Nach Einbruch in Elektronik-Lager: Fette Beute, milde Strafe

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Symbolbild

Lüdenscheid - Nach ihrem spektakulären Einbruch ins Lager der Firma Berlet-Euronics sind zwei junge Lüdenscheider strafrechtlich mit einem blauen Auge davongekommen.

Es war bislang einer der spektakulärsten Einbrüche des Jahres. Zwei Lüdenscheider, zur Tatzeit 21 und 24 Jahre alt, schleppten in der Nacht zum 28. März Waren – darunter 13 TV-Geräte – für mehr als 11 000 Euro aus dem Lager der Firma Berlet-Euronics in Hohenlimburg und brachten ihre Beute mit einem Mietwagen in die Kreisstadt. 

Das Urteil des Hagener Schöffengerichts fiel am Freitag vergleichsweise milde aus: 18 Monate für den einen Angeklagten, ein Jahr für den anderen, beide Strafen zur Bewährung ausgesetzt. 

Verteidiger setzen auf Prozess-Ökonomie

Dass sie mit einem blauen Auge aus der Geschichte herausgekommen sind, haben die Einbrecher ihren Verteidigern zu verdanken. Die Lüdenscheider Rechtsanwälte Dirk Löber und Timo Saße setzen auf Prozess-Ökonomie. 

In einem Verständigungsgespräch hinter verschlossenen Türen handeln die Juristen mit dem Gericht unter Vorsitz von Christian Dembowski und Staatsanwalt Dr. Marco Klein aus: Umfassende Geständnisse gegen Bewährung. 

Dafür bleibt der Justiz eine mühsame Beweisaufnahme erspart. Mehr als zehn Zeugen können ohne Vernehmung nach Hause gehen. Die Auswertung der Überwachungsvideos aus dem Warenlager findet nicht statt, ein Gutachten ist überflüssig. 

Doch auch ohne Geständnisse galten die Angeklagten als nahezu überführt. Neben den eindeutigen Videos gab es nämlich auch eine versteckte Observation durch Polizeibeamte. 

Das berichteten wir im April über den Fall

Die Falle der Fahnder schnappte zu, als die Täter am Nachmittag den in der Tatnacht in Essen gemieteten Transporter entluden und ihre Beute in Lüdenscheid in eine Garage trugen. 

Seit der Festnahme vor gut vier Monaten sitzt der ältere der Angeklagten in Untersuchungshaft. Er ist schon sechsmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten, Urteile wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes, Unterschlagung oder versuchten Computerbetruges ziehen sich durch seine Vergangenheit. 

Mit dem aktuellen Richterspruch über eineinhalb Jahre wird der Haftbefehl gegen den 24-Jährigen aufgehoben. Für ihn sprechen immerhin sein Geständnis und die Tatsache, dass durch den Einbruchdiebstahl kein Schaden entstanden ist. Die Elektronik-Kette hat ihre Waren offenbar samt und sonders zurückbekommen. 

"Das muss sich wie ein Freispruch anfühlen"

Der jüngere Komplize kommt ohne besondere Bewährungsauflagen davon. Verteidiger Saße sagt nach dem Prozess: „Das muss sich für meinen Mandanten wie ein Freispruch anfühlen.“ 

Trotzdem scheint der bislang unbescholtene junge Mann nicht ganz zufrieden zu sein. Er will 300 Euro, die Polizisten bei ihm sichergestellt haben, zurück. „Die gehören meiner Mutter.“ 

Die Reaktion des Staatsanwaltes ist eindeutig. Dr. Marco Klein wird laut: „So weit kommt’s noch! Ich glaube, ich spinne.“

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