Volkstrauertag: Die Stunde der Erinnerung

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Kranzniederlegung an der Gedenkstätte Hühnersiepen. Dort platzierten Bürgermeister Dieter Dzewas, sein Stellvertreter Björn Weiß (links) sowie Beigeordneter Thomas Ruschin (rechts) zwei Gebinde. Auf dem Friedhof sind viele Russen begraben.

Das Bild ist immer ähnlich: Traditionell prägen Uniformträger, getragene Musik und ernste Gesichter die Szenerie am Volkstrauertag. Zumindest an den Gedenkstätten in der Stadt.

Das war dieses Jahr nicht anders. Die zentrale Lüdenscheider Gedenkveranstaltung ging dabei wieder am Ehrenmal an der Parkstraße über die Bühne. Das Treffen an diesem kalt-sonnigen Novembervormittag lief dabei in den gewohnten Bahnen ab. 

Die Gedenkrede hielt Pfarrer Michael Siol von der Evangelischen Johanneskirchengemeinde Lüdenscheid. Er erinnerte an die Opfer von Krieg und „Nationaismus“. Trotz aller Gewaltausbrüche rund um den Globus glaubt Siol an Friedensperspektiven für Europa und die Welt. Seine Überzeugung: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ 

Neben der geistlichen Botschaft gab es mehrere Kranzniederlegungen. Repräsentanten der Stadt sowie von Soldaten-, Kriegsopfer- und Vertriebenen-Verbänden und vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge platzierten Gebinde an der Gedenkstätte. Ganz vorn bei der Trauergemeinschaft dabei: Bürgermeister Dieter Dzewas, sein Stellvertreter Björn Weiß und der städtische Beigeordnete Thomas Ruschin. 

Den musikalischen Part bei der Veranstaltung übernahmen der Männergesangverein Union Oberrahmede unter Leitung von Sofia Wawerla und die CVJM-Blechbläser, dirigiert von Dr. Martin Türk. Wie in den Vorjahren zeigte auch die Lüdenscheider Friedensgruppe am Ehrenmal Präsenz. Die Friedensfreunde haben in der Vergangenheit immer wieder die Verlegung des kollektiven Gedenkens auf den Evangelischen Friedhof Lüdenscheid angeregt. Grund: Sie vermissen am Ehrenmal die Gräber. 

Außerdem ist der wuchtige „Erwachende“ an der Parkstraße aus Sicht der Friedensaktivisten nicht gerade ein Bote für Frieden und Völkerverständigung. Sie sehen die Metall-Skulptur vielmehr als „NS-Denkmal“. So stand es auf einem mitgebrachten Spruchband. An ihrem Vorschlag einer Standort-Verlagerung des Gedenkens am Volkstrauertag hält die Friedensgruppe weiterhin fest. 

Auch anderswo im Stadtgebiet gab es Gedenkveranstaltungen. So auf dem Friedhof Hühnersiepen, wo viele russische Zwangsarbeiter begraben sind, auf dem Waldfriedhof Loh und in Brüninghausen. 

Am Mahnmahl in Brügge beteiligten sich an der Gedenkstunde die Abordnungen des Brügger Schützenvereins, des Deutschen Roten Kreuzes, Ortsverband Brügge, des Löschzuges Brügge der Freiwilligen Feuerwehr sowie des Heimkehrerverbandes. 

Musikalisch umrahmt wurde die würdevolle Feier durch Einlagen des Posaunenchors der evangelischen Kirchengemeinde Brügge. Die Kranzniederlegung am Ehrenmahl übernahmen Doris und Manfred Krenn vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, sowie die stellvertretende Bürgermeisterin Verena Kasperek, gemeinsam mit Matthias Reuver als Vertreter der Stadt, und dem Pfarrer des Kirchenkreises, Volker Bäumer. 

Bäumer sprach über seine persönliche Familiengeschichte, in der er auch Kriegsopfer zu bedenken hat. Auch Verena Kasperek sprach über die Weltkriegsopfer in ihrer Familiengeschichte. Das Prinzip von Terror und Krieg sei immer dasselbe: Durchsetzung des eigenen Willens mittels Gewalt, Nutzung von Angst statt Austausch von Argumenten, Tote statt Toleranz. 

Kasperek: „Wir müssen aufpassen, dass das gesellschaftliche Klima nicht weiter vergiftet wird, durch polarisierende und provozierende Diskussionen. Politiker müssen Veränderungen in unserer Gesellschaft erkennen und Maßnahmen ergreifen, Vertrauen in staatliches Handeln zurückgewinnen. Das wichtigste Werkzeug der Demokratie ist, über die inhaltliche Diskussion zu einem Konsens zu kommen. Das Austauschen von Vorwürfen bringt nicht. Wir müssen reden – und zuhören.“

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