Fahrradklima ist "vergiftet"

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Der Radweg auf der Herscheider Landstraße.

Lüdenscheid - 2014 landete die Stadt beim Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) im Märkischen Kreis auf dem letzten Platz – und war somit die „rote Ampel“. In diesem Jahr sieht es nicht besser aus: Lüdenscheid belegt Rang 96 von 98 Städten.

„Die Stadt Lüdenscheid muss endlich in die Puschen kommen“, findet Martin Isbruch, 1. Vorsitzender ADFC im Märkischen Kreis (ADFC MK). Vor zwei Jahren wurde das Fahrradklima in der Bergstadt als „vergiftet“ beschrieben, Lüdenscheid landetet damals auf Platz 100 von 100 teilnehmenden Städten bundesweit. „Und angesichts der vernichtenden Kommentare in der offenen Frage war das damals unseres Erachtens nach auch vollkommen zu Recht“, erklärt der Vertreter des ADFC MK. 

Viel geändert habe sich seitdem aber nicht viel, teilt der Fahrrad-Club im Märkischen Kreis mit. Man habe in Lüdenscheid jahrzentelang geglaubt, dass man hier einfach kein Fahrrad fahre und jetzt werde man von dem Pedelec-Trend überrollt. Pedelecs sind Elektrofahrräder, bei denen der Fahrer von einem Motor unterstützt wird, wenn er selbst in die Pedale tritt. 

Beim Fahrradklima-Test in Lüdenscheid haben insgesamt 95 Menschen teilgenommen. In verschiedenen Kategorien mussten sie ihre Bewertungen abgeben: Fahrrad- und Verkehrsklima, Stellenwert des Radfahrers, Sicherheit beim Radfahren, Komfort beim Radfahren sowie die Infrastruktur und das Radverkehrsnetz waren dabei die wichtigsten Punkte. 

Das Ergebnis wird in Schulnoten angegeben, für Lüdenscheid gab es eine 4,6. „Die Bewertungen liegen auf dem ausreichenden bis mangelhaftem Niveau der Vorjahre“, heißt es in der Mitteilung. Als besonders negativ empfanden die Tester ein sehr geringes Angebot an öffentlichen Leihfahrrädern sowie zu wenig Werbung für das Radfahren. Kritisiert wurden außerdem Falschparker, die auf den Radwegen parken, und die seltenen Falschparkerkontrollen. 

Radfahrer fühlen sich gefährdet

Die Sicherheit beim Radfahren ist laut der Tabelle des ADFC in einigen Punkten nicht zufriedenstellend. 51 von 95 Menschen fühlen sich als Radfahrer auf der Straße gefährdet, Radfahrer können ihrer Ansicht nach nicht sicher auf den wenigen Radwegen unterwegs sein. 

Als Stärke hingegen sehen die Teilnehmer den Fahrraddiebstahl, der in der Bergstadt selten vorkomme. Als besonders positiv bewerten die Tester die gute Wegweisung für Radfahrer. Außerdem gebe es kaum Konflikte mit Fußgängern. „Der Fahrradklima-Test zeigt deutlich – auch durch die hohe Anzahl der Teilnehmer –, dass die Menschen in Lüdenscheid Fahrrad fahren wollen und besser Bedingungen einfordern“, resümiert Isbruch. 

Neben Lüdenscheid wurden zwei weitere Städte im Märkischen Kreis getestet: Iserlohn und Menden verbesserten sich seit dem Test in 2014. Iserlohn belegte Platz 21 von 98 Städten mit einer Gesamtbewertung von 3,5 und erhielt somit die Auszeichnung als einer der besten „Aufholer“. „Es tut sich langsam etwas. Es nutzen in Iserlohn bereits deutlich mehr Menschen im Alltag das Fahrrad, gerade auch durch den Pedelec-Boom“, sagt Isbruch. Die Auszeichnung sei ein wichtiger Ansporn für die weitere Arbeit. 

In Menden habe sich ebenfalls etwas getan. 2014 belegte die Stadt den 98. Platz von insgesamt 100 teilnehmenden Städten. In diesem Jahr landete Menden auf Rang 50. „Auch wenn bisher nur viel diskutiert und noch wenig umgesetzt wurde, hat das Thema Radverkehr in Menden seinen notwendigen Platz erhalten“, findet Martin Isbruch.

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