Die Probleme sollen seit Jahren bestehen

Vorwurf gegen SOS-Kinderdorf: "Das ist doch lebensgefährlich"

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Christel und Dieter Opitz haben die Fußbälle gesammelt, die in den vergangenen Wochen auf ihr Grundstück geschossen wurden. „Abgeholt werden die Bälle nie“, sagt Christel Opitz.

Christel und Dieter Opitz reicht es. Seit mehr als 40 Jahren wohnen sie an der Fontanestraße direkt neben dem Bolzplatz des SOS-Kinderdorfes. Dort spielen Kinder – klar. „Aber was sich hier abspielt, das ist ganz fürchterlich“, sagt Christel Opitz.

  • Ehepaar wohnt neben SOS-Kinderdorf
  • Es beschwert sich über Spielzeuge im Garten
  • Kinderdorf verteidigt sich

Lüdenscheid – Von der Leitung des SOS-Kinderdorfes fühlen sie sich mit ihrer Meinung und ihren Bitten als Nörgler abgestempelt. Barbiepuppen-Beine, kaputte Fußbälle, zerstörtes Spielzeug, leere Getränkedosen, Stöcke und dann immer wieder auch Steine. Wenn Christel und Dieter Opitz durch ihren Garten gehen, könnten sie gleich einen Mülleimer mitnehmen. Denn irgendetwas liegt immer in ihrem Garten. 

„Woher das Zeug kommt? Das schmeißen die Kinder vom Bolzplatz des SOS-Kinderdorfes aus über den Zaun in unseren Garten“, sagt Christel Opitz. Immerhin ein stabiler Metallzaun von gut sechs Metern Höhe. 

Vorwurf an SOS-Kinderdorf: „Das ist doch lebensgefährlich“

„Das passiert nicht aus Versehen, sondern ganz absichtlich“, ist sich Christel Opitz sicher. Denn sobald das Ehepaar in seinem Wintergarten sitzt oder in seinem Garten arbeitet, fliegen Gegenstände auf sein Grundstück. „Das ist doch lebensgefährlich“, sagen Christel und Dieter Opitz. 

Stöcke, leere Konservendosen, kaputtes Spielzeug und immer wieder auch Steine fliegen dem Ehepaar regelmäßig auf die Terrasse und in die Beete.

In einer Stellungnahme an die Lüdenscheider Nachrichten schreibt das SOS-Kinderdorf: „Im SOS-Kinderdorf Sauerland leben 70 Kinder und Jugendliche, die rund um die Uhr von Mitarbeiter*innen betreut werden. Hier ist es trubelig und natürlich kommt es auch dazu, dass die Kinder ihre Grenzen austesten, Regeln überschreiten und sich nicht immer passend verhalten. 

Dabei vergreifen sie sich sicher auch mal im Ton und vor allem können sie mitunter die Folgen und Auswirkungen ihres Tuns nicht immer richtig einschätzen. Wir geben Kindern, die aufgrund von vielfältigen Problemen nicht mehr in ihrer Herkunftsfamilie verbleiben können, ein neues Zuhause. Diesen Weg zu beschreiten und die Kinder und Jugendlichen dabei bestmöglich zu unterstützen, ist das, was uns am Herzen liegt. Wir sind betroffen, dass eine interne Nachbarschaftsstreitigkeit hier diskutiert wird.“ 

Vorwurf an SOS-Kinderdorf: Keine Abend- oder Mittagsruhe

Für das Ehepaar Opitz ist es mehr als eine „interne Nachbarschaftsstreitigkeit“. Nicht nur, dass die Probleme seit Jahren bestehen, es kommt in den Augen der Anwohner auch zu keiner Lösung. „Bis in den späten Abend hinein wird auf dem Bolzplatz geschrien oder der halbe Dickenberg wird mit einem Radio beschallt“, sagt Christel Opitz. Eine vor Jahren – auf Bitten des Ehepaares – eingeführte Mittagsruhe wird nur selten eingehalten. „Man kann im Sommer nicht auf unserer Terrasse sitzen und sich unterhalten, da versteht man sein eigenes Wort nicht“, sagt sie weiter. 

Hinzu kämen immer wieder Beleidigungen, die die Kinder und Jugendlichen aus dem SOS-Kinderdorf dem Ehepaar an den Kopf werfen. Gespräche mit den Zuständigen beim SOS-Kinderdorf hat es viele gegeben. Nicht immer gingen sie im beiderseitigen Einvernehmen aus. Ihr Ansprechpartner in den zurückliegenden Jahren war vor allem der pädagogische Leiter des Dorfes, Stefan Weisheit. 

SOS-Kinderdorf wehrt sich: Ehepaar verweigere "konstruktive Kommunikation"

Umso überraschter sind die Opitz’, dass sich in der Stellungnahme nun die Einrichtungsleiterin Gabi Polle zu Wort meldet: „Das Ehepaar Opitz verweigert seit Jahren eine konstruktive Kommunikation über die bestehenden Nachbarschaftskonflikte. Wir halten daher eine Verlagerung der nicht gelingenden Kommunikation in die Öffentlichkeit für alles andere als sinnvoll und werden uns daran nicht beteiligen.“ 

„Ich bin sprachlos“, sagt Christel Opitz dazu. „Wir kennen Frau Polle eigentlich nur aus der Zeitung, sie hat noch nie mit uns gesprochen“, sagt sie. Und: „Wir haben zig Briefe geschrieben, und noch mehr Gespräche geführt, die alle zu nichts geführt haben. Häufig bekamen wir noch nicht einmal eine Antwort“, erklärt sie. 

Der Blick aus Richtung des Bolzplatzes auf das Haus der Familie. Die beiden Senioren möchten auf jeden Fall hier wohnen bleiben.

Das sei unter der Leitung früherer Einrichtungsleiter anders gewesen. „Da gab es auch mal Probleme, aber da wurde miteinander gesprochen, die Verursacher wurden gefunden und die Kinder haben sich dann entschuldigt“, erinnert sich Christel Opitz. Die beiden 78-jährigen Lüdenscheider wollen sich nicht als Nörgler abstempeln lassen. 

„Auch unsere Nachbarn haben ja Probleme mit dem SOS-Kinderdorf“, sagen sie und erzählen, dass mehrfach sogar das Ordnungsamt von den Nachbarn gerufen worden sei. „Wir wollen hier wohnen bleiben“, sagen die Opitz’ und verleihen damit auch ihrem Wunsch Nachdruck, endlich zu einer guten Lösung zu kommen: „Wir wollen uns nicht von den Kindern beschimpfen lassen, und wir möchten keine Angst haben, in unserem eigenen Garten von Gegenständen abgeschossen zu werden.“ 

"Hoffen, dass es damit nicht getan ist"

Stefan Weisheit fügt in der Stellungnahme des SOS-Kinderdorfes zu dem Fall hinzu, dass er „nach wie vor jederzeit als Ansprechpartner für die Nachbarschaft erreichbar ist, wenn Familie Opitz an konstruktiven Gesprächen interessiert ist.“ Gegen konstruktive Gespräche sträubt sich auch das Ehepaar Opitz nicht. 

„Aber es muss dann auch eine Lösung gefunden werden und die gilt es einzuhalten. Bisher haben wir immer nur gehört: ‚wir müssen daran noch arbeiten’. Aber dann ist nichts passiert.“ „Wir möchten an dieser Stelle mit der Sache schließen“, endet die Stellungnahme des SOS-Kinderdorfes. 

„Wir wollen hoffen, dass es damit nicht getan ist und dass sich die Verantwortlichen nun tatsächlich in nächster Zeit bei uns melden werden“, sagt Christel Opitz und wünscht sich, dass sie und ihr Mann bis dahin genügend Kraft aufbringen können, die derzeitige Situation auszuhalten.

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