Frisiersalons gehen ins Deutsche Museum nach München

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Tatkräftige Helfer aus Lüdenscheid fand Gerhard Merkel, Fuhrparkleiter des Deutschen Museums München, in Baberg-Enkel Fritz (6) sowie Ökten Cetin und Dursun Günes, die auch den Umzug des Lagers vom EGC in die Hauptschule Stadtpark stemmen.

LÜDENSCHEID - Die historischen Lüdenscheider Friseursalons sind weg. Und zwar alle drei: Ulrich Baberg, Leiter der kleinen Technikausstellung an der Friedhofstraße, hatte sie dem Deutschen Museum München versprochen, und er hielt Wort, auch wenn er gerne wenigstens einen behalten hätte.

Doch das weltbekannte Museum aus der bayerischen Landeshauptstadt schickte am Mittwoch seinen Lastwagen, und Baberg, sein sechsjähriger Enkel Fritz und zwei Freunde halfen noch mit, alle Salons aufzuladen. „Das ist schon schade“, sagte Baberg. „Andererseits kommen die Salons jetzt in beste Hände, und für meine Bürotechniksammlung standen sie ja nicht im Mittelpunkt.“

Auch in diesem Salon wurden einst zigtausende Lüdenscheider frisiert. Eines Tages soll er im Deutschen Museum München stehen.

Das Münchner Großmuseum hatte seinem Fuhrparkleiter Gerhard Merkel die Abholung der drei Schätzchen anvertraut. „Die werden bei uns jetzt untersucht und gesichtet“, erklärte Merkel, „alles Weitere müssen Sie dort Andreas Geiger fragen.“ Gesagt, getan: Geiger, Leiter des Sammlungsmanagements in München, nahm die Salons am Abend in Empfang.

Am Donnerstag werden sie aufwändig gereinigt, konserviert und dokumentiert, erhalten eine Signatur – und dann liegt ihr Schicksal in den Händen von Kurator Dirk Buehler. „Entweder gehen sie in eine Ausstellung, oder sie kommen in eines unserer acht Depots im Großraum München unter“, beschrieb Geiger. 110 000 potenzielle Ausstellungsstücke hortet das Museum darin – auf 35 000 Quadratmetern.

Dass die Salons auch in diesem Fall eines Tages im Rahmen einer Ausstellung oder einer wissenschaftlichen Dokumentation wieder ans Tageslicht kommen, sei indes sehr sicher: „Manche Stücke müssen sehr lange auf ihre Wiederentdeckung warten. Wir hatten schon Exponate, die jahrzehntelang eingelagert waren und plötzlich zu Highlights wurden.“

Auch im Depot würden die Lüdenscheider Salons keinesfalls aus den Augen verloren. Dafür sorge schon die Pflicht des Museums, sie regelmäßig auf Alterungsspuren oder Schädlingsbefall hin zu untersuchen: „Aufbewahrung unter präventiv-konservatorischen Aspekten“, nennt das ein Experte wie Geiger.

 Vielleicht aber müssten die Salons gar nicht lange warten. So habe das Museum auch schon eine komplette historische Augenarztpraxis aus den 1950er Jahren ausgestellt. Sicher ist indes: Lüdenscheid hat seine Salons verloren, und damit ein kleines Stück Stadtgeschichte. Immerhin fand Baberg für weitere Stücke in der Hauptschule Stadtpark zuletzt neue Lagerräume, nachdem er die im EGC nun aufgeben muss. - Thomas Hagemann

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