Ehemaliges Kinderheim in Lüdenscheid

Denkmalschutz verhindert nicht den Gebäudeverfall

Das ehemalige Kinderheim an der Freiherr-vom Stein-Straße steht unter Denkmalschutz. Seine Zukunft ist noch ungewiss.

LÜDENSCHEID ▪ LN-Leser Hans-Joachim Mletzko ist empört. Der Zustand des ehemaligen Kinderheims an der Freiherr-vom Stein-Straße 27 geht ihm nicht mehr aus dem Sinn, seit er sein früheres Wohnhaus mehr durch Zufall kürzlich wieder einmal besucht hat. Entsetzt sei er gewesen, wie heruntergekommen alles sei, wie gammelig und verwahrlost der Gesamteindruck.

„Mir kommt es so vor, als ob das Gebäude für den Abriss vorbereitet wird, damit der bekannte Baulöwe, der auch schon das Haus davor gekauft hat, es auch noch platt machen kann“, schreibt er in einem Leserbrief an die Lüdenscheider Nachrichten.

In der Tat wird in diesen Tagen um die Zukunft des Gebäudes, das nach wie vor noch der Stadt gehört, intensiv verhandelt. Denn es gibt durchaus einen privaten Investor, der einen Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes für eine Nutzung „im sozialen Bereich“ plant. Doch inwieweit die Kosten dafür im realistischen Rahmen bleiben können, hängt auch von den Vorstellungen des Denkmalschutzes ab. Sollte sich diese Nutzungsmöglichkeit zerschlagen, so die Befürchtung, könnte das Gebäude nach und nach dem Verfall preisgegeben sein und irgendwann – Denkmalschutz hin, Denkmalschutz her – nicht mehr mit vertretbarem Aufwand hergerichtet werden können.

Erste Verfallserscheinungen sind bereits jetzt sichtbar, da der Bau, der zuletzt von verschiedenen Vereinen und Verbänden genutzt worden war, seit längerem leer steht. Als einer der letzten Mieter hat der Kinderschutzbund sein neues Domizil an der Jahnstraße Ende letzten Jahres bezogen. Jetzt wächst auf nicht mehr benutzten Treppenstufen hohes Unkraut, der Putz bröckelt vom Aufgang, hinterm Türgitter vergilbt ein Schornsteinfegerzettel. Längst ist das Gebäude mit seinem Stuck-Charme und seiner stadthistorischen Bedeutung dicht umgeben von Wohnwürfeln, die hier in den letzten Jahren innenstadtnah entstanden sind.

„Mir tut das weh“, sagt Hans-Joachim Mletzko. Er habe selbst 25 Jahre lang in dem Haus gewohnt und sei immer mal wieder auch mit ehemaligen Bewohnern des früheren Kinderheims ins Gespräch gekommen. Und er bringt die Gefühle der ehemaligen Hausbewohner auf den Punkt: „Wenn ich sehe, wie das vergammelt...“

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