Gericht verurteilt jungen Spielsüchtigen: "Schon okay"

LÜDENSCHEID - Das Lüdenscheid Amtsgericht hat einen jungen Spielsüchtiger zu Freizeitarrest und Suchtberatung verurteilt. Einem Juwelier droht außerdem ein Ermittlungsverfahren.

Von Olaf Moos

Er ist eine einzige Enttäuschung. So viel Vertrauen hatte die Mutter seines besten Freundes in ihn gesetzt. „Er war wie ein Sohn in unserer Familie.“ Und was tut er? Nutzt ihren Urlaub aus und klaut ihr den Schmuck aus dem Kleiderschrank. Sieben Ringe, ein Armband, drei Ketten. Bei einem Juwelier in der Innenstadt versetzt „und das Geld verballert“, wie Jugendrichter Jürgen Leichter anmerkt. Dafür setzte es jetzt einen Freizeitarrest und die Auflage, einen Spielsuchtberater zu konsultieren.

Die Gelegenheit war günstig an diesem 2. Juli. Der 21-jährige Auszubildende war krankgeschrieben und hatte bei seinem Kumpel an der Gartenstraße übernachtet. Als der in der Frühe zur Arbeit verschwunden ist, durchwühlt der einsame Gast den Kleiderschrank seiner Gastgeber und wird fündig. Die Besitzerin gibt die Höhe des Verlustes mit 6000 Euro an. „Das war alles aus Gold“, sagt sie dem Richter. Sogar der Ehering ihres Mannes ist weg.

„Waren Sie klamm?“, fragt Richter Leichter den jungen Mann. Antwort: „Nee, aber ich wollte mehr.“ Für den Schmuck habe er von einem Aufkäufer 1200 Euro gekriegt. „Und dann bin ich in die Spielothek und habe 600 Euro dagelassen.“ Das gefällt dem Richter gar nicht. „Ärgerlich, wenn man für so einen Mist so viel Geld ausgibt.“ Die anderen 600 Euro sind kurze Zeit später im Urlaub draufgegangen. Ob wieder in Spielhallen, das wird nicht erörtert.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe sagt, der Angeklagte werde mit seinem Problem alleine nicht fertig. „Er gefährdet die Beziehung zu Menschen und seine Zukunft.“ Ihm fehle Ernsthaftigkeit und die Fähigkeit, vorausschauend zu denken.

Als die ganze Sache aufflog und er sich zerknirscht bei der Bestohlenen entschuldigte, gab es nichts mehr zu retten. Die Zeugin erinnert sich: „Wir waren zusammen bei diesem Juwelier, aber da hat man uns leider nicht gezeigt, was von meinem Schmuck noch da war.“ Die Staatsanwältin vermutet: „Das ist wahrscheinlich sofort alles eingeschmolzen worden.“ Und denkt laut darüber nach, wegen des Tatverdachtes der Hehlerei ein Ermittlungsverfahren gegen den Juwelier einzuleiten. „Man kann doch nicht leichtgläubig solche Mengen von so einem Tünnes kaufen.“

Der „Tünnes“ wird also einmal von Freitagabend bis Montagmorgen im Arrest verbringen und ansonsten gegen seine Spielsucht arbeiten. „Die Strafe ist schon ok!“

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