Lüdenscheider Feuerteufel sollen in Haft

+
Auch Kinder mussten aus den brennenden Häusern an der Römergasse und an der Corneliusstraße gerettet werden.

Lüdenscheid - Mehrjährige Haftstrafen verhängte die 2. Jugendstrafkammer des Landgerichts Hagen gestern gegen einen 20- und einen 22-jährigen Angeklagten, die im Februar Kellerbrände in Häusern an der Römergasse und an der Corneliusstraße gelegt haben sollen.

Der 20-Jährige erhielt eine Jugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten wegen schwerer Brandstiftung und versuchten Diebstahls. Dabei wurde allerdings eine vom Amtsgericht Lüdenscheid zuvor verhängte Strafe von einem Jahr und neun Monaten miteinbezogen. „Das ist eine erhebliche Sanktion, aber eine, die man vor dem Hintergrund sehen muss, was da passiert ist“, sagte der Vorsitzende Richter Marcus Teich. Der 22-jährige Angeklagte wurde wegen versuchter schwerer Brandstiftung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. In den Strafmaßen spiegelten sich die besonderen Umstände der Taten: Menschen in Todesangst, Verletzte, erheblicher Sachschaden in beiden Häusern und das niedere Motiv, „dass das mit dem Einbruch nicht geklappt hat“.

Von besonderem Gewicht war die Urteilsbegründung, da bereits die kontroversen Plädoyers der Verteidiger und des Staatsanwalts deutlich gemacht hatten, wie prekär die Beweislage war. Richter Marcus Teich erinnerte in seiner Urteilsbegründung daran, „dass die Beweisaufnahme einige erschütternde Szenen erbracht hat“. Es habe dennoch keinerlei Anlass gegeben zu fragen, „ob ein Dritter verantwortlich sein könnte für die beiden Brände“. Die Jugendstrafkammer ging mit ihm davon aus, dass die beiden Angeklagten entgegen den Plädoyers der Verteidiger auch für die Brandstiftungen zur Rechenschaft zu ziehen seien. „Beide Angeklagte schieben sich gegenseitig, also letztlich sich selbst, die Schuld zu.“

Vor allem dem 20-Jährigen glaubte das Gericht nicht. Viele seiner Aussagen seien mit den Spuren nicht in Einklang zu bringen, sagte Teich. Mehr Glauben schenkte die Kammer den Aussagen des 22-Jährigen, der seinen Mittäter bei einer Vernehmung durch einen Haftrichter schwer belastet hatte. Das Gericht hielt deshalb den 20-Jährigen für hinreichend überführt, den Brand an der Römergasse gelegt zu haben. Der 22-Jährige wurde „lediglich“ als Mittäter bei einer versuchten schweren Brandstiftung verurteilt.

Die beiden Verteidiger Rolf Holthaus und Andreas Trode kündigten an, das Urteil vom Bundesgerichtshof im Rahmen einer Revision überprüfen zu lassen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare