Lüdenscheider Arzt Johannes Kortmann für „Humedica“ im Einsatz

Der Lüdenscheider Arzt Johannes Kortmann war über die Hilfsorganisation „Humedica“ ehrenamtlich für Flüchtlinge an der ungarischen Grenze im Einsatz.

Lüdenscheid - Vor Ort spielen für ihn politische Einschätzungen oder Entscheidungen keine Rolle. Es geht Johannes Kortmann einzig und allein um die Organisation der Hilfe und die ärztliche Versorgung der Flüchtlinge.

„Die Humanität ist mein Leitbild“, sagt der 28-Jährige, der vor kurzem bei einem Einsatz an der ungarischen Grenze zu Kroatien und Serbien ehrenamtlich für die Hilfsorganisation „Humedica“ vor Ort war.

„Das war schon anstrengend“, sagt er. „Aber in dieser Phase werden alle anderen alltäglichen Dinge des Lebens zu Marginalien. Die blendet man völlig aus.“ Oft blieben nur drei Stunden Schlaf. Im Mittelpunkt stand die ärztliche Versorgung der Flüchtlinge.

Logistische Organisation ist wichtig

Die Situation an der serbisch-ungarischen Grenze eskalierte im September, als Ungarn die Grenze schloss. „Aber die Flüchtlinge sind ja Migranten. Sie bewegen sich und suchen sich ihre Wege“, sagt Johannes Kortmann, und daher ist auch die logistische Organisation der Hilfe von großer Bedeutung. „Wir folgen ihnen und versorgen sie da, wo sie gerade sind.“ Die Situation sei zwar teils chaotisch gewesen, aber auch ungarische Ärzte hätten über Facebook freiwillig Schichtdienste organisiert und geholfen. „Staatschef Orban ist nicht ganz Ungarn.“

Es ist kein Zufall, dass Johannes Kortmann seine Hilfe zur Verfügung stellt. Die derzeitige Not der Flüchtlinge ist nicht der Auslöser, sondern liegt in seiner Zeit als Pfadfinder der Gemeinde St. Joseph und Medardus. Nach dem Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium besuchte er im Rahmen des Projekts Samenkorn Guatemala. Dort wird Jugendlichen, besonders der Maya-Bevölkerung, eine Schul- und Berufsausbildung ermöglicht. „Ich war sehr beeindruckt.“

Einsatz in Somalia

Er absolvierte seinen Zivildienst in einem Krankenhaus in Berlin und studierte danach Medizin in Bochum. Vor fünf Jahren hörte er von der internationalen Nichtregierungsorganisation (NGO) „Humedica“, einem christlich-überkonfessionellen Werk, das sich 1979 gründete und in mehr als 90 Ländern weltweit humanitäre Hilfe leistet. Er nahm an einem von „Humedica“ organisierten Seminar in Würzburg teil: „Das Konzept und das Ausbildungsprogramm haben mich überzeugt.“ Seitdem war er im somalischen Grenzgebiet zu Äthiopien im Einsatz, wo er auf ein Flüchtlingslager mit 45 000 Menschen traf, und auch auf den Philippinen, als der Taifun Hayian 2013 dort verheerende Schäden anrichtete und Millionen Menschen obdachlos wurden.

Zurzeit ist Johannes Kortmann arbeitslos und überlegt, wie es weitergehen könnte. „Ich muss Bewerbungen schreiben. Aber vielleicht strebe ich auch noch den Abschluss ,Master of Global Health‘ an. Damit kann man sich beim Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen bewerben.“ Klingt logisch angesichts seiner Vorgeschichte.

www.humedica.org

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