger, nasser Straße zu bremsen. Die Wilhelmstraße sei durch Bebauung, Poller und Aufsteller sehr eng. Erst im Bereich Stern-/Rathausplatz zwischen Knapp und Altenaer Straße sei mehr Platz, aber eine Teilfreigabe könne man dem Bürger nur schwer vermitteln, glaubt er. In anderen Städten sei das durchaus machbar, „nur hier lassen die Gegebenheiten das nicht zu“.

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