Lüdenscheider Ehepaar schweigt zu den schweren Vorwürfen

Brandstiftung an der Bayernstraße: Im Gerichtssaal fließen Tränen

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Die Strafverteidiger Dominik Petereit (Mitte), Burkhard Benecken (links) und Dirk Löber raten ihren Mandanten zum Auftakt des Prozesses vor dem Schwurgericht, von ihrem Schweigerecht Gebrauch zu machen.

Lüdenscheid - Am ersten Tag des Prozesses gegen ein Lüdenscheider Ehepaar, das für das Feuer in zwei Wohnhäusern an der Bayernstraße verantwortlich sein soll, fließen Tränen.

In der ersten Verhandlungspause ist es so weit: Nach langer Trennung fallen sich die Eheleute im Saal 201 des Landgerichts Hagen in die Arme. Tränen fließen, geflüsterte Worte gehen hin und her. 

Aus dem mit Familienmitgliedern voll besetzten Zuschauerraum ist ebenfalls Schluchzen zu hören. Während die 28-Jährige auf der Anklagebank fast unablässig weint, bemüht sich ihr Mann, seit knapp einem halben Jahr in U-Haft, um einen coolen Eindruck. Beide hören auf ihre Verteidiger und schweigen zunächst zu den schweren Vorwürfen. 

Staatsanwältin Heike Hemme braucht fünf Minuten, um alle Details aus der Anklageschrift zu verlesen. Wenn es stimmt, was Ermittler und Gutachter zusammengetragen haben, war die Gefahr für 27 „völlig arg- und wehrlose“ Hausbewohner an der Bayernstraße, zu ersticken oder zu verbrennen, riesig. 

Und wenn der 32-jährige Hauptangeklagte wirklich überführt wird, droht ihm eine bis zu lebenslange Freiheitsstrafe. Wer auch immer der Täter ist: Er ist, das zeigen die Untersuchungen am Tatort mit enormer krimineller Energie und Rücksichtslosigkeit zu Werke gegangen. 

Hausbewohner erinnern sich im Zeugenstand an die „Katastrophennacht“, wie einer die Nacht des 26. Mai nennt. Er sagt, er sei bei den Letzten gewesen, die ins Freie rannten, bekleidet nur mit Boxershorts. „Ich bin froh, dass ich noch lebe und dass meine Familie gesund ist.“ 

Brandstiftung: 75 Benzin-Behälter im Haus gefunden

Der Vorsitzende des Schwurgerichts, Marcus Teich, stellt seine Fragen gewohnt ruhig und konzentriert. Es geht ihm auch darum, ob die Mieter in den Tagen zuvor Ungewöhnliches bemerkt haben. Von Gasflaschen unter einer Treppe ist die Rede, von Benzingeruch im Haus. Von Kellergängen voller Gerümpel, wohl vom Hausbesitzer. Und vom Sohn des Vermieters, der vor dem Brand anscheinend auffällig oft Sachen aus dem Haus geholt und mit einem Anhänger abtransportiert hat. 

Ernstlich verletzt wird niemand. Doch vor allem kleine Kinder sind traumatisiert. Eine Mutter berichtet, ihr Sohn habe seitdem „panische Angst vor der Feuerwehr“. 

Eine Elfjährige musste ambulant in die Kinderpsychiatrie. Schlafstörungen und Verlustängste müssen behandelt werden. 

Der materielle Schaden der Mieter ist kaum zu beziffern. Eine Frau sagt, sie habe „alle Klamotten weggeschmissen“. Eine Familie war überhaupt nicht versichert. Alle sind umgezogen. Der Tatort ist noch unbewohnbar.

Der Prozess wird am 21. November im Saal 201 des Hagener Landgerichts fortgesetzt.

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