„Halle in der Halle“ vor Abriss

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Zwischen den Wänden bleibt kein Meter Abstand.

LÜDENSCHEID - Ungewohntes bei Platestahl in Brüninghausen: In der alten Halle mit den zwei Walzanlagen übernehmen derzeit die Dachdecker die Spätschicht. Und die Schmiede bleiben draußen. Das Projekt „Halle in der Halle“ (wir berichteten) neigt sich dem Ende zu.

Handwerker haben damit angefangen, das alte Gemäuer, über das sich eine große neue Halle wölbt, vorsichtig von Hand abzutragen. Produktionsleiter Dr. Achim Kluge ist zufrieden. „Es klappt alles, wir sind im Zeitplan.“

Neben frisch gewalzten, noch glühenden Ringen für die Kugellagerproduktion stehen Schuttcontainer. Sie werden bis zum Abend weiter mit Dachpfannen gefüllt. Das ist der erste Arbeitsschritt für eine der ungewöhnlichsten Baumaßnahmen in der Lüdenscheider Industrie.

Platestahl brauchte dringend mehr Platz, um eine 2000-Tonnen-Presse aufstellen zu können, stattliche elf Meter hoch – und eine Halle, die groß genug ist, dass über der neuen Presse noch Deckenkräne fahren können. Das alles möglichst ohne teure Produktionsausfälle. Kompliziert wurde das Unterfangen vor allem deshalb, weil für eine große neue Halle im engen Brüninghauser Tal einfach kein Platz ist. So entstand die Idee, das alte Ziegelgebäude einzuhausen. Während die Wände aus Fertigbetonteilen wuchsen, schmiedeten die Arbeiter weiter Ring für Ring.

Die neuen Deckenkräne sind schon montiert. Sie werden im zweiten Arbeitsschritt, wenn die Dachziegel komplett beseitigt sind, die stählernen Dachbinder vom Altbau heben. Dann geht es an den Abriss der Ziegelwände – auch wieder vorsichtig und „händisch“, wie Kluge sagt. Im nächsten Schritt sollen alle Leitungen für Pressluft, Kühlwasser oder Strom verlegt werden, die die Verbindungen zu den Aggregaten ersetzen müssen, wenn das alte Gemäuer endgültig weg ist.

Doch auch dann wird es dauern, bis die gigantische Hydraulikpresse vor Ort ihre Arbeit aufnehmen kann. Die, erklärt Dr. Achim Kluge, sei noch nicht mal bestellt. „Das Genehmigungsverfahren für die neue Anlage läuft noch. Zunächst ist eine ganze Reihe von Maßnahmen zu bewältigen, etwa der Einbau einer riesigen Abluftanlage. Die wird nötig sein, weil der Lärm die Anwohner nicht stören darf, die Halle deshalb gut gedämmt und „dicht“ sein muss, aber gleichzeitig nicht zur Sauna werden darf. „Wir müssen die Abwärme hier rauskriegen.“

Auch der Aufwand für die Betonfundamente für die neuen Aggregate wird laut Kluge gewaltig sein. In den dicken Betonsockel müssen zum Beispiel Fluchtwege für die Arbeiter eingebaut werden.

Mit dem Bau und der Einrichtung der neuen und dem Abriss der alten „Halle in der Halle“ will sich Platestahl für die Herausforderungen der Zukunft fit machen. Bis Mitte 2015, sagt der Produktionsleiter, soll das Projekt endgültig abgeschlossen und die neue Anlage in Betrieb sein. Allein Neubau und Abriss der Gebäude und die Anschaffung kleinerer Aggregate und der Kräne werden rund vier Millionen Euro kosten. Der neue Ofen, die Presse, das Walzwerk sowie Spezialroboter verschlingen noch einmal etwa 14 Millionen Euro. - Von Olaf Moos

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