Im Fokus der Staatsanwaltschaft

Werkzeuge weg: Wirtschafts-Krimi um insolvente Firma im MK

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Seit Anfang des Monats befindet sich die Firma Stanz- und Biegeteile (SBT) im Gewerbegebiet Römerweg im Insolvenzverfahren. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Hagen gegen die Geschäftsführerin.

Lüdenscheid – Im Insolvenzverfahren über die in Schieflage geratene Firma Stanz- und Biegeteile (SBT) GmbH im Gewerbegebiet Römerweg gibt es dramatische Entwicklungen.

Nach einer Strafanzeige, die der Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Thomas Neumann, wegen Diebstahls erstattet hat, hat die Staatsanwaltschaft Hagen ein Ermittlungsverfahren gegen die Geschäftsführerin des Unternehmens eingeleitet. Das bestätigt der Sprecher der Behörde, Dr. Gerhard Pauli. 

Anfang September eröffnete das Amtsgericht Hagen nach einem Eigenantrag der Geschäftsführung das vorläufige Insolvenzverfahren über die Firma mit ihren 31 Beschäftigten. SBT ist seit 1977 mit der Produktion von Stanzteilen für die Automobil-, Elektro, Haushalts- und Bauindustrie am Markt. 

Mehr über das SBT-Insolvenzverfahren

Vor allem das Wegbrechen eines großen Kunden hat offenbar für eine verringerte Auslastung des modernen SBT-Maschinenparks gesorgt. Mit Wirkung vom 1. November eröffnete das Gericht das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung endgültig. 

Drei Tage später berief Rechtsanwalt Neumann eine Betriebsversammlung ein, um die Belegschaft über die weitere Entwicklung zu informieren. Tags darauf, am 5. November, stellten die Beschäftigten bei Schichtbeginn fest, dass „eine ganze Menge Werkzeug“ aus den Maschinen ausgebaut und abtransportiert worden war. 

Als am nächsten Tag noch mehr Werkzeug fehlte, rief der Insolvenzverwalter die Polizei. Die Beamten nahmen den Sachverhalt auf.

Ermittlungen wegen Wirtschaftskriminalität

Nach Informationen unserer Redaktion haben die Gegenstände einen derzeitigen Wert von mindestens 250.000 Euro. 

Wie es aus Polizeikreisen heißt, habe die Geschäftsführerin mit den Ermittlern vor Ort nicht kooperiert und eine Aussage verweigert. Die Chefin ist gleichzeitig Geschäftsführerin eines weiteren Unternehmens aus der Branche der Stanz- und Biegetechnik in der weiteren Nachbarschaft von SBT. Das durch Insolvenz bedrohte Unternehmen gilt nach Angaben des Insolvenzverwalters als Tochterfirma.

Inzwischen hat ein Kommissariat für Wirtschaftskriminalität beim Hagener Polizeipräsidenten die Ermittlungen übernommen. Nach dem mutmaßlichen Diebstahl besteht der dringende Tatverdacht des versuchten Bankrotts. Wie aus Reihen der SBT-Belegschaft zu erfahren war, steht seit dem Verschwinden der Werkzeuge mindestens eine große Maschine seit mehr als einer Woche still. Außerdem sei der Transporter der Firma – ein Kastenwagen, mit dem Kunden beliefert und Material abgeholt wird – mehrere Tage „einfach weg“ gewesen.

"Als wenn wir ausgeschlachtet werden"

Und damit nicht genug: SBT war weiteren Angaben zufolge einen ganzen Tag vom Server abgeschnitten, sodass die Buchhaltung „arbeitslos“ war und zum Beispiel keine Rechnungen geschrieben werden konnten. 

Ein Mitarbeiter, der namentlich ungenannt bleiben will, sagt zur Rolle des Mutterunternehmens: „Die wollen den Laden hier zum Stillstand bringen. Das ist ein Gefühl, als wenn wir ausgeschlachtet werden.“ 

Rechtsanwalt Neumann bestätigt den Vorfall, gibt aber mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen keinen Kommentar ab. Auch aus der Geschäftsführung des SBT-Mutterbetriebs war keine Stellungnahme zu erhalten.

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