Volme-Steg bisher ohne Ersatz

Lüdenscheider Eisdiele schließt für immer

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Schluss mit kaltem Genuss: Pietro Murrone hat seine Eisdiele geschlossen. Rechts: der Durchgang zur Volme.

Brügge – Für einen Eisbecher oder eine Kugel Eis in der Waffel müssen Brügger Bürger in Zukunft längere Wege in Kauf nehmen. Pietro Murrone hat sein Eis-Café an der Volmestraße für immer geschlossen, was auch an einem unscheinbaren Bauwerk liegt, das abgerissen wurde.

Er war ein unscheinbares Bauwerk. So unauffällig, dass manche Lüdenscheider ihn womöglich gar nicht kannten. Dennoch – der Fußgänger-Steg, der bis voriges Jahr in Brügge über die Volme führte und ehemals für einen kurzen Weg zwischen dem Bahnhofsgelände des Stadtteils und der Volmestraße sorgte, war für viele Menschen im Quartier offenkundig eine beliebte Verbindung.

So jedenfalls der Tenor am Rande diverser Bürgerversammlungen in jüngerer Vergangenheit an der Volme. Auf den angekündigten Ersatz für den Steg wartet man in Brügge immer noch. Mittlerweile aber ist ein Zeitplan für einen Neubau an gleicher Stelle zumindest grob erkennbar.

Rückblende. Das mehr als 100 Jahre alte Brückchen war eine Art Traditions-Steg in Brügge. Vorgänger des heutigen Gastro-Betriebs Passmann, weiß SPD-Ratsherr und Brügge-Insider Jan Eggermann, sollen den Bau einst veranlasst haben – um auch von der anderen Volmeseite Kunden in ihre Gaststätte zu locken.

Vor circa eineinhalb Jahren indes beseitigte die Abrissbirne die historische Konstruktion. Der Steg sei für eine wirtschaftliche Sanierung zu marode, ein Neubau günstiger. So urteilten Stadt und Techniker damals. Allerdings: Zwar sind im diesjährigen kommunalen Haushalt 200 000 Euro für die Errichtung einer neuen Brücke eingestellt. Passiert ist an der Örtlichkeit aber noch nichts. Der Auftrag ist auch noch nicht ausgeschrieben.

Derzeit nur für Akrobaten machbar: die Überquerung der Volme auf Höhe des Brügger Bahnhofs. Direkt hinter dieser Konstruktion für Versorgungsleitungen befand sich der Brügger Steg. Dort soll auch die neue Brücke hin.

Das teilte Andreas Fritz vom Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb Lüdenscheid (STL) auf Anfrage mit. Der STL ist für die Rahmenplanung des Vorhabens zuständig. Fritz’ Begründung für die Verzögerung: Das Projekt mit seinen technischen Anforderungen sei komplexer als gedacht. Und außerdem habe die Stadt auch erst noch das kleine Grundstück dort kaufen müssen. Gemeint ist damit die Durchgangspassage zwischen den Häusern, in die der Steg mündet.

Fritz weiter: „Die Ausschreibung der Arbeiten soll noch dieses Jahr erfolgen.“ Verläuft alles problemlos, könne der Neubau – er soll barrierefrei und später in den angepeilten Volmeradweg integriert sein – womöglich im Sommer 2020 stehen.

Für Pietro Murrone kommt das definitiv zu spät. Der Betreiber der Eisdiele in unmittelbarer Nähe zum früheren Volme-Steg hat inzwischen seine Pforten geschlossen. Nicht nur wie üblich für die Wintersaison, sondern für immer. Aus seiner Sicht hat das auch mit dem verschwundenen Steg zu tun.

Murrone hält sich derzeit in Italien auf. Im Telefongespräch äußerte er sich gegenüber unserer Zeitung so: „Dass der Steg weg ist, ist nicht der einzige, aber ein wichtiger Grund für die Schließung gewesen. Seit kein Kunde mehr über die Brücke in die Eisdiele kam, ist mein Monatsumsatz deutlich gesunken. Das kann man nicht ausgleichen.“

Kleiner Trost vielleicht für heimische Eisfreunde: Mit seinem Eiswagen will Murrone weiterhin in Lüdenscheid und Umgebung unterwegs sein – ab März nächsten Jahres wieder.

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