Freizeit-Akrobaten

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Fabian Böge nutzt den Kletterparcours des Spielplatzes im Brighouse Park dazu, einen Rückwärtssalto zu schlagen. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Für Wippen, Rutschen, Sandkästen oder Klettergerüste sind sie zu alt. Eigentlich. Allerdings nutzen sie Spielplätze auch nicht im herkömmlichen Sinne. Sondern als Spots, als Trainingsgelände für ihr Hobby: Akrobatik. Und das betreiben Fabian Böge (16) und die beiden 19-jährigen Zwillinge Engin und Ergin Albayrak unter dem Projektnamen „Aldi Jumper“, kurz: A-J.

„Wir haben uns früher immer an einem Spielplatz nahe der Christus Kirche getroffen. Da gab es einen Aldi, daher der Name“, erklärt Ergin Albayrak. 2007 hätten sie erstmals versucht, von einer Wippe aus einen Salto zu schlagen. „Eigentlich hatten wir nur Langeweile“, sagt Engin Albayrak, „aber nachdem wir es alle mal geschafft hatten, fanden wir es cool.“

Aus dem Versuch wurde eine Leidenschaft. Ob aus dem Stand, mit Räuberleiter, von Klettergerüsten, Dächern oder sonstigen Erhöhungen aus – Fabian Böge und die Albayrak-Zwillinge beherrschen die Kunst des Saltos längst. Und beeindrucken vorüber gehende Passanten immer wieder mit ihren akrobatischen Fähigkeiten.

„Man muss sich einfach trauen“

„Manchmal sprechen uns Jugendliche an, die das auch lernen wollen“, erzählt Ergin Albayrak. In der vergangenen Woche beispielsweise hätten sie im Nattenberg-Schwimmbad einem jungen Mann beigebracht, einen Salto rückwärts aus dem Stand und eine Radwende zu machen. „In 30 Minuten kann das jeder locker lernen“, versichert Fabian Böge. Seiner Ansicht nach ist Mut dabei das Wichtigste. „Man muss sich einfach erstmal trauen, einen Salto zu versuchen, und selbstbewusst sein. Die Körperbeherrschung kommt mit der Zeit von ganz allein“, so der 16-Jährige weiter.

Ungefährlich ist ihr Hobby nicht. Schürfwunden, Prellungen, ausgekugelte Finger, diverse Verstauchungen und einen Beinbruch zählen die Drei auf. „Das gehört dazu, kommt aber wirklich selten vor“, sagt Engin Albayrak.

Immer auf der Suche nach Herausforderungen

Er ist ebenso wie die beiden anderen „Aldi Jumper“ ständig auf der Suche nach neuen Spots. Das müssten keine Spielplätze oder Wiesen sein, erklärt er. Überall gebe es Orte, die sich für ihre akrobatischen Einlagen eignen. Die die Jugendlichen gerne auch spontan testen. „Ähnlich wie Parkour-Sportler“, sagt Ergin Albayrak. Mit dem Unterschied, dass die Hindernisläufer natürliche oder künstliche Parcours in der schnellstmöglichen Zeit zu meistern versuchen.

Mit ihrer Leidenschaft sind Fabian Böge und die Albayrak-Zwillinge also nicht allein. Zumal es auch in Lüdenscheid etwa 40 Parkour-Sportler gebe, schätzt das Trio. Zudem fänden in ganz Deutschland so genannte Jams für Akrobaten statt, die auch die Bergstädter hin und wieder besuchen. „Da trainieren die Leute gemeinsam, zeigen sich neue Moves und tauschen sich über Tipps und Tricks aus“, erklärt Ergin Albayrak.

Feste Trainingszeiten oder -orte hat die „A-J“-Gruppe nicht. Ein offenes Ohr und Zeit für Interessenten allerdings schon. Interessenten können über Facebook unter „Engin Aldi Jumper“ Kontakt mit dem Trio aufnehmen. ▪ Sven Prillwitz

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