Durch Medikamente: 25 Todesfälle in der Region

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Dr. Stefanie Brune im Gespräch mit Wolfgang Scholz. In der Hirsch-Apotheke werden etwa zehn Medikationspläne wöchentlich erstellt.

Lüdenscheid - Von 4300 Todesfällen in NRW in Folge von Wechsel- und Nebenwirkungen durch Medikamente geht das Landesgesundheitsministerium aus. 25 Todesfälle würde das rechnerisch für die Region Lüdenscheid bedeuten.

Von Florian Hesse

Mit dieser Rechnung macht der Lüdenscheider Apotheke Wolfgang Scholz darauf aufmerksam, dass es zum einen eine offenkundige und andauernde Gefährdung durch Arznei-Cocktails gibt und die Risikogruppe auch in der Bergstadt enorm groß ist. Statistisch leben in Lüdenscheid rund 8500 Einwohner über 65 Jahre, die täglich fünf oder mehr Medikamente einnehmen.

Medikationspläne unverzichtbar

Ob diese Mittel untereinander verträglich sind, die Wirkung gegenseitig vermindern oder verstärken, sei häufig nicht durch Medikationspläne erfasst – insbesondere dann, wenn mehrere Ärzte Medikamente verschreiben, der Überblick darüber aber beim Hausarzt oder beim Patienten verloren gehen kann.

Seit Jahren versucht der Lüdenscheider Apotheker, dem Problem entgegenzuwirken. In die hauseigene „Scholz Datenbank“ werden seit 30 Jahren systematisch neue Präparate eingepflegt und abgeglichen.

Rund zehn Patienten wöchentlich lassen sich durch Dr. Stefanie Brune in der Hirsch Apotheke an der Knapper Straße einen Medikationsplan erstellen, der auf einen Blick Komplikationen durch Kombinationen sichtbar macht und gegebenenfalls eine Ersatzmedikation ausweist.

Bundesregierung will reagieren

Informiert wird darin über Einnahmemenge und -form, enthaltenen Wirkstoff, den Grund der Einnahme und nicht zuletzt über Wechselwirkungen mit normalen Nahrungsmitteln. Beispiel: Der verbreitete Cholesterinsenker Simvastatin verträgt sich nicht mit Grapefruitprodukten.

Darauf wolle auch die Bundesregierung reagieren, spricht Scholz das angekündigte E-Health-Gesetz an, das im Oktober 2016 in Kraft treten und Medikationspläne verbindlich vorschreiben soll. Das sei zwar im Grundsatz zu begrüßen, doch die Möglichkeit, Komplett-Pläne zu erstellen, bestehe längst, sagt er mit Blick auf die vorhandene Datenbank.

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