Zurückhaltung im Luftverkehr

So regeln Unternehmen im MK Dienstreisen während der Corona-Pandemie

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Das Flugzeug bringt die Urlauber zwar längst wieder in fremde Länder, die Lüdenscheider Unternehmen dagegen schicken ihre Mitarbeiter weiterhin nur in besonderen Fällen mit dem Flieger in die Ferne.

Lüdenscheid – Eine Dienstreise ins Ausland? „Die nächste vielleicht im Herbst zum Werk in Malta“, sagt Ralf Schwarzkopf. Der Chef der Hotset GmbH an der Hueckstraße bleibt vorsichtig, „erst einmal warten wir jetzt die Urlaubszeit ab, warten auf die Rückkehrer und die Entwicklung. Und dann werden wir sehen...“

Nach dem Corona-Lockdown waren Auslandsreisen auch für Lüdenscheider Unternehmen schnell komplett passé gewesen. Der Weg zurück in Richtung Normalität, man beschreitet ihn generell sehr zurückhaltend. Auch bei Lüdenscheids größtem Arbeitgeber Kostal geht in Sachen Auslandsreisen dieser Tage dem Vernehmen nach wenig bis nichts. Die Videokonferenz ersetzt die Dienstreise, das Webex-Programm den Flieger. 

Nur in besonders wichtigen Fällen soll es zuletzt auch mal in ein fremdes Land gegangen sein. Das gilt auch für Erco. Das große Unternehmen vom Brockhauser Weg agiert global. „Aber deshalb muss man nicht zwingend in ein Flugzeug steigen“, sagt Marketingleiter David Kuntzsch, „es gibt derzeit wieder sehr sporadisch Reisen ins Ausland, aber nur, wenn diese aus unternehmerischen Gründen unumgänglich sind. Das bewegt sich auf einem sehr niedrigen Niveau.“ Kuntzsch verweist darauf, dass das Unternehmen das Thema Digitalisierung bereits vor der Corona-Krise ausgerollt hatte. „Aber natürlich noch nicht in dieser Intensität“, sagt er, „inzwischen entdeckt man, wie einfach Online-Meetings sind.“ 

Telefonkonferenzen mit mehreren Ländern

Kuntzsch glaubt sogar, dass der internationale Austausch dadurch zugenommen hat. Für Dienstreisen bedeutet dies nichts Gutes. „50 Prozent der Reisen, die es früher gegeben hat, können jetzt über Online-Meetings substituiert werden“, stellt der Marketingleiter fest. Dies gelte bis hin zu den Topmanagern, die inzwischen auch auf diesem Weg ihre Kommunikation führen. Auch Dino Jablonski ist normalerweise für die Schrauben Betzer GmbH & Co KG quer durch Europa unterwegs, zu den Kostal-Werken in ganz Europa, aber auch zu anderen Kunden. England, Portugal, Tschechien. „Alles gecancelt“, sagt der Vertriebsleiter des Unternehmens, „dich lässt ja gar keine Firma rein.“ Und weil das so ist, kommen Portugiesen, Engländer, Tschechen und andere in Videokonferenzen virtuell in den Besprechungsraum an der Heedfelder Straße – der ist groß genug, um beim Gastgeber bis zu acht Mitarbeitern bei einem Abstand von mehr als zwei Metern die Teilnahme an Konferenzen zu bieten. Die Kameras sind entsprechend installiert, die Geschäfte laufen wieder sehr gut an. „Da sind dann teilweise drei, vier Länder in der Schalte, und nicht selten dauert das zwei Stunden“, sagt Jablonski, „und dann geht es direkt zur nächsten...“ 

Hotset-Chef Schwarzkopf glaub an Dienstreisen-Rückkehr

Ist derlei ein Modell für die Zukunft? Ralf Schwarzkopf glaubt nicht daran. „Nur per Video-Chat und Skype werden wir auch in Zukunft keine Geschäfte machen. Das reicht nicht“, sagt der Hotset-Chef. Zum einen sei der persönliche Kontakt für Geschäfte wichtig, auch mal ein Gespräch abseits des Büros bei einem Bier. Zum anderen werden die Dienstreisen-Erprobten nicht so einfach auf ihre Besuche in anderen Ländern verzichten wollen.

„Ich kann mir schon vorstellen, dass man in Zukunft auf eine Fahrt zu einem Kunden in Stuttgart verzichtet, der sich dann eine Stunde lang etwas anschaut und dann vielleicht doch nicht kauft. Das passt einfach nicht mehr, das wird man sich in Zukunft durch die anderen Möglichkeiten sparen“, sagt Schwarzkopf, „aber die Auslandsreisen zu den großen Unternehmen werden wiederkommen. Für viele junge Kollegen ist es ja auch einfach cool, die Flugmeilen zu sammeln und den Senator-Anhänger am Koffer zu tragen. Das ist auch Statussymbol. Ich bin gespannt, ob sich daran etwas ändern wird.“ 

Im Januar und Februar hat Schwarzkopf selbst noch Tochtergesellschaften in Indien und den USA besucht. Seitdem ist auch beim Hotset-Chef die Dienstreise nicht mehr in Planung. Malta vielleicht noch im Herbst, China frühestens Ende des Jahres – abwartend, ob eine bisher noch nicht abgesagte Messe tatsächlich stattfinden wird. Und die Mitarbeiter? Jetten eigentlich quer durch Europa: Spanien, Polen, Frankreich, Skandinavien, sehr viel Österreich und die Schweiz. Doch nichts geht dieser Tage. Die Urlaubsreisenden mögen im Wolfgangsee baden oder auf Mallorca Sangria trinken. Die Dienstreisenden bleiben zu Hause. Nicht für immer, aber noch immer. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, in der dieser Tage Corona schlummert. Niemand will das Virus herauslassen, keiner die Scherben aufkehren. Verluste gab es im Corona-Jahr 2020 schon genug.

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