Update 18.40 Uhr

Wollte Armbrust-Schütze sich erschießen lassen?

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[UPDATE 18.40 Uhr] LÜDENSCHEID - Der Jugendliche, der am Freitagabend an der Moltkestraße mit Armbrust und Machete auf zwei Polizisten losgegangen ist, wollte möglicherweise Selbstmord begehen.

Wie Staatsanwalt Klaus Knierim bestätigte, habe der Schüler „gehofft oder damit gerechnet, bei dem Polizeieinsatz erschossen zu werden“. Das habe eine erste Vernehmung ergeben. Die Sprengsätze habe er zwar selbst hergestellt, aber letztlich bewusst nicht eingesetzt, um niemandem zu schaden, hieß es weiter.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Lüdenscheider Haftbefehl wegen versuchten Mordes erwirkt. Das Merkmal der Heimtücke ist laut Knierim erfüllt, weil der Beschuldigte die Beamten wegen einer angeblichen Ruhestörung durch eine Party in der Nachbarschaft zum Tatort gelockt und sie aus einem Gebüsch heraus unvermittelt attackiert hat.

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Ob die sogenannten Selbstlaborate geeignet gewesen sind, in dem Wohnblock an der Höh größeren Schaden anzurichten, steht nach wie vor nicht fest. Spezialisten des Landeskriminalamtes haben die mutmaßlichen Sprengfallen sichergestellt und zur Untersuchung nach Düsseldorf mitgenommen. Ergebnisse liegen nach Knierims Angaben bislang aber noch nicht vor. Vieles deute darauf hin, dass es sich um mehr dreht als ein paar Reste von Silvester-Knallern. Bislang gilt es als nicht ausgeschlossen, dass die Sprengsätze sogar unter das Waffengesetz fallen.

Noch in dieser Woche soll ein Jugendpsychiater den Beschuldigten im Gefängnis für jugendliche Straftäter in Iserlohn-Drüpplingsen besuchen und im Hinblick auf dessen Verantwortungsreife nach den Jugendgesetzen sowie auf seine strafrechtliche Schuldfähigkeit hin begutachten. Die Ergebnisse der Untersuchung werden das Verfahren entscheidend prägen und beeinflussen, ob tatsächlich Anklage wegen versuchten Mordes erhoben oder ein Unterbringungsverfahren eröffnet wird. In diesem Fall könnte der 17-Jährige auf unbestimmte Zeit zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen werden.

Die Dauer der Untersuchungshaft richtet sich nach dem Jugendgerichtsgesetz. Das sieht vor, dass das Verfahren „mit besonderer Beschleunigung durchzuführen“ ist, wenn ein Jugendlicher in U-Haft sitzt. Aller Voraussicht nach wird der Lüdenscheider bis zum Prozess und zur Verkündung einer richterlichen Entscheidung eingesperrt bleiben. - Olaf Moos

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