Michael Meyer will Inhalte rüberbringen - Ober-Pirat im Porträt

Michael Meyer (Piratenpartei).

LÜDENSCHEID - Sympathisch war ihm die Piratenpartei schon immer, sagt ihr designierter Landtagskandidat für den Wahlkreis 123, der Lüdenscheider Michael Meyer.

Von Thomas Hagemann

Und als die Piraten auf dem Bundesparteitag in Nürnberg beschlossen, sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden Deutschen einzusetzen, da heuerte der 48-Jährige bei ihnen an. Denn 1000 Euro im Monat für jeden – das ist ihm schon seit langem ein Anliegen, für das er sich im 2009 gegründeten MK-Arbeitskreis in Lüdenscheid einsetzt.

Dabei ist der Bergstädter als Chef der Service-Agentur Meyer ein waschechter Unternehmer – allerdings einer, der es nach eigenen Angaben tagtäglich mit Menschen im Niedriglohnsektor zu tun hat. „Wer das erlebt, für den ist die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens umso einleuchtender. Es gäbe jedem Menschen die Freiheit zurück, zu tun, was er will.“

Dass die Wirtschaft bei so paradiesischen Zuständen mangels motivierter Arbeitnehmer kollabieren könnte, fürchtet Meyer nicht: „Die Leute wollen ja arbeiten, es geht nur darum, dass jeder eine sichere Existenzgrundlage erhält. Das ist heute nicht so, obwohl pro Kopf etwa dieselbe Summe an Sozialleistungen ausgegeben wird. Erst recht, wenn man den riesigen Kontroll- und Bestrafungsapparat hinzurechnet.“

Auch das zweite große Thema der Piratenpartei, die Freheit im Internet, liegt Meyer am Herzen. „Dabei geht es um Teilhabe aller an Wissen und Kultur.“ Die Skepsis der Wissen- und Kulturschaffenden, die bei schrankenlosem Verbreitungsrecht um ihre Existenzgrundlage fürchten, kann er zwar nachvollziehen. Doch laut dem Piraten-Programm, aus dem Meyer im LN-Gespräch zitierte, geht es der jungen Partei nur um einen fairen Interessenausgleich. Den gebe es heute nicht, zu viele Menschen blieben außen vor, weil Teilhabe zu teuer sei. Meyer: „Wir sind letzten Endes eine Bürgerrechtspartei, wie es die Liberalen mal sein wollten.“

Das gelte auch nach innen. Das Internet biete den Piraten die Chance, zu wichtigen Fragen rasch das Meinungsbild ihrer Anhänger einzuholen. Die Proteste gegen „Acta“, das internationale Abkommen zum Schutz vor Urheberrechtsverletzungen und Produkt-Piraterie, hätten dies gezeigt.

Auf die Frage, warum er mit Themen, die nur auf Bundes- oder EU-Ebene zu regeln wären, für den Landtag antritt, der sich um Städte, Schule, Polizei oder Justiz kümmert, räumt Meyer ein: „Weil wir Leute brauchten, die unsere Inhalte rüberbringen.“

So wurde er bei einem Gegenkandidaten von einer Versammlung in Iserlohn nominiert, an der zwölf Piraten und zwölf Interessierte teilnahmen. Einen Listenplatz hat er nicht. Um in den Landtag zu kommen, muss er jetzt 100 Unterstützer-Unterschriften sammeln, „von denen gut 80 schon da sind“, und dann die meisten Stimmen im Wahlkreis erhalten, also das Direktmandat holen. „Dann könnte ich mich auch mit der Landtagsarbeit anfreunden“, schmunzelt der Vater zweier Töchter, der sieben Prozent indes für möglich hält.

Vor einigen Jahren saß Meyer als Grüner im Herscheider Gemeinderat. „Aber Kommunalpolitik ist unbefriedigend in einer winzigen Fraktion, in der dich von außen damals alle noch als Spinner ansahen.“ Auch wenn ihm die Grünen weiter sympathisch seien: „Die sind heute schon ganz schön etabliert. Und den Zug in Sachen Internet und Bürgerrechte haben sie einfach verpasst.“

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