Bundesverdienstkreuz für „Mann der Tat“

Freuten sich, dass Familie und Freunde dabei waren:  Graf und Gräfin von dem Bussche-Kessell mit Landrat Thomas Gemke.

LÜDENSCHEID ▪ Die Liste seiner Ehrenämter ist lang. So lang, dass selbst Alhard Graf von dem Bussche-Kessell (65) den Überblick verloren hat. Nicht so Landrat Thomas Gemke. Er zählte anlässlich der Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland im Ratssaal alle auf. Der so Geehrte fasste das Erlebte in der ihm eigenen humorigen Art kurz zusammen: Im Gegensatz zum Beruf lasse einem das Ehrenamt, diese „kolossal bereichernde Sache“, große Freiheiten: „Die Phantasie kann man im Ehrenamt Kapriolen schlagen lassen.“

In der Tat ist die Phantasie häufig gefragt, wenn es um pragmatische Problemlösungen geht. Die suchte und fand der Lüdenscheider Wasserschlossbesitzer und Waldbauer immer wieder. Der Nachhaltigkeit habe er sich bereits verpflichtet gefühlt lange bevor der Begriff modern geworden sei, sagte Bürgermeister Dieter Dzewas bei seinem kurzen Rückblick auf die Verdienste des neuen Ordensträgers. Der war zwischen 1979 und 1984 Ratsvertreter, habe auch damit Verantwortung übernommen. Und der Bürgermeister zitierte gerne Hartmut Eckert, ehemaliger Regionalvorstand der Johanniter in Südwestfalen. Einen „Mann der Tat“ hatte dieser den Ehrenritter des evangelischen Johanniter-Ordens genannt, der seit 2010 dem Kuratorium des Johanniterhauses Hagedornskamp vorsitzt. Und: „Er versteht es, Menschen mit unterschiedlichen Interessen zu integrieren und für gemeinsame Ziele zu motivieren.“

Solche gemeinsamen Ziele lagen und liegen für Graf von dem Bussche-Kessell vor allem im Naturschutz, in der nachhaltigen Bewirtschaftung von Böden und der Pflege historischer Bausubstanzen. Der Diplom-Kaufmann bewirtschaftet seit 1974 das denkmalgeschützte Familiengut Schloss Neuenhof. Von 2000 bis 2011 war er Vorsitzender des Grundbesitzerverbandes NRW, verlegte in der Zeit die Geschäftsstelle von Münster nach Düsseldorf – wegen größerer Nähe zur Politik und besserer Lobbyarbeit. Unter anderem war er im Vorstand der AG Naturgemäße Waldwirtschaft (1989 bis 2007), Berater des Vorstands des Waldbauernverbandes NRW (1995 bis 2002), sowie in der Tarifkommission für Waldarbeiter und Forstangestellte des Westf.-Lippischen Arbeitgeberverbandes für die Land- und Forstwirtschaft (1985 bis 2002), davon sieben Jahre als Vorsitzender. Er begründete die Holzvermarktungsgemeinschaft Sauerland mit (später Holzkontor Sauerland). Er engagierte sich im Ausschuss für Betriebswirtschaft des Deutschen Forstwirtschaftsrates (1989 bis 2004) und ist im Landschaftsausschuss der Stiftung Westfälische Landschaft (seit 2004).

„Überwältigt, vielleicht sogar erschrocken“, sei er gewesen, als er die Einladung der Kreisverwaltung zur Ordensverleihung geöffnet habe, erinnerte sich der Engagierte in seiner Dankesrede, die er vor allem seiner Familie widmete. „Oh, was ist denn jetzt schon wieder schief gelaufen“, habe er zunächst beim Sichten der Post gedacht. Doch alles ist gut gelaufen, und so brach er abschließend eine Lanze fürs Ehrenamt, das schon sein Vater hoch gehalten habe. Man bekomme einen großen Vertrauensvorschuss, es erweitere den Horizont, sei bereichernd, ein Vehikel für immaterielle Werte und eine unverzichtbare Stütze der Gesellschaft. Auch deshalb hoffe er auf Verständnis dafür, „wenn ich mal irgendwo Mist gemacht habe“.

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