Lüdenscheid sieht bald Allrot

LÜDENSCHEID – Die Stadt will in den kommenden Monaten die 15 Ampelanlagen, die nachts heute noch im Rot-Gelb-Grün-Wechsel durchlaufen, auf eine Allrot-Schaltung umstellen. Das kündigte Verkehrsplaner Christian Hayer am Mittwochabend im Bau- und Verkehrsausschuss an. Sinn der Sache:

Bei Allrot springt die Ampelleuchte bei heranfahrenden Autos auf Grün. Zeit- und Spritverschwendung durch Wartezeiten an leeren Kreuzungen sollen damit bald der Vergangenheit angehören.

57 Ampelanlagen in städtischer Verantwortung gibt es zurzeit in Lüdenscheid, „13 davon haben Anforderungs-Schaltungen für Fußgänger und kommen daher für Allrot nicht in Frage“, erklärte Christian Hayer den Verkehrspolitikern.

An 27 Knoten gibt es die Allrot-Möglichkeit schon, nur an zweien an der Bellmerei, die auf Dauergrün für den Hauptverkehr stehen müssen, sei das nicht machbar. Die 15 verbleibenden Alt-Anlagen aber können nach ihrer Umrüstung für einen fließenden Verkehr in „Schwachlastzeiten“ sorgen, wie es auf gut Planerdeutsch heißt. Und das soll jetzt angefasst werden, im Rahmen der üblichen Wartungs-Intervalle und ohne große Kosten.

Das Hauptproblem, dessentwegen die stadtweite Allrad-Schaltung schon einmal fast zu den Akten gelegt wurde (die LN berichteten), sind die Induktionsschleifen. Ihre Drähte liegen vor den Knotenpunkten im Asphalt, und wenn ein Auto darüberfährt, lösen sie Vorrangschaltungen aus. Nur: Die Schleifen sind meist sehr nahe vor der Haltelinie platziert, um auch kreuzungsnahe Spurwechsel noch zu erkennen. Der geringe Abstand reicht aber vor allem in der Innenstadt nicht zum „Durchfahren“ aus.

Die Lösung laut Christian Hayer sind kleine Videokameras. Am Ampelmasten angebracht, kann ihr Blickwinkel so eingestellt werden, dass sie das Herannahen eines Fahrzeugs so zeitig wie möglich erkennen. Hayer: „Wenn wir diese Digital-Anlagen anbringen, sind wir auf die Schleifen nicht mehr angewiesen, deren Einbau in die Straße obendrein noch teure Baumaßnahmen notwendig macht.“

Wunder in Form einer perfekten „grünen Welle“ könnten aber auch die Infrarot-Detektoren nicht vollbringen. Zumindest ein Abbremsen werde wegen der kurzen Abstände vielfach weiterhin nötig sein. Trotzdem ist Hayer überzeugt: „Der Fahrkomfort wird erheblich gesteigert.“

An acht der 27 Anlagen, die diese Steuerung heute schon haben, läuft sie allerdings in der Praxis nicht. Warum das so ist, habe die Stadt bereits beim Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb STL sowie bei der Fachfirma Jungkurth mit der Bitte um Stellungnahme abgefragt, sagte Hayer. Im Rahmen turnusmäßiger Wartungsarbeiten würden diese Anlagen zurzeit überprüft, um auch hier die Allrot-Schaltung zwischen 23 und 5 Uhr zu aktivieren.

Eine andere Forderung, nämlich die Ampeln in der Innenstadt für den Hauptverkehr auf „Dauergrün“ zu schalten, lehnt Hayer im Ausschuss dagegen rundweg ab. Dadurch würden überhöhte Geschwindigkeiten geradezu herausgefordert. - hgm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare