Revierförster: Baumstämme werden zum Problem

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Massenweise Holz lagert derzeit auf dem Schützenplatz Hohe Steinert. Mittelfristig muss das Gelände geräumt werden – spätestens vor dem BSV-Schützenfest 2020.

Lüdenscheid - „Die Käferplage in unseren Wäldern ist beispiellos. Aber die Talsohle ist bei weitem noch nicht erreicht. Im nächsten Jahr sind weitere Befallsflächen zu erwarten.“ So lauten die alarmierenden Kernaussagen eines Vortrags, den Revierförster Marcus Teuber in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Umwelt hielt.

Der Experte des Forstamtes fordert Hilfe von der Stadt. Die Konsequenzen aus den Waldschäden für private Waldbauern und Kommunen liegen laut Teuber auf der Hand: Die Holzpreise sinken, Absatzmärkte, Lagerplätze und Transportmöglichkeiten müssen verbessert werden. 

Die aktuellen Aufgaben sind ebenso klar. Marcus Teuber: „Wir müssen Schadholz aufarbeiten und abtransportieren, Waldwege müssen nach Maschineneinsätzen hergestellt und gepflegt werden, und wir brauchen dringend Lagerplätze!“ Die Kreisstadt als Mitglied der Forstbetriebsgemeinschaft könne hier eine Vorreiterrolle spielen. 

Wie das funktionieren kann, zeigt der Rückblick auf die Auswirkungen des Sturms Kyrill, der am 18. Januar 2007 große Teile des heimischen Forstbestandes verwüstete. Damals waren die Stämme vom Bahngelände Brügge aus auf Güterzügen zu Sägewerken oder Überseehäfen gebracht worden – eine Lösung, für die sich der Revierförster auch angesichts der aktuellen Lage stark macht. 

Derzeit dient der Schützenplatz Hohe Steinert als Lagerplatz für mindestens 2000 Festmeter Baumstämme. Nach mehreren Absagen von Grundstückseigentümern habe sich der Vorstand des BSV „äußerst kooperativ und hilfsbereit“ gezeigt, so Marcus Teuber. 

Doch das Gelände, von dem aus das Schadholz per Sattelschlepper abgeholt werde, steht nur für wenige Monate zur Verfügung. „Rechtzeitig vor dem Schützenfest muss der Platz geräumt sein.“ 

Die Fraktionen sprachen sich im Ausschuss dafür aus, den Waldbauern und dem Forstamt helfen zu wollen. Zunächst geht es darum, den Brügger Umschlagplatz am Gleis für Lagerung und Transporte wieder nutzbar zu machen. 

Denn inzwischen hat jemand dort massenweise Erdreich abgekippt, das weggebaggert werden muss. Wer dafür verantwortlich ist, was die Beseitigung kostet und wer sie bezahlen muss, das versprach Planungs-Chef Martin Bärwolf kurzfristig zu klären. 

Teuber: „Wir brauchen dieses Signal!“ Die Klimakrise „vor der eigenen Haustür“ zu bekämpfen und „zum Schutz unserer Umgebung“ beizutragen, das soll nun mit dem Waldbaukonzept von Stadt und Forstamt vorangetrieben werden. 

Der Wald soll laut Marcus Teuber „auf die künftige Entwicklung ausgerichtet werden“. Doch für den Revierförster ist die Frage nach der Ursache des „Flächenbrandes“ noch offen: „Ist das noch Wetter? Oder ist das schon Klima?“

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