Vorläufiges Ende einer Kiffer-Karriere

LÜDENSCHEID - Seine Mutter hat Angst vor ihm, sein Vater private Wertsachen versetzt, um die Schulden des heute 20-Jährigen zu begleichen – 10.000 Euro. Der junge Angeklagte leidet an einer „drogenbedingten Psychose“, sagt Psychiater Dr. Johannes Völler aus Marsberg.

Er befürwortet eine unverzügliche Behandlung. Das ist der vorläufige Endpunkt der Kiffer-Karriere eines vormals hoffnungsfrohen Jungen.

Der junge Mann auf der Anklagebank feixt vor sich hin und popelt demonstrativ in der Nase. Doch die Prozessbeteiligten schauen weniger empört als vielmehr besorgt drein. Die Vorwürfe des Staatsanwalts klingen vergleichsweise lapidar: fünf Ladendiebstähle, kaum Schaden angerichtet, aber einschlägig vorbestraft, juristisch keine große Angelegenheit für das Jugendschöffengericht.

Ein Wohnungseinbruch kann nicht verhandelt werden, ein Mitbeschuldigter – erst 13 Jahre jung – ist nicht zum Prozess erschienen. Bleiben also die Langfingereien in Drogeriemärkten. Die gibt der 20-Jährige zu, damit könnte die Beweisaufnahme geschlossen werden.

Aber die Erstattung des Gutachtens Dr. Völlers dauert. Der Sachverständige hat kaum Positives über den Probanden zu berichten – allenfalls dessen durchschnittliche Intelligenz. „Ausgesprochen verwöhnt“ worden sei der Angeklagte als Kind. Mit etwa 14 gab es ersten Kontakt zu Drogen. „Cannabis-Produkte bewirken eine Kein-Bock-auf-nix-Mentalität.“ Schulabschluss oder Ausbildung: Fehlanzeige. Zu Hause sei er den Eltern gegenüber aggressiv und fordernd. Tests hätten „nichts Auswertbares“ ergeben – zu unkonzentriert. Dr. Völler: „Das gesamte Persönlichkeitsgefüge hat sich verschoben.“

Verteidiger Holger Becher nimmt seinen Mandanten beiseite. Nach dem Gespräch lenkt der ein. Der Richter: „Sehen Sie jetzt ein, dass Sie Hilfe brauchen?“ Der Angeklagte: „Ja, sicher!“ Ob er das tags drauf immer noch sieht, bezweifelt der Vater. „Er hat nichts verstanden.“ Das Gericht probiert's trotzdem. Sechs Monate mit Bewährung gibt es – mit der Auflage, sich in Behandlung zu begeben. Der Verurteilte will nur noch schnell raus hier. „War's das jetzt?“ - Olaf Moos

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare