Haushaltssicherungskonzept

Museum auf der Streichliste - Sparvorschlag schlägt Wellen

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Die Museen der Stadt und die städtische Galerie standen in einem verwaltungsinternen Papier zur Diskussion.

Lüdenscheid - Die Suche nach Einsparpotenzial für den städtischen Haushalt treibt in der Verwaltungsspitze offenbar wilde Blüten.

Nun sind Pläne für einen beispiellosen Kahlschlag in die Lüdenscheider Kultur-Landschaft bekannt geworden. 

Die Idee basiert auf der Anweisung des Bürgermeisters an seine Fachbereichsleiter, Vorschläge zum Haushaltssicherungskonzept zu machen. So erreichte den Leiter der Kämmerei, Sven Haarhaus, am Montagnachmittag eine E-Mail vom Beigeordneten Thomas Ruschin. 

Der Dezernent, der auch für die Kultureinrichtungen verantwortlich ist, schreibt unter anderem: „Auf die neue Dauerausstellung des Geschichtsmuseums wird verzichtet, das Museum und die städtische Galerie werden geschlossen. Das Depot wird im Hinblick auf veräußerungsfähiges Inventar, insbesondere im Hinblick auf veräußerungsfähige Kunst, überprüft. 

Diese werden hiernach nach Rücksprache mit der Politik veräußert. Etwaige an Bedingungen geknüpfte Schenkungen werden zurückgegeben und Verträge für öffentliche Präsentationen gekündigt.“

Stellenstreichungen

Damit verbunden sein sollte die Streichung aller Stellen im Museum – mit Ausnahme der des Leiters, Dr. Eckhart Trox, der „künftig wechselnde Ausstellungen mit dem verbliebenen Depotbestand in (...) städtischen Liegenschaften“ realisieren könne. 

Thomas Ruschin schreibt weiter: „Alternativ könnte man selbstverständlich auch die Aufgabe des Kulturhauses oder die Schließung der Bibliothek erwägen.“ Dieter Dzewas leitete den Vorschlag am Dienstagnachmittag weiter an die Fraktionsvorsitzenden des Rates. 

Denn die Kommunalpolitiker hatten im Rahmen von Haushaltsberatungen grundsätzlich beschlossen, keine Kultureinrichtung zu schließen. Er bitte um kurzfristige Rückmeldung, „ob die vorgeschlagene Vorgehensweise gebilligt würde und damit der bisherige Grundsatz aufgegeben werden soll“, so Dzewas an die Fraktionsspitzen.

Erste Reaktionen

Am schnellsten reagierte Michael Thomas-Lienkämper (LLL) auf den Versuch der Verwaltungsspitze, den politischen Grundsatzbeschluss über den Bestand der Einrichtungen in Frage zu stellen. 

Noch am Dienstag schrieb der LLL-Sprecher an Dieter Dzewas: „Wir möchten den bisherigen Grundsatz ‘Keine Schließung von Kultureinrichtungen’ beibehalten. Der Vorschlag des zuständigen Dezernenten Herrn Ruschin ist somit für uns obsolet.“ 

Auch SPD-Chef Fabian Ferber erteilte dem Vorschlag des Dezernenten auf Anfrage der Redaktion eine Absage. „Das kommt für uns nicht in Frage.“ Aus der CDU-Fraktion hieß es: „Das ist für uns nicht verhandelbar.“ 

Nach Bekanntwerden seines Vorstoßes gab Kulturdezernent Thomas Ruschin keine Stellungnahme ab. Die Informationen seien „nur für die interne Beratung“ bestimmt gewesen, teilte er per E-Mail mit – und widerspiegelten „nicht mehr den aktuellen Beratungsstand der Verwaltung“. 

Damit dürfte ein drohender Kahlschlag in der Kultur abgewendet sein.

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