Die Osmanen und der Fall Konstantinopels

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Der gebürtige Lüdenscheider Christoph Hardebusch legte seinen ersten Historien-Roman vor.

Lüdenscheid - Er heißt Christoph Hardebusch, wurde 1974 in Lüdenscheid geboren, machte hier sein Abitur und sagt über sich selbst: „Eigentlich bin ich ganz einfach ein Schreiberling, der gerne Geschichten spinnt und niederschreibt. Das ist schon immer so gewesen, zumindest so lange ich denken kann.“

Seine jüngste Stück Geschichte ist knapp 500 Seiten stark und trägt den Titel „Die eiserne Krone“. Zuhause war der Lüdenscheider Autor bislang eher im Fantasy-Genre. Seit Ende Juni ist nun sein literarischer Ausflug in die Welt der geschichtsträchtigen Romane auf dem Büchermarkt zu haben. Der Klappentext verspricht zunächst einmal ein kriegerisches Epos rund um das Konstantinopel des Jahres 1453, das Schicksal eines Söldners, eine gefährliche Verschwörung, ein bisschen Liebe und die Rettung der Welt. Der Protagonist trägt den symbolträchtigen Namen Lukas. Und ruckzuck geht’s hinein in das Schicksal des jungen Mannes, der sein Dasein zunächst einmal als Galeerensklave zu fristen hat. Ein Sturm, Schiffbruch und die göttliche Fügung, einem hochrangigen osmanischen Adligen das Leben retten zu können, bescheren Lukas ein Ticket in die schillernde Welt Konstantinopels, wo er sich fortan mehr recht als schlecht als Söldner verdingt, stets begleitet von der verzehrenden Liebe zur jungen Alexia, die allerdings längst jenem osmanischen Adligen versprochen ist, den Lukas seinerzeit vor dem nassen Tod bewahrte. Nach gut 400 Seiten Liebe, Leid und Intrigen überrollen schließlich die Osmanen die Stadt – der Rest ist Geschichte.

Christoph Hardebusch studierte in Marburg Anglistik, Germanistik und Geschichte, ließ sich irgendwann die Haare wachsen, fand nach eigenem Bekunden heraus, „wie lange es einer WG möglich ist, ohne gespültes Geschirr auszukommen“, wurde freier Mitarbeiter bei einer Werbeagentur in Mannheim. Im Frühjahr 2006 legte er sein Debut „Die Trolle“ vor und lebt heute mit seiner Frau in Speyer.

Christoph Hardebusch

Zwei Jahre hat sich Hardebusch für die intensive Recherche Zeit gegeben, bevor er seinen ersten historischen Roman vorlegen konnte. Eine gewisse Affinität zur Geschichte des byzantinischen Reiches muss mitbringen, wer das Buch mit Genuss lesen möchte. Denn das Historiendrama setzt durchaus etwas mehr voraus als das, was man aus dem Geschichtsunterricht mitbringt. Der Klappentext bedarf einer Überarbeitung, fallen doch die Stadtmauern tatsächlich erst auf den letzten Seiten des Buches. Und die in der Inhaltsangabe avisierte Verschwörung, die Lukas zum Retter der Welt kürt, lässt sich irgendwie auch nicht so ganz ausmachen.

Dazwischen liegen 400 flüssig geschriebene Seiten, die das Kino im Kopf einschalten. Hardebusch schreibt ausgesprochen bildhaft, so dass es nicht schwer fällt, sich vorzustellen, wie Diener kleine Silberteller tragen, auf denen dampfendes Lammfleisch, kandierte Früchte, duftendes Brot, verschiedene Käsesorten und saftiger Schinken serviert werden. Hardebusch provoziert allerdings in einem Ausmaß Bilder im Kopf, die beim Lesen mitunter störend werden. Großzügiges Überblättern der seitenweise detailliert beschriebenen Rüstungen verschiedener Krieger ist nicht schadhaft, wenn man dem Handlungsstrang einigermaßen folgen möchte.

Die intensive Recherche und die Begeisterung des Autors für die Epoche ist Seite für Seite greifbar. Man muss diese Begeisterung teilen, um sich auf das Drama einzulassen. Allerdings: Die etwas dünn gestrickte Liebesgeschichte zwischen Lukas und Alexia findet mit dem Fall der Stadt dann doch noch ihr Happy End, und nach all dem literarischen Gemetzel gibt es den Silberstreif der Hoffnung am Horizont Konstantinopels

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