Lüdenscheid als Vorbild für interreligiösen Dialog

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Nach den Reden im Bürgerforum versammelten sich die Teilnehmer des Friedensgebets an der Bodenintarsie auf der Wilhelmstraße, um feierlich im Fackelschein die Hinweistafel für den „Engel der Kulturen“ zu enthüllen.

Lüdenscheid  - Nächstenliebe, Menschlichkeit, Respekt, gegenseitiges Vertrauen und vor allem die Bereitschaft, sich kennenzulernen: Diese Gedanken einten am Mittwochabend alle Redner beim Friedensgebet im Bürgerforum des Rathauses. Eingeladen hatte dazu das Interreligiöse Forum Lüdenscheid, dessen Mitglieder einen Beitrag zu einem verständnisvollen und freundschaftlichen Miteinander der Gläubigen aller Religionen in der Stadt leisten möchten.

Äußeres Signal dafür ist der „Engel der Kulturen“, der vor rund einem Jahr auf der Wilhelmstraße als Bodenintarsie verlegt wurde – als Zeichen „der angestrebten friedvollen Gemeinschaft in religiöser Vielfalt“. Am Mittwoch wurde im Rahmen des Friedensgebetes eine Hinweistafel am Alten Rathaus enthüllt, die die Symbolik, die hinter dem „Engel der Kulturen“ steht, erläutert. Ein Ring vereint die Zeichen der drei abrahamischen Religionen Christentum (Kreuz), Judentum (Davidstern), Islam (Halbmond). Durch die Anordnung dieser drei entsteht im Innern des Kreises die Kontur eines Engels, gemeinsames Symbol aller drei Religionen.

Gedanken zum Frieden gab es von Christen zweier Konfessionen, Juden sowie Muslimen aus verschiedenen Gemeinden und Kulturvereinen. Bürgermeister Dieter Dzewas lobte die Arbeit der Initiative, die vor zwei Jahren aus dem Dekadearbeitskreis entstanden ist, und betonte: „Es gibt keine Alternative zu einem friedlichen Miteinander.“

Mechthild Börger, die für die katholische Pfarrei St. Medardus sprach, wünschte sich „Offenheit und Ehrlichkeit im Dialog der Religionen“. Das bedeute auch, dass nicht immer „Friede, Freude, Eierkuchen“ herrsche. Vielmehr müsse man auch mal dazu stehen, dass man „Wut im Bauch hat“, wenn man Frieden schaffen wolle. Sie ermunterte: „Reden wir miteinander, vertrauen wir einander.“ Denn Misstrauen sei gefährlich.

Farid Ouhbi von der marrokanischen Moschee an der Sedanstraße erinnerte daran, dass die Bereitschaft des gegenseitigen Kennenlernens vor der eigenen Haustür anfängt. „Ich denke, man sollte mit kleinen Sachen anfangen, damit sie auch nachhaltig sind.“ Das Interreligiöse Forum könne die Basis sein, gemeinsam etwas zu schaffen – „etwas für Lüdenscheid, das steht in unserer Macht.“ So könne die Bergstadt zum Vorbild für andere Städte werden.

Hagay Feldheim, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, lud ein, einen hebräischen Segens- und Friedenswunsch mit ihm anzustimmen. Über den Islam als eine Religion des Friedens und der Toleranz sprachen Senay Nergiz von der alevitischen Gemeinde, Abdulkadir Makime von der Ditib-Moschee, Cengiz Varli von der Ahmadiyyah-Gemeinde und Kamal Rachidi vom marrokanischen Kulturverein. Forums-Sprecher Achim Riggert zitierte im Namen der evangelischen Christen aus der Bergpredigt.

Klaus Schiller an der Gitarre und Yasmin Alijah am Flügel übernahmen die musikalische Gestaltung des Abends. Letztere hatte eine Arabesque komponiert, die ihre Uraufführung erlebte – in einer Version, bei der Randa Achkar auf der Trommel spielte. - Von Bettina Görlitzer

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