Nur Geldstrafe wegen Beleidigung von Polizisten

Mann (28) hat großes Glück vorm Amtsgericht

Lüdenscheid - Ein Arbeiter (28) ist wegen Beleidigung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt. Er soll sich am 1. November vor dem Brauhaus mit Polizisten angelegt haben. Die bisherigen Aussagen der Beamten klangen widersprüchlich.

Strafrichter Andreas Lyra setzt auf weitere Vernehmungen. Es geht um die Frage, ob die Diensthandlung der Polizisten in der Halloween-Nacht rechtmäßig war oder nicht. Und ob der Widerstand des 28-Jährigen dagegen erlaubt war oder nicht. 

Unjuristischer ausgedrückt: Durften die Beamten einen wohl vor Stunden ausgesprochenen Platzverweis einfach durchsetzen und einen Mann fesseln und in den Bulli werfen? Diese Frage kann Strafrichter Andreas Lyra auch beim zweiten Verhandlungstermin nicht beantworten. 

Denn am ersten Prozesstag waren die Aussagen der Polizisten im Zeugenstand „ein bisschen durcheinander“, so der Richter. Und die weiteren Beamten, die er zu dem Thema gerne hören würde, sind zum Fortsetzungstermin gar nicht erst erschienen. Somit hat Strafverteidiger Andreas Trode keine Chance, den Polizisten Falschaussagen und Erinnerungslücken vorzuhalten. 

Fast eine dreiviertel Stunde lang haben Lyra, Trode und Oberamtsanwältin Maximiliane Hieke hinter verschlossenen Türen die Köpfe zusammengesteckt, um angesichts der säumigen Zeugen das weitere Vorgehen abzustimmen. Dann stellt sich heraus: Der Angeklagte – zur Tatzeit hatte er 1,7 Promille intus – profitiert von dem Verlauf des Verfahrens. 

Der Vorwurf der Widerstandshandlung ist nicht zu erhärten und wird fallengelassen. Für die Beleidigung – laut Protokoll Worte wie „Wichser“ oder „Pisser“ – gibt's eine Geldstrafe von 1050 Euro. Richter Lyra sagt: „Sie waren betrunken, Sie haben niemanden verletzt, da muss man die Kirche auch mal im Dorf lassen.“ 

Für Nachsicht und Milde sorgt obendrein der Bericht der Bewährungshelferin. Sie spricht über die konsequente Abstinenz ihres Klienten und darüber, dass er bald zum dritten Mal Vater wird und inzwischen fest in Lohn und Brot steht. „Das spricht für eine positive Sozialprognose.“ 

Großes Glück hat der Lüdenscheider auch in anderer Hinsicht: Er war nämlich zusätzlich wegen Betruges angeklagt. Mit einem Komplizen soll er sich Handys ergaunert haben. Doch der Komplize hat sich augenscheinlich in die Türkei abgesetzt. 

Das Verfahren wird also auf Eis gelegt – bis der Mitangeklagte irgendwann wieder auftaucht.

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