Erich Reusch gestorben

Bedeutender Künstler und passionierter Flieger aus dem MK ist tot

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Erich Reusch

Lüdenscheid – Im Alter von 94 Jahren ist der Bildhauer Erich Reusch am 29. Dezember verstorben. Die Kunstszene verliert mit ihm einen der innovativsten Gestalter, der die deutsche Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg nachhaltig mitgeprägt hat.

Von Klaus Crummenerl

Erich Reusch wurde 1925 in Wittenberg-Lutherstadt geboren. Von 1947 bis 1953 studierte er Bildhauerei und Architektur an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Danach arbeitete er als Architekt. 1964 wandte er sich wieder mehr der Bildhauerei zu. Seit 1973 an der Kunstakademie Düsseldorf tätig, hatte er von 1975 bis 1990 den Lehrstuhl „Integration Bildende Kunst und Architektur“ inne und war viele Jahre stellvertretender Akademiedirektor.

Sein beherrschendes Thema war der Raum als Ereignis, wie er es selbst in einem Ausstellungstitel 2012 formulierte. Theoretisch untermauert sprach er von der dezentralen Skulptur. Häufig beschränkte er sich angesichts der jeweiligen Gesamtsituation auf eine reduzierte Formensprache, etwa bei der Gestaltung des Bendler-Block-Innenhofes in Berlin 1978. 

Fast alle wichtigen deutschen Kunstmuseen erwarben seine Arbeiten. Auch mit Einzelskulpturen brillierte Reusch. Legendär sind ab 1970 seine elektrostatischen Objekte, bei denen sich Rußpartikel an die Wände von transparenten Acrylglasbehältern heften. Zudem hatte er seit jeher gezeichnet. Vor allem nach seinem Ausscheiden aus der Akademie entstand ein umfangreiches und vielseitiges malerisches Werk. Auch dabei war die Auseinandersetzung mit dem Raum das Leitthema.

Mit Lüdenscheid war der Künstler eng verbunden. 1986 präsentierte Uwe Obier ihn zum ersten Mal in der Städtischen Galerie. Da wohnte und arbeitete Reusch schon in Neuenrade, wo er sich – ein begeisterter Flieger – in der Nähe des Flugplatzes Wohnhaus und Atelier gebaut hatte. Mehrere Ausstellungen in der Städtischen Galerie und der Galerie Friebe folgten, zuletzt 2015 zu seinem 90. Geburtstag. 2001 ehrte ihn die Sparkasse mit dem Ida-Gerhardi-Preis. Den Kunstfreunden Lüdenscheid trat Reusch unmittelbar nach deren Gründung bei; seit 2015 war er ihr Ehrenmitglied. Im Stadtbild ist er mit markanten Arbeiten präsent, so vor der Stadtbücherei, bei den Stadtwerken und im Kreishausfoyer.

Für seine Freunde und Bekannten war er ein aufgeschlossener, umfassend interessierter Gesprächspartner und ein anregend plaudernder Gesellschafter. Noch vor wenigen Wochen war er wachen Geistes mit immer neu sprudelnden bildnerischen Ideen. Die Kunstwelt hat einen bedeutenden Akteur verloren. Und der Märkische Kreis wohl auch im historischen Maßstab den wichtigsten Künstler, der je auf seinem Gebiet gelebt und gearbeitet hat.

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