Sterncenter in Lüdenscheid

Lockerungen im Handel: So fühlt sich das neue Shopping-Erlebnis an

Auch im Stern-Center war die Kundenfrequenz sichtlich erhöht am ersten Tag des Shoppens mit Termin
+
Am Montag zog es Kunden wieder in die Innenstadt. Doch bei weitem nicht alle Geschäfte hatten wieder geöffnet.

Eine deutlich höhere Frequenz in der Innenstadt, aber immer noch viele geschlossene Läden und gemischte Gefühle: An Tag eins der Lockerungen ist am Montag eine Mischung aus Freude und Anspannung zu spüren.

Lüdenscheid - Plötzlich sind wir alle VIP-Kunden: mit persönlichem Empfang am Tresen, mit freundlicher und namentlicher Ansprache, mit der zuvorkommenden Frage nach den Wünschen und Begleitung zum Regal unserer Wahl. Leider gibt’s statt eines Gläschens Champagner für die Seele nur einen Sprühstoß aus dem Desinfektionsfläschchen für die Hände. Willkommen zum Shopping-Tag eins nach dem Lockdown.

Es war sichtlich voller in der Stadt als noch in der Woche zuvor. Doch an seine Einlass-Grenzen stieß keiner der Einzelhändler, die bereits den ersten Tag nutzten, an dem die neue Corona-Schutzverordnung eine behutsame, strikt regulierte Öffnung gestattete. XXXLutz-Geschäftsführer Christos Zachos zeigte sich „froh, dass wir wieder offen haben“. Die Terminvergabe funktioniere wunderbar. Aber einen großen Ansturm gebe es noch nicht. Dürfte es aber: „Wir haben weiß Gott genug Platz!“

In der Innenstadt und im Stern-Center blieben einige Geschäfte am Montag noch geschlossen. Zu kurzfristig kam die Öffnungsperspektive, zu undurchsichtig schienen die Regeln. Also bleiben bei TKmaxx, dem Magneten am Rathausplatz, die Türen noch geschlossen; wann sie geöffnet werden, will das Unternehmen noch mitteilen. Man müsse auf Nummer sicher gehen und das bundesweit einheitlich, hieß es auf Nachfrage: „Wir halten uns sehr strikt an die Regierungsvorgaben.“ Das spreche gegen eine schnelle Öffnung.

Dass die Öffnungsstrategie sogar vorschnell sein könnte, solche Befürchtungen gibt es auch. Mehr Tests, geöffnete Schulen, eine steigende Frequenz – es sei eine tierisch schwierige Situation, urteilt einer der Befragten. Und doch: „Es ist ein Silberstreif am Horizont“, findet Sinn-Geschäftsführer Wilhelm Schnieders. „Aber es war schon sportlich, das alles aus dem Boden zu stampfen, um heute öffnen zu können.“ 68 Kunden dürfen ‘rein ins Modehaus am Sternplatz, eine Stunde Zeit wird jedem zugewiesen. „Einige machen aber auch auf dem Absatz kehrt, wenn sie sehen, sie müssen ein Formular ausfüllen“, hat Schnieders festgestellt und blickt Richtung Rathaus, von wo gerade Bürgermeister Wagemeyer zu einem Innenstadt-Rundgang aufbricht.

Einkauf mit Termin

Der Einkauf mit Termin läuft unterschiedlich. Manche, wie C&A, weisen Kunden ohne Online-Reservierung ab, verlangen gar eine separate Anmeldung für jedes Familienmitglied (außer für Babys). Ayse Cubuk, Filialleiterin von Tom Tailor im Center, gibt Kunden auch spontan einen Termin am Eingang, wenn es die Frequenz zulässt. Dass mancher Kollege noch geschlossen hat, wundert sie nicht: „Ich glaube, die tasten sich ran und öffnen im Laufe der Woche.“ Center-Manager Daniel Dalsasso freut sich einfach nur „für unsere Händler, dass wir Click&Meet als Maßnahme anbieten dürfen. Das ist erst einmal eine gute Sache.“

Am Fuße der Rolltreppe ins Obergeschoss hat Saturn einen Empfangstresen aufgebaut. Serviceleiter Mark Weber hat die aktuelle Kundenzahl auf dem Laptop im Blick. 20 Minuten darf der Einkauf dauern, oft gehe es schneller. Sein Geschäftsführer Yalcin Kaya freut sich über „eine gewisse Normalität“ nach fast drei Monaten Schließung.

Vereinzelt funktioniert der QR-Code am Eingang noch nicht perfekt – Anlaufschwierigkeiten, der schnellen Umstellung geschuldet. Bei H&M ist der Server „busy“ und zusammengebrochen. Er akzeptiert gerade keine Anmeldungen mehr. Trotzdem hatten Kunden ihr Einkaufserlebnis. Sie verlassen den Laden mit Tüten voller Frühjahrsmode und einem Lächeln auf den Lippen.

Endlich kann heute auch das Weihnachtsgeschenk des Kollegen passend gemacht werden: Um 13.30 Uhr, erfuhr er tags zuvor am Telefon, darf er seine Uhr durchs Christ-Fenster reichen. Zwei Kettenglieder müssen raus. Das geht ohne Kontaktformular: „Ich muss ja nicht in den Laden ‘rein.“ Manche Männer gewinnen dem neuen Einkaufserlebnis durchaus positive Seiten ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare