Artisten sehen sich als Opfer und erstatten Anzeige

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Die Artisten packten wieder ein, ohne dass die Stühle in der Manege einmal besetzt gewesen wären. Wann sie zum nächsten Gastspielort weiterziehen können, sei noch unklar, hieß es. Ohne Einnahmen fehle das Geld für die Weiterreise.

LÜDENSCHEID - Sein Zelt hat der Zirkus inzwischen abgebaut, und Anzeige wegen Betrugs hat er auch erstattet: Der „Grosse Russische Circus“, wie er sich bezeichnet, hatte auf dem Parkplatz des ehemaligen Lidl an der Altenaer Straße eigentlich noch bis Sonntag gastieren wollen.

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Doch wann er seine Zelte in Lüdenscheid nun endgültig abbricht, ist noch unklar. „Wir wissen gar nicht, wie wir hier wegkommen sollen“, sagt Leyla Mak. Sein letztes Geld habe der Zirkus in die Tankfüllungen für die Anfahrt gesteckt; wegen der geplatzten Auftritte – keine Zeltabnahme sowie der Lidl-Vorwurf, das Gelände sei illegal besetzt worden (wir berichteten) – blieben Einnahmen aus. Die ganze Angelegenheit habe man jetzt einem Anwalt übergeben, sagte Leyla Mak. Zugleich hat man aber auch Anzeige wegen Betrugs bei der Polizei erstattet, wie eine Rückfrage bei Polizeisprecher Norbert Pusch ergab. Denn die Ursache allen Übels sei ein handschriftlicher Vertrag, den man in dem guten Glauben abgeschlossen habe, mit einem Lidl-Vertreter zu verhandeln, erklärte die Zirkusfamilie.

Solche Art, Verträge abzuschließen, sei in der Branche durchaus üblich, betont Gino Frank, wie Leyla Mak für Reklame und Werbung zuständig. Im Grunde reiche bei privaten Verträgen ein Handschlag oder die Unterschrift auf der Rückseite einer Visitenkarte. Dass so etwas je angezweifelt worden wäre, habe man noch nicht erlebt. „Jetzt liegen unsere Nerven blank“, sagt Leyla Mak.

Der Polizei hingegen liegt eine Personenbeschreibung des Mannes vor, der mit „Klaus Cramer“ unterschrieben hat und von dem Lidl-Sprecher Sascha Estel sagt, so jemanden gebe es im Unternehmen nicht. Demnach haben die Zirkusleute am 6. März um 13 Uhr mit einem gut gekleideten Mann, der auf dem Gelände gewesen sein soll, verhandelt. Er habe erzählt, dass er den Lidl-Lagerverkauf mache. „Man denkt doch nicht, dass das ein Betrüger ist“, sagt Mak.

Die Polizei sucht jetzt also einen etwa 40-jährigen, schlanken und etwa 1,75 Meter großen Mann. Er war gut gekleidet, mit dunkler Stoffhose und Jacke und hatte kurzes, dunkelbraunes Haar sowie gepflegten Bartwuchs. Sein Auto war eine schwarze BMW-Limousine, etwa ab Baujahr 2005. Pusch: „Wenn der nicht berechtigt war zu kassieren, liegt Betrug vor.“ Dabei geht es um 200 Euro Kaution und eine Platzmiete von 100 Euro. Geld, das der Zirkus jetzt dringend bräuchte, um zum nächsten Gastspielort nach Meinerzhagen zu fahren. - Susanne Kornau

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