Immer noch Rauchverbot in heimischen Wäldern

Waldbrandgefahr: Experten fordern Rettungspunkte

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Rauchen im Wald ist gefährlich und verboten

Lüdenscheid - Der Glutsommer 2018 ist vorbei, doch noch immer ist die Waldbrandgefahr im Kreis hoch. Nach einem Feuerwehreinsatz nahe Schloss Neuenhof fordern Forstexperten nummerierte Rettungspunkte in Wäldern.

Eine am Waldrand achtlos weggeworfene Zigarettenkippe war vor einer Woche der Grund für einen Einsatz in Lüdenscheid. Spaziergänger hatten rechtzeitig Alarm geschlagen. Der Brandherd, nahe dem Schloss Neuenhof, war für die Männer der Hauptwache gut zu erreichen – purer Zufall, wie die Forstexperten der Gutsverwaltung sagen.

Der Glutsommer 2018 ist zwar vorbei, aber die Waldbrandgefahr in den heimischen Wäldern noch immer hoch. Bis zum 31. Oktober gilt laut Landesforstgesetz das Rauchverbot in NRW-Wäldern. In den vergangenen Monaten hielten einige Waldbrände im Kreis die Feuerwehr in Atem. Die größten waren die am Wixberg und am Hegenscheid in Altena sowie am Saley in Plettenberg.

Nun appellieren die Forstexperten an die Behörden, die Wälder flächendeckend mit Rettungspunkten auszustatten. Die erhöhen die Sicherheit für Naturbesucher und erleichtern denn Rettern die Arbeit.

„Wir treffen so oft Leute, die mit einer Kippe auf dem Zahn durch den Wald wandern“, sagt Alhard Graf von dem Bussche-Kessell. Immer wieder höre man „Wir passen schon auf“ oder „Es passiert doch nix“. Aber ob Jogger, Hundehalter, Mountainbiker, Camper oder sogar Menschen, die im Wald grillen – „die Landschaftsbesucher werden immer egoistischer“. 

Das erhöht nach Erfahrungen von Revierförster Marcus Teuber und seinem Kollegen Jan-Hinrich Brötje, Assessor des Neuenhofer Forstdienstes, das Risiko für die Allgemeinheit. Um das zu vermindern, sei es wichtig, in den Wäldern Rettungspunkte zu installieren. 

Plädieren für die Schaffung von Rettungspunkten in Wäldern: (v.l.) Jan-Hinrich Brötje, Graf von dem Bussche-Kessel, Thomas Brauckmann, Marcus Teuber und Jürgen Flemming.

Schilder, deren Nummerierung Opfer oder Zeugen eines Notfalls telefonisch an die Einsatzkräfte durchgeben können, leiten Retter schnell und unmissverständlich zum Einsatzort. Eine Einrichtung, die laut Brötje in Bundesländern wie Niedersachsen, Hessen oder Rheinland-Pfalz längst zum Standard gehören. 

Doch mit einem Schild am Baum oder einem eingeschlagenen Pflock ist es nach Darstellung von Feuerwehr-Spezialisten nicht getan. Thomas Brauckmann und Jürgen Flemming von der Feuer- und Rettungswache am Dukatenweg sagen, dass jeder einzelne Standort in die Datenbank der Retter eingepflegt werden muss. 

Nur so wissen sie, wo genau der Anrufer sich aufhält, auf welchem Weg und mit welchen Fahrzeugen sie ihn erreichen können und welche Bedingungen sie vorfinden werden. Voraussetzung sei, dass Spaziergänger die Zufahrten, etwa an Schlagbäumen, mit ihren Autos nicht versperren. 

Der technische Aufwand kostet Zeit und Geld. Investitionen, die Stadt und Kreis nach Meinung des Grafen bislang gescheut haben. Ein Problem ist laut Revierförster Teuber, dass private Waldbesitzer ihr Einverständnis für die Schaffung von Rettungspunkten in ihrem Forst erklären müssen. „Das machen sie erst dann gerne, wenn sie dadurch nicht finanziell belastet werden.“ 

Der Einsatz an der Neuenhofer Straße nahe der Brücke über den Elspe-Bach war, auch dank der aufmerksamen Zeugen, laut Feuerwehr problemlos. Ohne die Spaziergänger, sagt Brötje, „wäre das Feuer Minuten später hier schon den ganzen Hang hochgekrabbelt“. 

Der Verursacher ist unbekannt.

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