Ein Kaffee, ein Schnaps, eine Nase: Lüdenscheider Wirt soll Gästen Kokain serviert haben

Symbolbild

Lüdenscheid - Ein Kaffee, ein Schnaps, eine Nase Kokain - so könnte die Bestellung in einem Lüdenscheider Café geklungen haben, wenn das Geständnis eines 69-jährigen Angeklagten zutreffend war.

Nach diversen anonymen Hinweisen hatte die Polizei sein Café im Januar 2018 durchsucht und dabei in einer Jacke rund 16 Gramm Kokain gefunden. 

Da der Wirt sich zu den Vorwürfen zunächst nicht äußerte, gaben die Ermittler ein Gutachten in Auftrag, das an der Jacke gefundene DNA-Spuren ihm zuordnete. Außerdem sammelten die Ermittler an verschiedenen Orten des Cafés Schein- und Münzgeld ein, das sich zu einem Betrag von etwa 3000 Euro summierte. 

Es sprach viel dafür, dass mit den Münzen die Geldspielautomaten gefüttert werden sollten. „Ist es möglich, dass Drogen in Münzgeld bezahlt werden?“, wollte der Verteidiger mit Blick auf einige Hundert Euro in Münzen von einem der Ermittler wissen. „Eigentlich nicht“, erwiderte der Zeuge. 

Dürres Geständnis, ansonsten Schweigen

Der Angeklagte verzichtete dennoch auf den gesamten Betrag. Im Grunde genommen blieb er bis auf sein dürres Geständnis stumm. Vorbereitet worden war es durch ein Rechtsgespräch zwischen Schöffengericht, Staatsanwalt und Verteidiger. Für den Fall eines Geständnisses wurde dem Angeklagten eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt. 

„Er räumt die Tatvorwürfe ein“, erklärte der Verteidiger daraufhin im Namen seines Mandanten. Nachfragen des Gerichts hinsichtlich der Taten beantwortete er mit der immer gleichen gebetsmühlenartigen Auskunft: „Wenn es so in der Anklage steht, ja!“ 

Wirklich aufgeklärt wurden der Kokain-Fund und das vermutete Handeltreiben dadurch nicht. Und es blieb ein winziger Restzweifel, ob das Geständnis wirklich glaubwürdig war. Jene bei Gerichten beliebte Formulierung, dass ein Geständnis von Reue und Einsicht getragen war, war denkbar weit weg. 

Auf der Skala des Möglichen am unteren Rand

In seinem Plädoyer begründete der Verteidiger das Geständnis mit der Aussicht auf eine Bewährungsstrafe und nicht mit dem Willen seines Mandanten, reinen Tisch zu machen. Und erstaunlicherweise garnierte er sein Plädoyer nun noch mit einigen Fakten, die in einer strittigen Verhandlung zur Entlastung seines Mandanten hätten beitragen können. 

Doch der begnügte sich mit der vom Gericht verhängten 16-monatigen Bewährungsstrafe – für den Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Auf der Skala des Möglichen liege die Tat am unteren Rand, erklärte Richter Thomas Kabus. 

Außerdem lägen die Taten längere Zeit zurück. Von einem minderschweren Fall gingen die Richter allerdings nicht aus.

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